Archäologen erklären

Ringheiligtum Pömmelte bei Schönebeck Salzlandkreis: Archäologen erklären Ausgrabungen aus Aunjetitzer Kultur

Pömmelte - Die Menschen lebten 2300 v. Chr.–1550 v. Chr. in lang gezogenen Häusern, in denen im Winter auch das Vieh Platz fand - vor allem, um in der kalten Jahreszeit Wärme zu spenden. Beisetzungsrituale und Grabbeigaben wecken das Interesse der Archäologen.

Von Katrin Wurm 13.08.2019, 05:56

Eine mehr als 4 000 Jahre alte Siedlung haben Archäologen kürzlich am Ringheiligtum Pömmelte entdeckt. Es ist die bislang größte Siedlung der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur aus der Zeit vor 4.300 bis 3.600 Jahren in Mitteleuropa. Diese Nachricht sorgte deutschlandweit für Furore. Das Interesse an Führungen, insbesondere Grabungsführungen, ist dementsprechend groß.

Im Juli besuchten mehr als 5.000 Menschen das Ringheiligtum, fast 2.000 mehr als im Juli des Vorjahres, heißt es aus der Pressestelle des Salzlandkreises. „An den Grabungsführungen nehmen im Durchschnitt etwas mehr als ein Dutzend Menschen teil“, bilanziert Marianne Bothe von der Pressestelle des Landkreises.

Die Nähe zur Elbe, der fruchtbare Boden und Handelsstraßen machten die Gegend attraktiv für Siedlungen

Und so ist auch die jüngste Grabungsführung gut besucht. Grabungsleiter Matthias Zirm vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt freut sich über den Zuspruch. „Es ist schon beeindruckend, was wir hier ausgraben. Und das merken auch die Besucher.“

Um alle auf einen Stand zu bringen, ordnet der Archäologe das Ringheiligtum geografisch mithilfe einer Karte ein. „Unsere Altvorderen siedelten auf einem leichten Höhenzug. Das Gelände liegt etwa drei Meter über der Elbaue. Quasi wie auf einer kleinen Insel“, erklärt Zirm.

„Die Nähe zur Elbe, der fruchtbare Boden und Handelsstraßen von Nord gen Süden Europas machten die Region um Schönebeck schon damals für Menschen interessant“, sagt er weiter und weist auf die Besonderheiten der Siedlungen hin.

In den Häuser lebten die Menschen zusammen mit ihrem Vieh

Die Menschen lebten damals in lang gezogenen Häusern, in denen im Winter auch das Vieh Platz fand - vor allem, um in der kalten Jahreszeit Wärme zu spenden. Es sind aber auch die Beisetzungsrituale und Grabbeigaben, die das Interesse der Archäologen wecken und auch Matthias Zirm ist ganz verzückt, wenn er davon berichtet, was er und sein Team finden.

Es sind vor allem glockenförmige Becher, die Archäologenherzen höher schlagen lassen. Matthias Zirm erklärt warum: „An Grabbeigaben wurden Trinkgefäße, wie Glockenbecher, Schalen und Tassen, aber auch Armschutzplatten und Pfeilspitzen aus Feuerstein ausgegraben. Das Ringheiligtum von Pömmelte wurde von Vertretern der Glockenbecher-Kultur erbaut.“ Die Glockenbecher-Kultur stellt eine Kultur am Übergang von der Jungsteinzeit zur Bronzezeit dar.

Diese Kultur war gekennzeichnet durch eben diese speziell geformten Keramikgefäße. Matthias Zirm hält einen der gefundenen Glockenbecher in der Hand und betrachtet ihn. „Der ist von so guter Qualität, der kann sogar in die Spülmaschine“, sagt der Grabungsleiter mit einem Augenzwinkern und gibt das robuste Teil einmal reihum, sodass jeder das mehr als 4.000 Jahre alte Gefäß in den Händen halten kann.

Studenten aus England verstärken das Ausgrabungsteam am Ringheiligtum Pömmelte

Im Anschluss führt er die Gruppe zu den aktuellen Ausgrabungsstellen. Die Besucher erhalten konkrete Vorstellungen, was Archäologie kann: Die Rekonstruktion der Vergangenheit - aufgrund des unterschiedlichen Bodens, Keramikteilen oder Knochen.

Das Ausgrabungsteam ist international. Neben den Mitarbeitern des Landesamtes sind auch Studenten dabei. „Derzeit haben wir Studenten aus England hier“, sagt Zirm. Auch das internationale Publikum nehme zu, berichtet der Grabungsleiter. „Wir haben zunehmend Gäste aus den skandinavischen Ländern hier. Deshalb ist es auch wichtig, dass wir unsere Ausschilderungen und Beschreibungen zukünftig mehrsprachig gestalten.“

Weitere Führungen gibt es am 22. August sowie am 5. und 19. September

Noch bis Ende September erkunden die Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt die bis dato größte und bekannte Frühbronzezeitliche Siedlung Sachsen-Anhalts. Wer auch an einer Grabungsführung am Ringheiligtum in Pömmelte teilnehmen möchte, hat dazu am 22. August, 5. und 19. September Gelegenheit. Besucher können ohne Voranmeldung teilnehmen. Weitere öffentliche Führungen gibt es regelmäßig dienstags um 11 Uhr sowie freitags, samstags und sonntags, 14 Uhr.

Auch an der touristischen Infrastruktur am Ringheiligtum werde gearbeitet, heißt es aus der Pressestelle. In Vorbereitung ist der Bau eines Informationszentrums. „Der Baustart soll so schnell wie möglich erfolgen. Nach Fertigstellung erhalten die Gäste dort Informationen zum Ringheiligtum, zum Netzwerk Himmelswege in Sachsen-Anhalt und zu anderen touristischen Anlaufpunkten in der Region. Für das Projekt ist bei der Investitionsbank eine Förderung beantragt“, so Marianne Bothe. (mz)