„Aufstieg ohne Titel nichts Wahres“

Fußballer und Fans hadern mit Saisonabbruch beim Fußball im Salzlandkreis: „Aufstieg ohne Titel wäre nichts Wahres“

Bernburg - Im Salzlandkreis würde von der Regelung, dass es keine Absteiger gibt, Landesligist Rot-Weiß Alsleben profitieren. Voriges Jahr aufgestiegen, stehen die Männer von der Saale bei Saisonabbruch auf einem Relegationsplatz in der Südstaffel.

Von Detlef Liedmann 19.05.2020, 12:56

Dass der avisierte Abbruch der Punktspiele im Land bei Fußballern und Fans nicht auf ungeteilte Zustimmung trifft, war absehbar. Aber diese Entscheidung schafft Planungssicherheit. Dennoch: Es soll zwar Aufsteiger und keine Absteiger geben, falls der Verbandstag diese Vorschläge am 12. Juni absegnet, aber eben auch keine Meister.

Im Salzlandkreis würde von der Regelung, dass es keine Absteiger gibt, Landesligist Rot-Weiß Alsleben profitieren. Voriges Jahr aufgestiegen, stehen die Männer von der Saale bei Saisonabbruch auf einem Relegationsplatz in der Südstaffel.

Landesligist Rot-Weiß Alsleben würde von der Regel „Keine Absteiger“ profitieren

Ob dort Thale nächste Saison einer der Gegner ist, wird sich zeigen. Nämlich dann, wenn feststeht, wer aufsteigen will und wer eventuell zurückzieht. Aktuell sind in der Südstaffel 15 Teams zu Hause und in der Nordstaffel sind es 16.

Eintracht Winningen, Thales Gegner in der Landesklasse 3, hätte den Strauß auch lieber sportlich ausgefochten. Und der Salzlandmeister von 2019 wird, sollten die Regeln wie geplant beschlossen und angewendet werden, keinen Nachfolger haben.

„Natürlich wären wir alle viel lieber sportlich aufgestiegen“, sagt Plötzkaus Trainer Christian Bilkenroth. Um dann nachzuschieben: „Wenn wir aber die Möglichkeit bekommen sollten, so aufzusteigen, nehmen wir dies natürlich an.“ Mithin hat sein Team bei Saisonabbruch zehn Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Einheit Bernburg.

Plötzkaus Trainer Christian Bilkenroth sieht Klassenerhalt als realistisch an

„Die Tabelle lügt nicht und man sieht, dass meine Jungs einfach die besten in der Salzlandliga waren. Dafür schonmal ein dickes Kompliment von meiner Seite. Es ist eine großartige Mannschaft, die von Spiel zu Spiel dazulernt und den absoluten Willen besitzt, Siege einzufahren.

Falls wir aufsteigen sollten und die Mannschaft zusammenhalten können, wird das Ziel, den Klassenerhalt in der Landesklasse zu erreichen, absolut realistisch und möglich sein.“

Dass es keine Meister geben soll, stößt einigen Verantwortlichen sauer auf. Zum Beispiel in Rieder im benachbarten Harzkreis, wo man sich derzeit für einen Aufstieg noch nicht so recht erwärmen kann. Trainer Tim Schulze sei es vor allem wichtig gewesen, den Titel das Harzmeisters in den Sportpark zu holen. Ob das Aufstiegsrecht wahrgenommen wird, wollen Mannschaft und Vorstand entscheiden.

Das Team in Rieder will beraten, ob das Aufstiegsrecht wahrgenommen wird

Auch die Fans hatten sich auf eine Meisterfeier gefreut. „Ein Aufstieg ohne Titel wäre nichts Wahres“, sagt Philipp Schoof vom „Block R“. Trotzdem würden die Anhänger der Grün-Weißen eine Entscheidung pro Aufstieg mittragen. „Ich denke, dass es Spieler, die eigentlich am Ende der Saison aufhören wollten, reizen würde, noch einmal in der Landesklasse zu spielen“, so Schoof.

In der Landesklasse 3 wäre Stahl Thale der Aufsteiger. „Wir sind natürlich froh, dass endlich eine Entscheidung getroffen wurde“, sagt Trainer Marcel Tietze. Denn jetzt könnten die konkreten Planungen starten. „Das werden andere Vereine auch tun und da kann noch einiges passieren“, so Tietze.

Jetzt werde man alles genau durchsprechen. In Thale hoffen sie, bis Mitte der Woche ein Häkchen dran machen zu können und langsam zum Alltag zurückzukehren. Bei Stahl hoffen sie, dass wenigstens der Pokal des Landrates zu Ende gespielt wird.

Im Salzlandkreis plädiert KFV-Präsident Frank Krella für eine Fortsetzung des Pokals unter Maßgabe behördlicher Entscheidungen. „Ohne mit meinen Vorstandsmitgliedern darüber schon gesprochen zu haben, wenn es irgendwie möglich ist, von mir ein klares Ja.“ Hier ist gar noch ein Viertelfinalspiel offen (SV Plötzkau - Kleinmühlingen).

In der Verbandsliga kann Schlusslicht VfB Sangerhausen den Abstieg abwenden

Eine kuriose Situation ergibt sich in der Verbandsliga, wo das abgeschlagene Schlusslicht VfB Sangerhausen dank der vorgeschlagenen Regelungen den Abstieg abwenden könnte, so es die Rosenstädter denn wollen. Denn freiwillige Rückzüge aus einzelnen Spielklassen sind nicht ausgeschlossen.

So hat der bisherige Oberligist Askania Bernburg bereits bekundet, künftig in der Verbandsliga zu spielen und wird dort erstmals Pflichtspielgegner des SV Westerhausen. Bernburgs Platz wird wohl Zorbau einnehmen.

Zwar sind die Blau-Weißen bei Saisonabbruch nur Tabellenzweiter. Doch Primus Romonta Amsdorf hat keine Ambitionen, in die Oberliga aufzusteigen. Lediglich Zorbau und Einheit Wernigerode hatten bei einer Befragung Interesse gezeigt.

Oberligist Askania Bernburg wird künftig in der Verbandsliga spielen

Allerdings wäre ein Aufstieg Wernigerodes als 14. ein Witz. Ein Witz ist es auch, dass Amsdorf seinen Titel nicht verteidigen darf. „Es ist einfach ungerecht. Wir werden um den Lohn für das, was wir geschafft haben, gebracht. Es gibt Aufsteiger und keine Absteiger, nur keinen Meister. Alle werden belohnt - wir nicht. Das ist eine Ungereimtheit, eine Lücke im System“, so Amsdorf Kapitän Martin Fiebiger im Interview. (mz)