Forschung in Gatersleben

Forschung in Gatersleben: „In einem kleinen Apfel“

Gatersleben - „In einem kleinen Apfel, da sieht es lustig aus“ - nicht treffender könnte dieses Kinderlied sein, das die Mädchen und Jungen der Gaterslebener Grundschule vortragen. Denn sie stehen inmitten von Apfelbäumen auf dem Gelände des Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben. Am Freitagvormittag wurde dieser besondere Obstsortengarten offiziell seiner Bestimmung ...

Von Marion Lange

„In einem kleinen Apfel, da sieht es lustig aus“ - nicht treffender könnte dieses Kinderlied sein, das die Mädchen und Jungen der Gaterslebener Grundschule vortragen. Denn sie stehen inmitten von Apfelbäumen auf dem Gelände des Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben. Am Freitagvormittag wurde dieser besondere Obstsortengarten offiziell seiner Bestimmung übergeben.

„Wir möchten damit einen historischen und einen pädagogischen Beitrag leisten“, verrät Professor Andreas Graner, der Geschäftsführende Direktor des Instituts. Der historische Teil sehe so aus, dass in diesem Garten die Entwicklung der Sorten vom Wildapfel bis zur Kulturform aufgezeigt ist. Wildapfelbäume zeigen die Urform, aus denen der Kulturapfel mit Hilfe vieler Kreuzungen entstanden ist.

„Äpfel haben zudem in der Geschichte der Genbank eine große Rolle gespielt“, erklärt er weiter. Denn bis zum Ende des Jahres 2002 gehörte mit der Arbeitsgruppe „Genbank Obst“ in Dresden-Pillnitz eine Außenstelle zum IPK, die sich auf Obstsorten konzentrierte. Diese Einrichtung hatte sich einen Namen gemacht, weil es dort eine Sammlung von alten und modernen Apfelsorten gab sowie Neuzüchtungen vorgenommen wurden. Umstrukturierungen führten dazu, dass diese Außenstelle zum Julius-Kühn-Institut überging.

„Der Obstsortengarten wurde nun angelegt, um an diese frühere Verbindung zu erinnern und andererseits um die Gelegenheit zu bieten, sich in einem Rundgang in die Geschichte des Kulturapfels zu vertiefen,“ erklärt der Professor. An dieser Stelle beginnt der pädagogische Teil. Denn der Obstsortengarten soll auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Es wird Führungen für Kinder und Erwachsene geben. Kindereinrichtungen sollten sich dazu über das Grüne Labor anmelden und Erwachsene beim IPK.

Es ist aber auch möglich, den Garten auf eigene Faust zu erforschen. Dafür wurde eine Broschüre angefertigt, die durch den Obstsortengarten führt und Wissenswertes für jeden Interessierten bietet. Nummerierungen an den 60 Apfelbäumen, die im Jahr 2008 gepflanzt wurden und mittlerweile Früchte tragen, helfen, sich zurecht zu finden. Neben den Apfelbäumen gibt es auch noch Kirschen, Birnen und einige Pflaumen zu entdecken.

Neben einer Führung für die Besucher der Eröffnung gab es auch eine für die Mädchen und Jungen der Gaterslebener Grundschule, die zuvor ein erfrischendes kurzweiliges Programm rund um den Apfel darboten. „Das hier ist ein wunderbarer neuer Lebensraum zum Lernen. Die Vielfalt der Äpfel ist bewundernswert und die Führung für die Kinder hat alle Sinne angesprochen. Das Angebot werden wir mit Sicherheit regelmäßig nutzen“, erklärt die Schulleiterin der Grundschule, Ronny Holzhauer.

Auch die anderen Besucher zeigen sich begeistert von den Apfelsorten, die ihnen Professor Manfred Fischer, der ehemalige Leiter der Obstgenbank Dresden-Pillnitz, zeigt. Dieser war maßgeblich an der Gestaltung des Apfelgartens beteiligt. „Es war gar nicht so einfach, aus 1 000 Apfelsorten die richtigen für den Garten zu finden“, sagt er. So kann er unter anderem nun einen Wildapfelbaum präsentieren, der als der Ursprung des Kulturapfels gilt - der Malus sieversii.

„Eine ganz tolle Anlage. Es ist erstaunlich, wie viele Sorten es gibt. Schön finde ich, dass dieser Garten auch der Öffentlichkeit zur Verfügung steht“, sagt Seelandbürgermeisterin Heidrun Meyer. (mz)