Drohnentests auf dem Flughafen Cochstedt?

Drohnentests auf dem Flughafen Cochstedt?: Land soll für den Airport zahlen

Cochstedt - Die Etablierung eines nationalen Drohnentestzentrums am insolventen Flughafen Magdeburg-Cochstedt wird für Sachsen-Anhalt offenbar kostspielig.

Von Steffen Höhne und Max Hunger 19.02.2019, 09:00

Die Etablierung eines nationalen Drohnentestzentrums am insolventen Flughafen Magdeburg-Cochstedt wird für Sachsen-Anhalt offenbar kostspielig.

„Die Bereitstellung des Flugplatzes muss durch das Land erfolgen“, teilte ein Sprecher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit. Das Magdeburger Wirtschaftsministerium verhandelt zusammen mit Vertretern des DLR mit den Eigentümern des Flugplatzes.

Was bisher öffentlich noch nicht kommuniziert wurde: Das Land soll auch die Kosten - voraussichtlich in Millionenhöhe - tragen. „Im Erfolgsfall wird das DLR den Flughafen kaufen. Das Land ist aufgrund seiner Kenntnisse zu Flughäfen beteiligt“, teile ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums auf MZ-Anfrage mit. Zu Details der laufenden Verhandlungen wollte sich das Ministerium hingegen nicht äußern.

Ende vergangenen Jahres gab das DLR offiziell bekannt, auf dem Gelände des Regionalflughafens im Salzlandkreis ein sogenanntes „Nationales Erprobungszentrum für Unbemannte Luftfahrtsysteme“ errichten zu wollen. Dort sollen unter anderem Paketdrohnen und Konzepte zu Luft-Taxis getestet werden.

Der Hauptausschuss des Bundestages bewilligte dazu Mitte November 2018 zunächst fünf Millionen Euro. Die Gelder sollen aber in den Aufbau des Zentrums fließen und nicht in den Erwerb des Airports gesteckt werden.

Flughafen Cochstedt: So schlidderte der Airport in die Insolvenz

Ein kurzer Rückblick: Im Jahr 2010 kaufte ein dänischer Investor für 1,5 Millionen Euro den ehemaligen Militärflugplatz, der in den 90er Jahren für 60 Millionen Euro modernisiert wurde, vom Land. Versuche Billigairlines und Frachtflieger anzusiedeln, scheiterten allerdings. Im Frühjahr 2016 ging die Airportgesellschaft pleite.

Insolvenzverwalter André Löffler verhandelte seither erfolglos mit mehreren Interessenten. Erst seit sich das DLR für den Flugplatz interessiert, gibt es wieder eine erfolgsversprechende Perspektive. Ein Insider sagt der MZ nun, „die Eigentümer haben Dollarzeichen in die Augen bekommen“. Von „Mondpreisen“ ist die Rede. Konkrete Zahlen werden nicht genannt, offenbar geht es aber um Millionensummen.

Nach MZ-Informationen soll das Land Sachsen-Anhalt nicht direkt den Flughafen kaufen. Das wird das DLR übernehmen. Beim Aufbau des Drohnenzentrums soll die Landesregierung die Kosten über Investitionen jedoch erstatten. Aus rechtlichen Gründen wird wohl eine solch komplizierte finanzielle Transaktion gewählt.

Der Magdeburger Bundestagsabgeordnete Tino Sorge (CDU) macht sich seit Monaten für den Aufbau des Testzentrums stark. „Für Sachsen-Anhalt ist das eine einmalige Chance, in einer neuen Technologie vorn mitzuspielen“, sagte Sorge der MZ. Das DLR hat beispielsweise den unbemannten Hubschrauber „Super-Artis“ entwickelt, der Nahrungsmittel und Medizin bei humanitären Aktionen in schwer zu erreichende Gebiete ausliefern soll. „Was heute noch nach Science-Fiction klingt, wird in den Laboren bereits getestet“, so Sorge.

Er geht davon aus, dass sich neben dem DLR auch weitere Luftfahrt- und Startup-Firmen ansiedeln werden.

Dass man den abgelegenen Airport Cochstedt nutzen will, ist durchaus beabsichtigt. Die Testflüge können auch schief gehen, dafür werden sie unternommen. Die bisherigen DLR-Flughäfen in Braunschweig (Niedersachsen) und Oberpfaffenhofen (Bayern) werden auch von anderen Unternehmen genutzt und eignen sich daher nicht so gut.

Nach MZ-Informationen sind die Verhandlungen zur Übernahme des Airports weit fortgeschritten. Bis Ende Februar soll der Erwerb unter Dach und Fach sein. Dann erlischt eine Betriebserlaubnis für den Airport, was eine weitere Nutzung erschweren würde. Doch gibt es beim Land offenbar auch eine finanzielle Schmerzgrenze beim Ankauf des Flughafens. Der Insider sagt: „Das gesamte Projekt kann auch noch scheitern.“ (mz)