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  7. Strafanzeige von Sachsen-Anhalts Polizeischul-Chef: Ermittler fahnden nach 50 Waffen

INNENMINISTERIUM Sachsen-Anhalt Verbleib von 50 Waffen unklar: Polizeischul-Rektor stellt Strafanzeige und lässt fahnden

Seit Tagen lässt Sachsen-Anhalts Innenministerium fieberhaft nach Dutzenden Schusswaffen suchen, die einst vom LKA an die Polizei-Hochschule verliehen wurden. Jetzt gibt es Ermittlungen: 50 Waffen sind zur Fahndung ausgeschrieben.

Von Jan Schumann Aktualisiert: 13.06.2024, 18:14
Der Chef der Polizei-Hochschule, Thorsten Führing, lässt seit Donnerstag nach 50 Waffen fahnden.
Der Chef der Polizei-Hochschule, Thorsten Führing, lässt seit Donnerstag nach 50 Waffen fahnden. (Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)

Magdeburg/MZ - Der Skandal um möglicherweise verschwundene Schusswaffen in Sachsen-Anhalts Polizei wird ein Fall für Strafermittler. Der Rektor der Fachhochschule Polizei in Aschersleben (Salzlandkreis), Thorsten Führing, erstattete am Mittwoch Strafanzeige, weil der Verbleib von 50 Schusswaffen bisher nicht geklärt werden konnte.

Das berichtete Sachsen-Anhalts Innenministerium am Donnerstag in einer Sondersitzung des Innenausschusses im Landtag. Die 50 fraglichen Waffen seien zur Fahndung ausgeschrieben, erklärte Landespolizeidirektor Mario Schwan vor Abgeordneten. Die Strafanzeige beziehe sich „auf alle in Betracht kommenden Delikte", auch Unterschlagung, so Schwan.

Das bedeutet: Innerhalb von Polizei und Innenministerium wird nicht mehr ausgeschlossen, dass Schusswaffen aus dem Polizeibestand bewusst beiseitegeschafft wurden.

Polizei schreibt Schusswaffen zur Fahndung aus

Er handelt sich um Waffen, die in den Jahren 1997 und 1999 vom Landeskriminalamt (LKA) an die Polizei-Hochschule zu Lehr- und Anschauungszwecken ausgeliehen worden. Nachdem der Landesrechnungshof vor Tagen Alarm geschlagen hatte, dass die Hochschule zahlreiche Waffen nicht vorzeigen konnte, die laut Akten dort lagern sollten, hatten Polizei-Bedienstete tagelang alte Akten gewälzt: Sie sollten den Verbleib der fraglichen Waffen schnellstmöglich klären.

Die MZ hatte dann am Montag enthüllt, dass laut einem internen Bericht des Hochschul-Rektors vom vergangenen Freitag zunächst 90 Waffen mit „Verbleib unbekannt“ ausgewiesen wurden. Laut Innenministerium geht es nach Tagen des Aktenwälzens jetzt noch um 50 Waffen.

Auch drei Gewehre und eine Maschinenpistole sind betroffen

Darunter seien 27 Schreckschuss-/Gasdruckwaffen und 23 Schusswaffen, erklärte das Innenministerium am Freitag. Unter den 23 Schusswaffen seien 19 Pistolen und Revolver, drei Gewehre und eine Maschinenpistole. Eines der Gewehre sei vom Typ "AK 74". Es handelt sich um das Sturmgewehr der Sowjet-Armee, das ab 1974 gebaut wurde. 

Ein Teil der gesuchten Waffen ist laut Innenministerium defekt. Dies betreffe zwei Pistolen, sechs Gas- und Schreckschusspistolen sowie die Maschinenpistole. Im Umkehrschluss heißt das: Der Rest der zur Fahndung ausgeschriebenen Waffen gilt aktuell als funktionsfähig.

Mit den jetzt eingeleiteten Strafermittlungen sei die Polizeiinspektion Magdeburg betraut, sagte Schwan. Zudem werde nicht nur einfach nach den Gegenständen gefahndet – es sei auch Kontakt zum Bundeskriminalamt (BKA) aufgenommen worden, um über Polizeisysteme zu überprüfen, ob die gesuchten Waffen in der Vergangenheit bei Straftaten eine Rolle spielten.

Innenministerin Zieschang erwartet "Fahndungen mit Hochdruck"

Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) erklärte im Ausschuss: „Ich kann nicht ausschließen, dass im Zeitraum zwischen 1997 und 2002 ein Sicherheitsrisiko entstanden ist.“ Und: „Ich erwarte, dass die Fahndungen mit Hochdruck fortgesetzt werden.“

Zieschang hatte am Dienstag im Landtag dargelegt, dass die Leihwaffen-Sammlung der Polizei-Hochschule im Jahr 2000 auf Anweisung des Ministeriums deutlich reduziert worden war. Die Sammlung habe damals aufgrund ihrer Größe den "Charakter einer Waffenausstellung" angenommen. Zieschang geht davon aus, dass infolge der Weisung zahlreiche Schusswaffen - auch die jetzt gesuchten - ordnungsgemäß vernichtet wurden. Allerdings räumte Zieschangs Ministerium am Donnerstag ein, dass entsprechende Überprüfungen „aufgrund nicht mehr vorhandener Akten sehr schwierig“ sei.