Schulschließungen wegen Corona

Schulschließungen wegen Corona: Was Eltern im Land jetzt wissen müssen

Magdeburg - Die Corona-Epidemie bringt immer größere Teile des öffentlichen Lebens zum Erliegen. Als erste Großstadt Deutschlands hat Halle sämtliche Schulen, Kindergärten und Schulhorte für zwei Wochen geschlossen. Rund 31.600 Schüler und 11.000 Kita-Kinder müssen ab diesem Freitag zu Hause betreut werden. Auch die Uni Halle stellt ihren Lehrbetrieb bis zum 27. März ein. Zudem wird der Beginn des Sommersemesters in allen sieben Hochschulen Sachsen-Anhalts um drei Wochen nach hinten verlegt. Die wichtigsten Fakten im ...

Von Hagen Eichler 16.03.2020, 08:23
Die Lehrergewerkschaft fordert die Schließung aller Schulen in Sachsen-Anhalt.
Die Lehrergewerkschaft fordert die Schließung aller Schulen in Sachsen-Anhalt. dpa

Die Corona-Epidemie bringt immer größere Teile des öffentlichen Lebens zum Erliegen. Als erste Großstadt Deutschlands hat Halle sämtliche Schulen, Kindergärten und Schulhorte für zwei Wochen geschlossen. Rund 31.600 Schüler und 11.000 Kita-Kinder müssen ab diesem Freitag zu Hause betreut werden. Auch die Uni Halle stellt ihren Lehrbetrieb bis zum 27. März ein. Zudem wird der Beginn des Sommersemesters in allen sieben Hochschulen Sachsen-Anhalts um drei Wochen nach hinten verlegt. Die wichtigsten Fakten im Überblick:

Zahlt die Krankenkasse den betreuenden Eltern Verdienstausfall?

Nein, diese Regelung gilt nur, wenn das Kind krank ist. Für viele Familien wird es darauf hinauslaufen, dass ein Elternteil unbezahlten Urlaub nimmt - es sei denn, der Chef ist kulant. „Wir empfehlen, sich mit dem Arbeitgeber in Verbindung zu setzen, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Dies könnte beispielsweise die Möglichkeit zum Homeoffice, der Abbau von Überstunden oder die Abgeltung von Urlaub sein“, sagte ein Sprecher der Barmer in Sachsen-Anhalt.

Gibt es ein Recht auf unbezahlten Urlaub?

Nur im Notfall. Der Arbeitsrechtler Christoph Lattreuter von der Leipziger Kanzlei WKR sagt: „Sie müssen sich um eine alternative Betreuungsmöglichkeit kümmern. Nur wenn es diese absolut nicht gibt, muss Sie Ihr Arbeitgeber freistellen.“ Der Jurist empfiehlt, sich um außerplanmäßigen Urlaub zu bemühen oder im Homeoffice zu arbeiten. Oft sind Arbeitgeber in solchen Ausnahmefällen kulant. Allerdings gilt laut Lattreuter: „Ohne Arbeit auch kein Lohn.“

Können nicht die Großeltern auf Kinder aufpassen?

Das Landessozialministerium ist skeptisch. „Viele Großeltern stecken selbst noch im Berufsleben. Wenn sie aber ein höheres Alter haben, sind sie durch das Virus besonders gefährdet“, sagte eine Ministeriumssprecherin. „In erste Linie sind Eltern gefordert, im Einzelfall auch Freunde.“ Der Kinder- und Jugendarztpräsident Thomas Fischbach sieht hingegen keine Notwendigkeit für ein Besuchsverbot bei Großeltern: „Es gibt so wenige Kinder, die an Corona erkrankt sind, dass ich so eine pauschale Forderung für übertrieben halte.“

Welche Folgen hat die Schließung für Schüler?

Die größten Sorgen machen sich die Abschlussjahrgänge. Ende April beginnen die schriftlichen Abiturprüfungen, auch Sekun-darschüler büffeln derzeit. „Das Bildungsministerium muss jetzt sagen, wie das gehen soll“, fordert Matthias Rose vom Landeselternrat. Er rügt eine fehlende Vorbereitung. „Mich ärgert, dass man jetzt so tut, als käme das Virus überraschend.“

Bekommen die betroffenen Lehrer und Erzieher weiterhin Gehalt?

Für Beamte und Angestellte des Landes hat das Finanzministerium die Lohnfortzahlung zugesichert. Der Städte- und Gemeindebund geht davon aus, dass das Gleiche für kommunale Kita-Beschäftigte gilt.

Kommt jetzt eine landesweite Schulschließung?

Niedersachsen will so eine Regelung offenbar an diesem Freitag verkünden. Die Lehrergewerkschaft GEW in Sachsen-Anhalt fordert Bildungsminister Marco Tullner (CDU) auf, dem zu folgen. „Es wäre richtig, die Schulen jetzt 14 Tage zuzumachen“, sagte GEW-Landeschefin Eva Gerth. Das könne Erkrankungen und auch Todesfälle verhindern. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hingegen warnt, bei einer Totalschließung müssten auch viele Ärzte und Pflegepersonen daheim bleiben und fehlten dann bei der Arbeit. „Es darf nicht passieren, dass Menschen sterben, weil Krankenstationen nicht arbeiten“, sagte Haseloff der MZ. Bildungsminister Tullner forderte am Donnerstag alle Schulleiter auf, sich auf eine mögliche Schließung vorzubereiten. Alle Schüler sollten vorsorglich mit Aufgaben für 14 Tage versehen werden, um einen Lernrückstand zu vermeiden, heißt es in dem Schreiben.

Welche öffentlichen Einrichtungen werden noch geschlossen?

Die Gebäude der halleschen Theater, Oper, Orchester GmbH sind ab diesem Freitag bis zum 27. März geschlossen. Auch das Anhaltische Theater in Dessau stellt den Vorstellungsbetrieb bis dahin ein. (mz/hei/jl/sth/js)