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Alle müssen nachsitzen Prüfungsleck schockt Pflegeschüler in Sachsen-Anhalt

Aufgaben vorab im Internet veröffentlicht: 1.000 Azubis müssen Test wiederholen.

Von Julius Lukas 17.06.2024, 17:19
46 Pflegeschulen gibt es in Sachsen-Anhalt. Wie hier in Eisleben lernen die Schüler dort, wie sie zum Beispiel Insulin injizieren.
46 Pflegeschulen gibt es in Sachsen-Anhalt. Wie hier in Eisleben lernen die Schüler dort, wie sie zum Beispiel Insulin injizieren. (Foto: Jürgen Lukaschek)

Halle/MZ. - Als er die Nachricht seinen Pflegeschülern mitteilte, sagt Christoph Hintze, seien einige gefasst gewesen. „Andere begannen aber auch zu weinen“, erzählt der Schulleiter des Care Campus Harz. 35 Auszubildende im Abschlussjahrgang der Pflegeschule hatten Anfang Juni ihre schriftlichen Prüfungen geschrieben. Vergangene Woche musste Hintze ihnen mitteilen, dass sie den Abschlusstest wiederholen müssen – so wie etwa 1.000 weitere Pflegeschüler in Sachsen-Anhalt. Der Grund: Die Aufgaben waren vor der Prüfung durchgestochen worden.

Link zu den Aufgaben kursierte bei TikTok

Seit vergangenem Jahr werden die schriftlichen Tests für die Pflegeschüler zentral vom Landesschulamt bereitgestellt. „Kurz vor den Prüfungen schicken wir einen Link an die Schulleitungen, über den die Unterlagen heruntergeladen werden können“, erklärte Schulamtssprecher Tobias Kühne. Nachdem die schriftlichen Tests Anfang Juni geschrieben worden waren, habe das Schulamt mitbekommen, dass der Link zu den Aufgaben bereits in sozialen Medien wie TikTok kursierte. „Und es ließ sich auch rekonstruieren, dass das bereits vor den Prüfungen der Fall war“, sagte Kühne. Schüler konnten sich so die Aufgaben bereits vorab herunterladen. „Da sich nicht feststellen lässt, wer das gemacht hat und wer nicht, entschieden wir uns, die Prüfungen komplett zu wiederholen.“

Ab Dienstag müssen die Schüler erneut antreten und die drei Einzelprüfungen bis Donnerstag noch einmal absolvieren. „Für Schüler und auch uns als Schule bedeutet das natürlich einen Mehraufwand“, erklärte Christoph Hintze. Die Korrekturen der ursprünglichen Arbeiten mussten abgebrochen und Termine für die praktischen Prüfungen umgelegt werden. „Gerade die schriftlichen Tests sind für einige Schüler eine der größten Hürden während der Ausbildung – da belastet die Wiederholung schon sehr.“

Ursprung des Lecks ist unbekannt

Wer diese Situation zu verantworten hat, ist bisher noch unklar. „Es lässt sich nicht ohne Weiteres herausfinden, wo der Link online das erste Mal auftauchte“, meinte Schulamtssprecher Kühne. Fakt ist, dass nur die Schulleitungen die Aufgaben bekommen. „Es kann aber auch sein, dass innerhalb der Schulen noch andere Personen Zugriff darauf haben – etwa diejenigen, die die Kopien für die Prüfungen erstellen.“ Laut Kühne wurde der Fall an die Generalstaatsanwaltschaft in Naumburg gegeben, die nun entscheiden soll, ob Ermittlungen eingeleitet werden. „Für die kommenden Jahre müssen wir uns überlegen, wie wir solche Lecks verhindern können“, so Kühne. Möglich wäre, den Kreis der Zugriffsberechtigten weiter zu verkleinern und den Aufgabenlink noch näher am Prüfungstermin zu verschicken. „Wir hoffen aber, dass die extremen Auswirkungen mit Wiederholungsprüfungen für alle Nachahmer eher abschrecken.“

Trotz des Ärgers, so Christoph Hintze vom Care Campus Harz, habe er bei seinen Schülern um einen positiven Blick auf die erneute Prüfung geworben. „Zu ändern ist es ohnehin nicht und für diejenigen, bei denen es im ersten Anlauf nicht so gut lief, ist die Wiederholung ja sogar eine zweite Chance, es jetzt besser zu machen“, sagte der Schulleiter.