Kritik am Breitbandausbau

Kritik am Breitbandausbau: Hausbesitzer sollen für mehr Tempo im Netz selber zahlen

Halle (Saale)/Eisleben - Der Vorsitzende des Digitalisierungsbeirates des Landes, Marco Langhof, hat die Breitband-Strategie des Landes kritisiert. Sachsen-Anhalt setzt beim Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes teils noch auf ...

Von Julius Lukas und Tina Edler 05.03.2019, 09:00

Der Vorsitzende des Digitalisierungsbeirates des Landes, Marco Langhof, hat die Breitband-Strategie des Landes kritisiert. Sachsen-Anhalt setzt beim Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes teils noch auf Kupferkabel.

„Das hat jedoch Nachteile, wenn es um die Übertragung über lange Strecken geht, da ist Glasfaser die bessere Wahl“, sagte der Geschäftsführer des Digital-Dienstleisters Teleport. „Jeder Euro, der noch in die alte Kupfer-Infrastruktur fließt, wäre in Glasfaser besser angelegt.“ Allerdings müssen derzeit mehrere Tausend Menschen im ländlichen Raum für einen entsprechenden Glasfaseranschluss draufzahlen.

Sachsen-Anhalts Breitband-Ziel ist eine verfügbare Geschwindigkeit von 50 MBits pro Sekunde für jeden Haushalt. Wie die ausbauenden Unternehmen die Geschwindigkeit erreichen, ist ihnen überlassen.

Oft setzen sie auf eine Kombination: Glasfaserkabel werden bis zu einer Verteilstation gelegt. Von dieser werden dann die bestehenden Kupferkabel, die dafür leistungsfähiger gemacht werden, bis in die Häuser genutzt. In diesem Fall müssen Anwohner nichts zahlen.

In anderen Fällen funktioniert diese günstigere Lösung nicht, weil die Übertragungsverluste im Kupferkabel zu groß sind. Daher muss das Glasfaserkabel bis in die Häuser verlegt werden. Für diese Hausanschlüsse müssen die Anwohner zahlen, da es für solche Fälle keine Landesförderung gibt.

Nach MZ-Informationen erhielten Bewohner kleinerer Ortschaften bereits Angebote der Telekom. Wer Hochgeschwindigkeitsinternet will, muss sich am Hausanschluss beteiligen.

In mehreren Fällen im Kreis Mansfeld-Südharz wurde eine Zuzahlung von 600 Euro gefordert. Auf Nachfrage bestätigt die Telekom, die viele Ausbauprojekte betreut, die Angebote. „In manchen Orten müssen wir Glasfaser nehmen, weil wir mit den vorhandenen Kupferkabeln keine 50 MBit pro Sekunde erreichen“, erklärt Sprecher Georg von Wagner. Die betroffenen Einwohner fühlen sich ungerecht behandelt.

„Wir sind in der Prüfung, wie wir damit umgehen“, sagt Theo Struhkamp, Referatsleiter im Wirtschaftsministerium. Er verteidigt jedoch die Strategie, den Glasfaserausbau nicht flächendeckend und bis in jedes Haus zu fördern.

„Glasfaserausbau ist zum einen teuer und dauert auch deutlich länger.“ Für Sachsen-Anhalt sei es wichtig gewesen, in einer vertretbaren Zeit alle Menschen mit einer hohen Bandbreite zu versorgen. „Mit dieser Förderstrategie sind wir voraussichtlich schneller als andere Länder.“

Wie unterschiedlich die Breitband-Strategien sind, zeigt Mecklenburg-Vorpommern. Dort setzt die Regierung auf Glasfaser bis ins Haus. Dafür werden 1,3 Milliarden Euro ausgegeben. Sachsen-Anhalt hingegen hat 300 Millionen Euro für sein 50 Mbit-Ziel veranschlagt.

Beide Länder finanzieren den Großteil der Kosten mit Bundes- und EU-Förderungen. Die Summe, die aus dem Landeshaushalt als Eigenanteil bezahlt werden muss, ist in Sachsen-Anhalt jedoch geringer.

Für Marco Langhof führt aber kein Weg an Glasfaser vorbei. „Der Ausbau wird in Zukunft ohnehin stattfinden müssen.“ Denn künftig wird die benötigte Bandbreite weiter steigen. „Dann wird das Kupferkabel ausgedient haben.“ Die Erkenntnis sei auch im Land angekommen. „Es wird sich aber erst 2020 von der Förderung der Ertüchtigung der alten Kupferkabel lösen.“

Wer jetzt schon auf Glasfaser umsteigen kann, sollte dies tun, so der Beirats-Vorsitzende. Zum einen ist davon auszugehen, dass die Zuzahlung steigt. Zum anderen sollte man an die Wertsteigerung seines Hauses denken. „Da sind 600 Euro nicht allzu viel Geld.“ (mz)