Kirchentag in Wittenberg 2017

Kirchentag in Wittenberg: Innenministerium bemängelt Sicherheitskonzept

Magdeburg/Wittenberg - Zum Evangelischen Kirchentag in sechs Monaten braucht Wittenberg ein Sicherheitskonzept der Superlative - und gerät nun in arge Zeitnot.

Von Jan Schumann 05.12.2016, 05:00
Das Denkmal für den deutschen Reformator Martin Luther auf dem Marktplatz der Lutherstadt Wittenberg.
Das Denkmal für den deutschen Reformator Martin Luther auf dem Marktplatz der Lutherstadt Wittenberg. dpa-Zentralbild

Die Lutherstadt Wittenberg steht mit dem Evangelischen Kirchentag vor dem größten Spektakel ihrer rund 750-jährigen Geschichte. Weil vom 24. bis zum 28. Mai 2017 mehrere Hunderttausend Menschen in der 46.000-Einwohner-Stadt erwartet werden, benötigt Wittenberg ein außergewöhnlich komplexes Sicherheitskonzept, an dem die Bundeswehr beteiligt sein wird. So soll die Truppe eine zweite Brücke über die Elbe errichten, um Besucherströme besser lenken zu können. Zudem soll die Bundeswehr ein Behelfslazarett aufbauen. Angesichts der aufwendigen Sicherheitsvorkehrungen mehren sich im Landes-Innenministerium aktuell jedoch die Sorgen. Denn im CDU-Ressort wird schon jetzt ein eklatanter Zeitverzug kritisiert.

Kirchentag in Wittenberg: Sicherheitskonzept ist „stark überarbeitungsbedürftig“

Grund: Der Trägerverein, der für die Ausrichtung des Kirchentags verantwortlich ist, hat laut Ministerium bislang nicht mehr als ein „stark überarbeitungsbedürftiges“ Sicherheitskonzept vorgelegt. Das geht aus einer internen Einschätzung hervor, die am Dienstag im Regierungskabinett besprochen wird. So fehle in dem bisherigen Entwurf, der in Absprache mit den kommunalen Sicherheitsbehörden, dem Landesverwaltungsamt und der Polizeidirektion Ost in Dessau-Roßlau erarbeitet werden sollte, bislang vollständig die Einteilung von Zuständigkeiten. Auch Absprachen zur Kommunikation während der Festtage fehlen bislang, so das Ministerium.

Da sich der Trägerverein, der für die Organisation des Kirchentags zuständig ist, für die Sicherheitsfragen ein Spezialunternehmen anheuerte, verwundere es zusätzlich, dass „nicht zügiger gearbeitet wird“, so die Einschätzung des Ministeriums, die von Staatssekretärin Tamara Zieschang (CDU) unterzeichnet ist.

Kirchentag in Wittenberg ist Teil des Reformations-Jubiläums in Sachsen-Anhalt

SPD-Innenexperte Rüdiger Erben sagte am Sonntag, er sei „einigermaßen erstaunt, dass der Veranstalter sechs Monate vor dem Kirchentag kein fertiges Konzept vorlegen kann. Es muss nun sehr zügig Klarheit geschaffen werden“.

Der Evangelische Kirchentag, der 2017 sowohl in Wittenberg als auch in Berlin stattfinden wird, ist Teil des großen Reformations-Jubiläums in Sachsen-Anhalt. Allein zum Festgottesdienst am 28. Mai auf den Elbwiesen südlich der Kernstadt Wittenbergs rechnet das Ministerium mit 300 000 Gästen. Ohne Unterstützung von Bundes- und Länderpolizeien könne der Ansturm nicht bewältigt werden. Für die Unterstützung sind bereits 500.000 Euro verplant. Zudem soll für den Zeitraum des Kirchtags eine Urlaubssperre für Sachsen-Anhalts Polizisten verhängt werden.

Sicherheitskonzept zum Kirchentag in Wittenberg: Landesregierung dringt auf eine schnelle Lösung

Der Evangelische Kirchentag finde 2017 zum 36. Mal statt, der Ausrichtungsort Wittenberg stellt jedoch eine Besonderheit dar. Während Städte mit mehreren hunderttausend Einwohnern einen solchen Besucherandrang meist problemlos verkraften, ist in der Lutherstadt die Diskrepanz zwischen Einwohner-Infrastruktur und Gästeansturm ein Novum, sagte Erben. Zuletzt fand der Evangelische Kirchentag 2015 in Stuttgart statt.

Die Landesregierung dringt auf eine schnelle Lösung, zumal die Geschäftsführung des Trägervereins beim jüngsten Zusammenkommen am 17. November „keine verbindlichen Absprachen“ zur Sicherheit treffen konnte, wie es im Ministeriums-Schreiben heißt. In der Staatskanzlei in Magdeburg wird das Luther-Jubiläum 2017 als Prestige-Angelegenheit behandelt. Dann jährt sich Martin Luthers Thesenanschlag zum 500. Mal. (mz)