Arbeits- und Gesundheitsministerium warnt

Jobbörsen für Ungeimpfte: Firmen suchen Personal ohne Corona-Schutz

Die angekündigte Corona-Impfpflicht sorgt für neue Nischen am Arbeitsmarkt. Einzelne Unternehmen sprechen gezielt ungeimpftes Personal an. Sachsen-Anhalts Arbeitsministerium warnt: Denn im Gesundheitssektor gilt ab März eine Impfpflicht.

Von Jan Schumann 15.01.2022, 09:00
Neue Nische in der Pandemie: Auf digitalen Jobbörsen sprechen Arbeitgeber gezielt ungeimpftes Personal an.
Neue Nische in der Pandemie: Auf digitalen Jobbörsen sprechen Arbeitgeber gezielt ungeimpftes Personal an. Foto: imago

Magdeburg/MZ - Die angekündigte Corona-Impfpflicht sorgt für Bewegung und neue Nischen auf dem Arbeitsmarkt. Zunehmend sprechen einzelne Unternehmen gezielt ungeimpftes Personal an. Dies geschieht meist über Jobbörsen und Kleinanzeigenportale im Internet. Sachsen-Anhalts Gesundheits- und Arbeitsministerium warnt auf MZ-Anfrage nun eindringlich davor, die ab März geltende Impfpflicht für medizinische und Pflegeeinrichtung zu umgehen. „Dem Personal in den Gesundheits- und Pflegeberufen kommt eine hohe Verantwortung zu“, betont das Ministerium von Petra Grimm-Benne (SPD). Es drohen Geldstrafen, Betretungs- und Tätigkeitsverbote.

Tatsächlich werben neben Gastronomiebetrieben und Handwerkern auch Dienstleister der Gesundheitsbranche um ungeimpftes Personal. Das zeigen MZ-Recherchen auf einem der bekanntesten Portale: „impffrei.work“, die selbst ernannte „Alternative Jobbörse“. Die Initiatoren wollen laut Selbstauskunft der „Ausgrenzung und Diffamierung“ nicht-geimpfter Arbeitnehmern entgegenwirken. Zugleich warnen sie im Impfgegner-Duktus vor angeblich schweren gesundheitlichen Schäden durch die mRNA-Impfstoffe, verwenden Schlagworte wie „Corona-Märchen“ und „Viruslüge“.

 Aus Sachsen-Anhalt fanden sich bis zuletzt Inserate für einen Vollzeit-Pflegejob in Quedlinburg, für eine Ergotherapeuten-Stelle in Magdeburg und eine Physiotherapie bei Zerbst. In diesen Sektoren soll die neue Impfpflicht laut Ministerium gelten. Zu vergeben war außerdem Arbeit bei einem Dessauer Dachdeckerbetrieb, als Küchenhilfe in Merseburg und als Landmaschinenschlosser in Zerbst.

Arbeitgeber mit unterschiedlichen Motiven

Beweggründe der suchenden Arbeitgeber sind breit gefächert, das zeigen MZ-Anfragen auf sämtliche Inserate. Eine Magdeburger Ergotherapie-Praxis erklärte, sie suche nicht gezielt ungeimpftes Personal - sie wolle aber all jenen Arbeit anbieten, „die verantwortungsvoll mit ihrer Gesundheit umgehen“. Und: „Eine Regierung, die bewusst eine Gesellschaft spaltet und gesunde Menschen bestraft, handelt aus meiner Sicht asozial.“

Ein Security-Unternehmen aus der Nähe von Halle beantwortete eine MZ-Anfrage mit einem Slogan des verschwörungsgläubigen Kults Q-Anon.

Nicht immer sind es ideologische Gründe, die im Vordergrund stehen. Eine Unternehmerin gibt im MZ-Gespräch an, sie fürchte Impf-Nebenwirkungen. Sie sei wegen fehlender Langzeitstudien verunsichert. Deshalb lehne sie auch die Impfpflicht ab.

Experten glauben nicht an Spätfolgen

Allerdings: Experten geben in Sachen Spätfolgen Entwarnung, da Körperreaktionen bei Impfungen typischerweise zeitnah auftreten. „Anhand der Daten, die wir haben, können wir davon ausgehen, dass wir keine Langzeitfolgen haben“, hatte der Mikrobiologe Achim Kaasch von der Uni Magdeburg jüngst erklärt. „Das würde mich sehr überraschen.“

Angesichts neuer Jobbörsen für Ungeimpfte, über die zuletzt „Welt am Sonntag“ berichtete, zeigt sich das Arbeitsministerium in Magdeburg alarmiert - vor allem mit Blick auf Gesundheits- und Pflegeberufe. In dieser Branche komme die einrichtungsbezogene Impfpflicht gerade deshalb, weil das Personal so eng mit hoch-gefährdeten Patienten arbeite: „Versuche, die einrichtungsbezogene Impfpflicht zu unterlaufen, bedeuten eine erhebliche Gefahr für Ältere, Menschen mit Behinderungen und Vorerkrankungen - und werden entsprechend geahndet.“

Die einrichtungsbezogene Impfpflicht gilt ab 16. März etwa für Beschäftigte in Kliniken, Arztpraxen, Pflege- und Rettungsdiensten. Ausnahmen gelten nur, wenn eine Impfung aus medizinischen Gründen nicht möglich ist.