Illegale Schießtrainings?

Illegale Schießtrainings in Jüdenberg?: Generalstaatsanwaltschaft ermittelt gegen Prepper

Naumburg - Sachsen-Anhalts Generalstaatsanwaltschaft ermittelt gegen Mitglieder einer rechten Preppergruppe, die sich auf einen angeblichen „Rassenkrieg“ vorbereitet und eine teils illegale Bewaffnung geplant haben ...

Von Jan Schumann 05.08.2020, 15:14

Sachsen-Anhalts Generalstaatsanwaltschaft ermittelt gegen Mitglieder einer rechten Preppergruppe, die sich auf einen angeblichen „Rassenkrieg“ vorbereitet und eine teils illegale Bewaffnung geplant haben soll.

Die Ermittler prüfen Vorwürfe gegen „mehrere Personen“, bestätigte Behördensprecher Klaus Tewes der MZ am Mittwoch. Zuerst hatte die Tageszeitung „taz“ darüber berichtet. Laut Tewes geht es um das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und mögliche Verstöße gegen das Waffenrecht.

Wurde stillgelegte Schießanlage in Jüdenberg illegal für Trainings genutzt?

Konkret prüfen die Ermittler, ob eine stillgelegte Schießanlage in Jüdenberg (Landkreis Wittenberg) illegal für Trainings genutzt wurde, bestätigte Oberstaatsanwalt Tewes. Im Auftrag der Generalstaatsanwaltschaft Naumburg ermittele derzeit das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt. 

Die extrem rechte Preppergruppe soll sich aus Burschenschaftern und Bundeswehrreservisten zusammengesetzt haben. Aufgeflogene Facebook-Chats aus den Jahren 2015 und 2016 waren mit Rassismus gespickt. Als Prepper bereiteten sich die Männer auf den Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung vor – angesichts des Flüchtlingszuzugs wähnten sie sich kurz vor einem heraufziehenden Bürgerkrieg.

Die Männer unterhielten Kontakte in Sachsen und Sachsen-Anhalt: Ein Reservist hatte über Jahre hinweg für die AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt gearbeitet. Ein anderer Mann mit Kontakt zur Gruppe landete Anfang 2020 im Corona-Krisenstabes des Burgenlandkreises.

Fragliche Schießhalle in Jüdenburg stand vor Monaten vor der Wiedereröffnung

Im aufgeflogenen Chat hatte sich auch ein CDU-Mitglied aus Sachsen-Anhalt betätigt und mit „Sieg Heil, Herr Hauptmann“ gegrüßt. Nach der Veröffentlichung war er aus der Partei ausgetreten. Der Verfassungsschutz und der Militärische Abschirmdienst sollen die Vorwürfe rund um die rechte Prepper-Gruppe aktuell aufklären. 

Die fragliche Schießhalle in Jüdenburg stand vor Monaten bereits vor der Wiedereröffnung. Nach Berichten über einen mutmaßlichen illegalen Betrieb liegt diese aber aktuell auf Eis. Der SPD-Innenpolitiker Rüdiger Erben hatte dazu jüngst Aufklärung gefordert. „Mir kann niemand erzählen, dass man dort munter weiter geschossen hat, aber niemand etwas gemerkt hat.“ (mz)