Die Güter des Prinzen

Hohenzollern streiten seit Jahren um Geld und Kunstschätze

Seit Jahren streiten die Hohenzollern mit dem Staat um Geld und Kunstschätze. Auch Sachsen-Anhalt ist involviert - es geht um Landbesitz bei Magdeburg.

Von Hagen Eichler
Georg Friedrich Prinz von Preußen auf der Burg Hohenzollern, die ihm zu zwei Dritteln gehört. Ansprüche in Sachsen-Anhalt sind hingegen strittig. Foto: dpa

Magdeburg - Der Ururenkel des letzten deutschen Kaisers verlangt vom Staat Entschädigung für die Enteignung zweiter Rittergüter in Sachsen-Anhalt. Das hat das Landesinnenministerium auf Anfrage der Linksfraktion mitgeteilt. Die der MZ vorliegende Antwort belegt, dass die Forderung der ehemaligen Herrscherfamilie bereits seit Jahrzehnten besteht. In der Öffentlichkeit ist der Vorgang bislang nahezu unbekannt.

Den Anspruch auf Zahlung erhebt der 1976 geborene Georg Friedrich Prinz von Preußen, das aktuelle Oberhaupt der Hohenzollern. Sein Großvater Louis Ferdinand (1907 bis 1994) hatte den Antrag bereits 1991 eingereicht. Eine Entscheidung haben die Behörden bis heute nicht getroffen - und sie ist auch nicht absehbar. „Eine Einschätzung zum Abschluss des Verfahrens ist der Landesregierung zum gegenwärtigen Verfahrensstand nicht möglich“, erklärt Innenminister Michael Richter (CDU).

Eigentümer war der Kronprinz

Georg Friedrich von Preußen streitet bereits seit Jahren um Entschädigung für enteignete Immobilien in Brandenburg. Gleichzeitig droht er Berlin und Brandenburg mit dem Abzug von Kunstschätzen, die als Dauerleihgabe in öffentlichen Museen gezeigt werden. Auch ein Wohnrecht in Schloss Cecilienhof soll laut Medienberichten Thema vertraulicher Verhandlungen gewesen sein. In dem Schloss hatten die Alliierten 1945 das Potsdamer Abkommen unterzeichnet.

In Sachsen-Anhalt beziehen sich die Forderungen auf zwei weniger glanzvolle Immobilien: Es geht um die Güter Nedlitz und Wörmlitz, beide nahe Magdeburg im Jerichower Land gelegen. Eigentümer war laut Innenministerium Wilhelm Prinz von Preußen (1882 bis 1951), der älteste Sohn des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. Enteignet wurde der ehemalige Kronprinz 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht. Damit haben die Hohenzollern keinen Anspruch auf Rückgabe - möglicherweise aber auf eine Entschädigung. Ob diese Ansprüche zu Recht bestehen, prüft das Bundesamt zur Regelung offener Vermögensfragen.

Rolle des Hohenzollern-Sprosses unter Historikern umstritten

Einmal waren die Hohenzollern einem Erfolg schon nahe - das zeigt die Antwort der Magdeburger Landesregierung auf die parlamentarische Anfrage. 2014 habe die für Vermögensfragen zuständige Behörde in Brandenburg den Kollegen in Sachsen-Anhalt mitgeteilt, gegen eine Entschädigung lägen „keine Ausschlussgründe“ vor. „Daraufhin erfolgte in Sachsen-Anhalt die Berechnung der Bemessungsgrundlagen für die beiden beantragten Güter“, heißt es in Richters Antwort an die Linksfraktion. Wie hoch eine konkrete Entschädigung ausfallen könnte, lasse sich zum jetzigen Stand nicht sagen, heißt es aus dem Ministerium auf MZ-Nachfrage.

Dass bis heute keine Entscheidung gefallen ist, liegt an einer Kehrtwende Brandenburgs. Seit 2014 beruft sich die Potsdamer Landesregierung auf einen Passus im Ausgleichsleistungsgesetz, der jeden von Entschädigungen ausschließt, der dem nationalsozialistischen System „erheblichen Vorschub geleistet hat“. Brandenburg ist überzeugt, dass Kronprinz Wilhelm dem Hitler-Regime genau diese Dienste erwiesen hat. Auch Sachsen-Anhalt hat das Entschädigungsverfahren daraufhin ausgesetzt.

Unter Historikern ist die Rolle des Hohenzollern-Sprosses umstritten. Wilhelm war Mitglied der SA, hetzte gegen Juden und bejubelte Hitler. Einige Wissenschaftler bezweifeln allerdings, ob er wesentlichen Einfluss hatte.

Sollte den Hohenzollern eine Entschädigung für ihre früheren Güter in Sachsen-Anhalt zustehen, müsste der Bund zahlen, nicht das Land. Die linke Landtagsabgeordnete Kristin Heiß kritisiert dennoch, dass die Landesregierung nicht selbst ein Gutachten zur historischen Rolle des Kronprinzen eingeholt hat. „Auch Sachsen-Anhalt hat eine Verantwortung für unser historisches Erbe. Brandenburg hat das intensiv aufgearbeitet, und das fehlt mir hier.“

Prinz bedauert Stillstand

Georg Friedrich von Preußen sagte der MZ, die Ansprüche seiner Familie seien durch ein Verzeichnis der enteigneten Großgrundbesitzer im damaligen Kreis Burg belegt. Indirekt übte er Kritik an der Verzögerung einer staatlichen Entscheidung. Seit dem Kurswechsel Brandenburgs 2014 hätten „die zuständigen Ämter in Berlin und Sachsen-Anhalt ihre Tätigkeit bis auf weiteres ruhen lassen“, bedauert der Prinz. Seine Familie sei mit dem Staat in Verhandlungen. „Bei diesen Gesprächen geht es allerdings in erster Linie um die in Berlin und Brandenburg befindlichen Kunstgegenstände.“ (mz/Hagen Eichler)