Gastbeitrag zum Kohleausstieg

Gastbeitrag zum Kohleausstieg: Perspektiven in der Region entwickeln

Halle (Saale) - Sachsen-Anhalts Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) hat in einem Gastbeitrag für die Mitteldeutsche Zeitung angekündigt, dass Weißenfels im Zuge des Strukturwandels zu einer Schwerpunktagentur der Bundesagentur für Arbeit werden soll.

21.02.2019, 09:01
Arbeistministerin Petra Grimm-Benne
Arbeistministerin Petra Grimm-Benne imago stock&people

Der Kohleausstieg wird den Arbeitsmarkt im Süden Sachsen-Anhalts nachhaltig verändern. Um das gut zu begleiten und den enormen Bedarf an Aus- und Weiterbildung zu gestalten, plädiere ich für die Einrichtung einer Qualifizierungs- und Fachkräftesicherungsagentur für das sachsen-anhaltische Revier, die diesen Prozess langfristig begleitet und mitgestaltet.

Gemeinsam mit der Region wird es darum gehen, Perspektiven für bisher mittel- und unmittelbar im Bergbau Beschäftigte zu entwickeln und Ausbildungskapazitäten zu erhalten, damit junge Menschen weiter eine gute Perspektive haben.

Die Beschäftigten im Braunkohlebergbau bringen gute Voraussetzungen für die Bewältigung dieses Strukturwandels mit. Sie sind überwiegend hochqualifiziert und oftmals in Berufen ausgebildet, die auch außerhalb des klassischen Bergbaus sehr gesucht sind - etwa als Industriemechaniker und -mechanikerinnen oder Elektroniker und Elektronikerinnen.

Flexibilität bei Angeboten zur Qualifizierung und Fachkräfteentwicklung nötig

Ziel ist, den Fachkräftebedarf der Bergbauunternehmen für die kommenden Jahre zu sichern. Gleichzeitig muss für neue Industrien ein interessantes Fachkräfteangebot entwickelt werden. Und es sind Übergänge in neu entstehende Industrien zu organisieren.

Konkrete Bedarfe sind noch nicht absehbar. Sicher ist aber, dass erheblicher Koordinierungs- und Finanzierungsbedarf für berufliche Weiterbildung entsteht. Gerade weil neue Strukturen vermutlich viel kleinteiliger sein werden als bisherige, müssen mit Investoren und neu entstehenden Unternehmen schnell und flexibel Angebote zur Qualifizierung und Fachkräfteentwicklung umgesetzt werden können.

Eine der Herausforderungen wird sein, die leistungsfähigen Ausbildungsstrukturen zu erhalten, weiter zu entwickeln und für neue Netzwerke und Verbünde mit neu entstehenden Unternehmen zu nutzen. Dies wird nicht allein durch die Regelsysteme der Arbeitsförderung abgedeckt werden können. Hier soll die Qualifizierungs- und Fachkräftesicherungsagentur ansetzen. Finanziert werden sollte sie aus den Mitteln, die für die Bewältigung des Kohleausstiegs bereitgestellt werden. Das ist der Vorschlag, den das Arbeitsministerium in die entsprechenden Gremien trägt.

Idealerweise sollte die Agentur mit Geld zur Entwicklung der Aus- und Weiterbildungsstrukturen in der Region und bei Bedarf auch zur Finanzierung konkreter Qualifizierungsmaßnahmen ausgestattet sein. Sie soll die Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit ergänzen und Unterstützungsstrukturen wie „Fachkraft im Fokus“ in der Region verstärken und verstetigen.

Vorbild sind Fondslösungen wie der ehemalige Qualifizierungsförderfonds Chemie. Die Steuerung und Kontrolle sollte zum Beispiel durch einen Beirat aus Vertretungen der Sozialpartner, der betroffenen Landkreise und des Landes erfolgen.

Schwerpunkt Weißenfels: 7.000 Arbeitsplätze direkt- und indirekt durch Kohleausstieg betroffen

Die diese Woche vorgestellte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, die die Beschäftigungsstruktur im Mitteldeutschen Revier untersucht, spricht von bis zu 7.000 direkt- und indirekt in der Kohle Beschäftigten, die betroffen sein könnten. Hier braucht es intelligente Arbeitsmarkt- und Strukturpolitik.

Sehr erfreut habe ich zur Kenntnis genommen, dass die Bundesagentur für Arbeit den Standort Weißenfels zu einer Schwerpunktagentur machen will, um die Begleitung des Strukturwandels ihrerseits zu sichern. Damit haben wir in der Region beste Voraussetzungen, um die Programme der Bundesagentur, die auf die einzelnen Arbeitnehmer und deren individuelle Bedarfe abzielen, mit struktur- und wirtschaftspolitischen Impulsen zur Fachkräftesicherung zu verknüpfen.

Das Konzept einer Qualifizierungs- und Fachkräftesicherungsagentur muss von unten wachsen. Wir brauchen dazu einen breiten Dialog mit Unternehmen, mit Gewerkschaften und Betriebsräten, mit regionalen Bildungseinrichtungen und Verwaltungen, insbesondere auch mit der BfA. Es geht darum, den Strukturwandel von Seiten der Arbeits- und Qualifizierungspolitik aktiv zu begleitet, damit gute und zukunftsfähige Arbeitsplätze in der Region gestaltet werden. (red)