Neue Ausrüstung Gaffer bei Unfällen: Feuerwehr in Sachsen-Anhalt bekommt Sichtschutz

Magdeburg - Die ersten Feuerwehren in Sachsen-Anhalt sollen noch in diesem Jahr professionelle Sichtschutzvorrichtungen gegen Gaffer bekommen.
Zunächst gehe es um eine Grundausstattung für die Wehren, die über Technik zur Rettung von eingeklemmten Unfallopfern verfügten, sagte der Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbandes, Kai-Uwe Lohse. Zu den Anschaffungskosten liefen derzeit konkrete Gespräche mit dem zuständigen Innenministerium.
Gegen Gaffer: Schutzplanen sollen an Unfallorten gespannt werden
Konkret gehe es zunächst um 1,5 mal 3 Meter große Sichtschutzplanen mit Schlaufen, die um den Unfallort gespannt werden könnten, sagte Lohse. Das Equipment soll helfen, Unfallopfer vor den neugierigen Blicken und den mitfilmenden Handys der Gaffer zu schützen.
Lohse geht davon aus, dass der „erste Schwung“ der neuen Ausrüstung noch in diesem Jahr an die ersten Feuerwehren im Land verteilt werden kann. Der Verband rechnet mit einem Bedarf von 500 Stück, um die Wehren mit der hydraulischen Rettungstechnik auszustatten.
Gaffer fotografieren Unfallopfer: „menschliche Sauerei“
Das Ressort von Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) befürwortet die Anschaffung der Sichtschutzvorrichtungen. Sobald dem Ministerium ein förderfähiger Antrag vom Landesfeuerwehrverband vorliege, werde man Mittel aus dem Haushaltsbudget bereitstellen, teilte ein Ministeriumssprecher mit.
„Ich habe kein Verständnis für Menschen, die in solchen Situationen filmen oder fotografieren“, sagte Stahlknecht. Das sei eine „menschliche Sauerei“.
Die Retter hätten bei ihrer Arbeit häufig mit Menschen zu tun, die nahe der Unfallstelle anhalten, gucken oder sogar fotografieren und filmen, monierte auch Feuerwehrverbandschef Lohse. Derzeit improvisierten die meisten Kameraden und hielten Planen oder Decken als Sichtschutz hoch.
Gaffen ist eine Straftat
Gaffen ist nicht nur ein Ärgernis für die Retter, sondern kann auch eine Straftat sein. Wer die Helfer im Einsatz behindert, muss inzwischen - ähnlich wie bei unterlassener Hilfeleistung - mit Geldbußen oder einer Freiheitsstrafe rechnen. Der Bundesrat machte zuletzt den Weg für eine Gesetzesverschärfung frei: Wer bei stockendem Verkehr keine Rettungsgasse bildet, muss statt 20 Euro künftig mindestens das Zehnfache zahlen und kann auch mit Fahrverbot belegt werden.
In Nordrhein-Westfalen werden Sichtschutzwände bereits eingesetzt. In Bayern läuft ein Pilotprojekt. Auch Brandenburg ist nach Angaben des dortigen Infrastrukturministeriums dabei, Sichtschutzwände gegen Gaffer auf Autobahnen einzuführen. (dpa)