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Medikamentenmangel in Sachsen-AnhaltDas Gesetz greift zu kurz

MZ-Kommentatorin Lisa Garn meint, dass das neue Lieferengpassgesetz nicht hilft. Was jetzt passieren muss

07.12.2023, 18:00
MZ-Kommentatorin Lisa Garn
MZ-Kommentatorin Lisa Garn (Foto: MZ / Stedtler)

Es ist so offensichtlich wie komplex: Die massiven Lieferschwierigkeiten bei Medikamenten sind eine über Jahre gewachsene Misere. Wichtige Gründe dafür sind die Abhängigkeiten von Märkten außerhalb Europas, der Fokus auf immer günstigere Präparate und die Marktverengung auf nur wenige Hersteller. Das sind Entwicklungen, gegen die offensichtlich auch das Lieferengpassgesetz nichts ausrichten kann. Eine Behebung der Probleme sollte das Gesetz bringen, ein zweiter Winter mit einer so problematischen Versorgungslage sollte es nicht geben.

Eine über Jahre entstandene Schieflage

Es wird nun aber klar, dass das Gesetz kaum Veränderungen gebracht hat. In manchen Regionen ist die Versorgung sogar noch schlechter. Das Gesetz greift also zu kurz. Aber es gibt auch keine einfachen oder schnellen Lösungen, um eine über Jahre entstandene Schieflage zu beheben.

Abhängigkeit von China und Indien

Es reicht nicht, allein auf die Abhängigkeit von China und Indien, hohe Umweltauflagen in Deutschland oder die Attraktivität des Pharmastandorts Europa insgesamt zu schauen. Um Lieferketten weniger störanfällig zu machen, braucht es viele weitere Schritte auf nationaler und europäischer Ebene und auch eine Analyse der Lieferketten. Langfristig geht es um mehrere Ziele, die gleichzeitig angegangen werden müssen. Deutschland und Europa müssen weniger abhängig von außereuropäischen Märkten werden und den Markt für die Produktion breiter und attraktiver aufstellen. Dafür sind alle Akteure gefragt, also Politik, Hersteller und Krankenkassen.

Es geht um die Versorgungssicherheit

Aber es muss klar sein, dass das Geld kosten wird. Es wäre eine Abkehr vom Prinzip, nur die günstigsten Anbieter zu berücksichtigen und den Kostendruck immer weiter zu erhöhen. Unabhängigkeit hat ihren Preis. Aber sie ist wichtig, es geht um die Versorgungssicherheit der Bevölkerung.

Die Autorin erreichen Sie unter: [email protected]