Corona-Schutz in 20 Minuten

Corona-Schutz in 20 Minuten: Warum die Masken sinnvoll sind und was Sie beachten müssen

Halle (Saale) - Zugegeben: Es ist sehr ungewohnt, so eine Maske zu tragen. Schon das Anziehen zu Beginn ist kompliziert, der Stoff scheint ständig zu verrutschen, man bekommt schwerer Luft. Und: Die Leute gucken einen an - noch. Bei unseren Nachbarn in Sachsen ist der Mundschutz schon seit Montag Pflicht für den öffentlichen Nahverkehr sowie für den Einzelhandel. Wie sinnvoll ist ...

Von Jessica Quick
Hallenserin Susanne Klinke näht schon seit ihrer Jugend sehr gern. Zu Zeiten Coronas hat die 32-jährige Mutter schon mehr als 50 Masken für Freunde und Verwandte genäht.

Zugegeben: Es ist sehr ungewohnt, so eine Maske zu tragen. Schon das Anziehen zu Beginn ist kompliziert, der Stoff scheint ständig zu verrutschen, man bekommt schwerer Luft. Und: Die Leute gucken einen an - noch. Bei unseren Nachbarn in Sachsen ist der Mundschutz schon seit Montag Pflicht für den öffentlichen Nahverkehr sowie für den Einzelhandel. Wie sinnvoll ist das?

Julia Fantana ist Ärztin für Innere Medizin in Dresden. Jeden Morgen radelt sie mit ihrer selbstgenähten Maske in die Uniklinik, wo sie in der Covid-19-Station arbeitet. Sie hält den Schutz für sehr sinnvoll und erklärt auch warum.

Wovor schützt die Corona-Maske?

„Corona wird durch eine Tröpfcheninfektion übertragen“, so die 39-Jährige. Diese Tröpfchen seien bis zu fünf Mikrometer groß. „Wir atmen sie bei jedem Atemzug aus“, sagt die Ärztin. Im Winter könne man das gut beobachten. „Wenn ich aber eine Maske aufsetze, kann ich mein Gegenüber schützen, weil ich denjenigen nicht anatme.“ Selbst, wenn man etwa angehustet werde, biete die Maske ein wenig Schutz, „weil die Tröpfchen nicht sofort auf die Schleimhaut kommen“, sagt die Ärztin.

Mitte März etwa, als Fantana noch dachte, „dass wir italienische Verhältnisse bekommen könnten“, hat sie angefangen, selbst Masken zu nähen. Bis ihr Mann vorschlug, das ganze größer aufzuziehen. Auch mit der Unterstützung der Bundesregierung ist die Gruppe mittlerweile auf 40 Menschen - quer über Deutschland verteilt - angewachsen.

Täglich kümmert sich das Team ehrenamtlich um das Projekt www.maskefuerdich.de. Es gibt Nähanleitungen, Gebrauchsanweisungen und eine Tauschbörse, über die man Nähbegeisterte oder Material zum Nähen in der Nachbarschaft finden kann. Auch in Wittenberg, Sangerhausen oder Halle sind Angebote auf der Plattform gelistet.

Was bringt eine selbstgenähte Maske?

Fantana hält den Schutz von selbgenähten Masken, wenn sie gut gemacht sind, für ähnlich stark wie bei einem gekauften Mund-Nase-Schutz, der dem medizinischem Personal vorbehalten ist. Selbernähen sei daher ihre Devise.

Für den zu verwendenden Stoff rät Julia Fantana zu fester Baumwolle, die man in zwei Lagen verarbeiten soll. „Am besten testet jeder im Vorfeld, ob er noch durchatmen kann“, sagt die Ärztin. „Je öfter ich die Maske wasche, desto besser filzen die Faser zusammen, desto besser wird die Maske. Denn die kleinen Partikel kommen nicht mehr so gut durch.“

Apropos waschen: Fantana empfiehlt, dass man die Baumwollmaske bei mindestens 60 Grad in der Waschmaschine mit etwa Handtüchern mitwäscht. Wer einen Draht als Nasenhalter verarbeitet hat, der sollte die Maske zusätzlich mit einem BH-Wäschenetz schützen. Alternativ könne man sie mit der Hand waschen, so dass sie gut riecht, und anschließend für fünf Minuten im Topf auskochen, erklärt Fantana. Auch so seien infektiöse Partikel abgetötet.

Wie oft muss ich die Corona-Maske waschen?

Die Dresdner Ärztin empfiehlt, einen Waschgang nach jeder Verwendung. Also, einmal im Supermarkt einkaufen oder mit der Bahn fahren, schon ist ein Auskochen fällig. „Durch die Atemluft wird die Maske mit der Zeit feucht, was die Überlebenschance eines Virus auf der Maske erhöht. Corona braucht Feuchtigkeit“, sagt Julia Fantana. Demzufolge müsse die Maske oft gewechselt werden.

Mit nur einer Maske ist das nicht machbar. Drei insgesamt sollte jeder vorrätig haben, so die Faustregel: eine zum Tragen, eine als Reserve in einer hygienischen Tüte in der Tasche und eine zu Hause, die gewaschen wird. Keine Angst: Gut genähte Baumwollmasken sind sehr lange haltbar.

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Die Maske als Akt der Solidarität

Aber wie trage ich die Maske eigentlich richtig? Es gibt Varianten mit Gummi oder zum Zusammenbinden am Kopf. Das könne jeder nach Gusto entscheiden, so Fantana. Wichtig sei es, dass die Maske eng anliegt und nirgendwo drückt, sonst drohen über die Zeit Kopfschmerzen. „Am Ende muss man sich wohlfühlen“, so die Ärztin, die ihre selbgenähte Maske im Nicht-Covid-Bereich der Uniklinik den ganzen Tag trägt.

Erst im heiklen Bereich muss sie zu FFP3-Masken greifen, die im Übrigen nur mit einem vorherigen Lungenfunktionstest zu tragen sind, da sie nur wenig Luft durchlassen. Ihr Ziel ist es, Aerosole abzuhalten, die etwa beim Bronchoskopieren entstehen. Beim Bäcker dagegen müsse man keine Angst davor haben, so die Ärztin.

Die Maske mit Stolz zu tragen, das sei die Botschaft des Projektes. „Man sollte die Maske nicht als Stigma sehen, sondern im Gegenteil, als Zeichen der Solidarität den anderen gegenüber. Auch wenn ich mich top fit fühle, weiß ich nicht, ob ich mich vielleicht schon infiziert habe, und ansteckend bin“, sagt Julia Fantana. (mz)