Landtag Sachsen-Anhalt

Afd Sachsen-Anhalt und die Verbindung zu Burschenschaften

Magdeburg - Die AfD-Fraktion beschäftigt gern Leute aus Studentenverbindungen. Die pochen auf „deutsche Abstammung“ und haben Kontakte in die rechte Szene.

Von Hagen Eichler

Ausländer sind unerwünscht bei den Germanen. Die Leipziger Burschenschaft Germania, die lebenslange „Treue, Kameradschaft und Vaterlandsliebe“ verspricht, nimmt ausschließlich Deutsche auf und grundsätzlich nur Männer.

Zu den Zielen des Bundes gehört es, „alle Deutschen“ in staatlicher Einheit zusammenzuführen – die Formulierung ist eine Umschreibung für den gewünschten Anschluss Österreichs. Gleich zwei Mitglieder dieser Gemeinschaft haben nun in Magdeburg ein berufliches Betätigungsfeld gefunden: Sie arbeiten für die Landtagsfraktion der AfD.

Sie dürften sich dort wohlfühlen. Nach Recherchen der Mitteldeutschen Zeitung haben zahlreiche AfD-Mitarbeiter eine Vorgeschichte in Organisationen vom äußerst rechten Rand.

Burschenschaften mit Überlegenheitsgefühl

Beispielsweise John H., der unter dem Vornamen „Fritz“ als Burschenschafter aktiv war und als Redner bei ausländerfeindlichen Kundgebungen aufgetreten ist. Als Student der Universität Bonn gehörte er der Kölner Burschenschaft Germania an und war Funktionär der „Deutschen Burschenschaft“, die wegen rechtsextremer Äußerungen führender Mitglieder regelmäßig in der Kritik steht.

2014 fasste „Fritz“ H. das eigene Überlegenheitsgefühl so zusammen: „Burschenschafter sein, das ist per se ein Akt des Widerstandes. Widerstand, gegen die verblödete, identitätslose und entortete* Dekadenzgesellschaft unserer Zeit. Wer sich uns anschließt, der tut dies als Akt der Loslösung von eurer rosaroten Trümmerlandschaft.“ Auf Marktplätzen behauptet H., das deutsche Volk werde gezielt durch ein anderes ausgetauscht, die Bundesregierung wolle die Heimat „mit Fremden fluten“.

So wie die beiden Leipziger Burschenschafter in AfD-Diensten hat auch H. Erfahrung mit dem studentischen Fechtkampf, Narben am Kopf belegen das. Heute stellt der bullige Mann seine Kampferfahrung in den Dienst der AfD. Beim Magdeburger Hörsaalkrawall Mitte Januar ging er angesichts linker Gegendemonstranten gekonnt in Boxerhaltung.

Wird die AfD-Fraktion von einer männerbündischen Seilschaft unterwandert? Oder stellt sie umgekehrt gezielt Burschenschafter ein? Die Fraktionsspitze schweigt. Wegen des Datenschutzes und aus arbeitsrechtlichen Gründen könne man sich dazu nicht äußern, heißt es. Ohnehin wisse man nicht, wo sich Angestellte privat engagierten.

Der Landtagsabgeordnete Jan Wenzel Schmidt spricht offener. „Anders als viele andere Akademiker haben Burschenschafter kein Problem, für die AfD zu arbeiten“, sagt er. Zudem hätten sie gute Zeugnisse und in der Probezeit überzeugt.

Schmidt pflegt auch persönlich Kontakte in die Szene schlagender Verbindungen. Ein Foto aus dem Mai 2015 zeigt Schmidt in Halle bei einem Fest der Halle-Leobener Burschenschaft Germania – diese hatte in der Vergangenheit nachweislich enge Kontakte zu Rechtsextremisten.

Ebenfalls in AfD-Diensten ist Andreas Graudin, Mitglied der Marburger Burschenschaft Germania. Die nimmt bis heute nur Mitglieder auf, die „dem deutschen Volk angehören“ - es geht wohlgemerkt nicht um den Pass, sondern die Abstammung. Graudin war zuletzt Mitglied der islamfeindlichen Kleinpartei „Pro Deutschland“. 2011 kandidierte der promovierte Verwaltungswissenschaftler für das Berliner Abgeordnetenhaus.

Das Feindbild Islam vereint

Im gleichen Jahr stellte der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen fest, es gebe bei der Partei den „Verdacht extremistischer Bestrebungen“. Die Behörde hatte zahlreiche Verquickungen mit der Neonazi-Szene beobachtet. Graudin hingegen beteuert auf Nachfrage, er habe „im demokratischen Spektrum“ gegen die „Islamisierung“ gekämpft - und tue das auch heute als Mitglied der AfD.

Die Angestellten der Landtagsfraktion werden aus Steuermitteln bezahlt. Sie arbeiten den Abgeordneten zu, schreiben etwa Reden und Anfragen. Nicht selten streben Fraktionsreferenten selbst eine politische Karriere an und kandidieren später für Mandate. (mz)

*In einer früheren Fassung des Textes wurde in dem Zitat fälschlicherweise die Formulierung "entartet" veröffentlicht. Herr H. hat dieses Wort in dem Satz nicht verwandt, sondern von "entortet" gesprochen. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.