AfD-Mann will aufrüsten

AfD-Mann will aufrüsten: Abgeordneter Mario Lehmann will ganz legal eine Waffe tragen

Magdeburg - Muskulöse Oberarme, Lederkleidung, gelegentlich ein Eisernes Kreuz als Ohrstecker: Im Magdeburger Landtag gibt es nicht wenige, die den AfD-Abgeordneten Mario Lehmann bedrohlich finden. Im vergangenen Herbst erst kassierte der 48-Jährige eine Anzeige wegen Körperverletzung, weil er einen Parteifreund geschlagen und bedroht haben ...

Von Hagen Eichler 16.03.2019, 10:00
Mario Lehmann im Landtag von Sachsen Anhalt
Mario Lehmann im Landtag von Sachsen Anhalt imago stock&people

Muskulöse Oberarme, Lederkleidung, gelegentlich ein Eisernes Kreuz als Ohrstecker: Im Magdeburger Landtag gibt es nicht wenige, die den AfD-Abgeordneten Mario Lehmann bedrohlich finden. Im vergangenen Herbst erst kassierte der 48-Jährige eine Anzeige wegen Körperverletzung, weil er einen Parteifreund geschlagen und bedroht haben soll.

Dieses Ermittlungsverfahren wurde seinerzeit, wie bereits berichtet, eingestellt und der Anzeigeerstatter auf den Privatklageweg verwiesen.

Jetzt will sich Lehmann für den Alltag bewaffnen, und das ganz legal. Nach MZ-Informationen hat er beim Landkreis Harz einen Waffenschein beantragt.

Mit dem Papier dürfte er eine schussbereite Waffe stets bei sich führen. Zum Vergleich: Jäger und Sportschützen dürfen Waffen zwar besitzen. Für den Transport müssen sie diese aber getrennt von der Munition und verschlossen aufbewahren.

AfD-Abgeordneter Mario Lehmann: Spruch zu Nazi-Verbrechen

Mit einem Waffenschein hingegen ist es legal, im Alltag eine Pistole im Holster zu tragen. Diese Erlaubnis ist extrem selten und wird fast ausschließlich für Wachleute ausgestellt, die Geld- oder Werttransporte beschützen und die Waffe für ihren Beruf bei sich führen. Insgesamt haben derzeit 42 Sachsen-Anhalter einen Waffenschein.

In Sicherheitskreisen sorgt Lehmanns Antrag für Besorgnis. Der Abgeordnete aus Quedlinburg ist mehrfach mit extrem rechten Aussagen aufgefallen. Mitte Februar soll er den Völkermord an den europäischen Juden durch einen Vergleich mit der Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg relativiert haben. Der 13. Februar 1945 sei „auch ein Holocaust“, heißt es in einem Facebook-Eintrag unter Lehmanns Namen. Auf MZ-Nachfrage sagte er, er habe den Bombenangriff nicht als Holocaust bezeichnet - eine Erklärung für den Eintrag lieferte er nicht.

Im Landtag beschimpfte er mehrfach Migranten als „Ficki-Ficki-Fachkräfte“. Beim bislang letzten Vorkommnis dieser Art musste Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch (CDU) die Plenarsitzung unterbrechen.

AfD-Abgeordneter Mario Lehmann: Im Umgang mit Waffen ausgebildet

Vor seiner Wahl in den Landtag arbeitete Lehmann als Polizist, er ist also im Umgang mit Waffen ausgebildet. Das Beamtenverhältnis des Kriminalhauptkommissars ruht derzeit. Dass er den angestrebten Waffenschein tatsächlich erhält, gilt jedoch als unwahrscheinlich. Ein Antragsteller muss glaubhaft machen, dass er durch Angriffe auf Leib und Leben gefährdet ist - und zwar wesentlich stärker als die Allgemeinheit. Zudem muss er belegen, dass er dieser Gefahr nicht anders begegnen kann.

Eine MZ-Anfrage zu seinen Beweggründen ließ Lehmann unbeantwortet. Auch wollte seine Fraktion nicht erklären, ob sie Lehmanns Streben nach einem Waffenschein unterstützt.

Bereits im vergangenen Jahr hatte ein Vorfall mit einem bewaffneten AfD-Mitglied den Landtag aufgeschreckt. Am Rande einer Wahlkampfveranstaltung in Regensburg feuerte ein 28-Jähriger aus Magdeburg eine Schreckschusspistole ab. Es soll sich um einen früheren NPD-Sympathisanten handeln, der im vergangenen Jahr einen Job bei einem AfD-Abgeordneten im Landtag von Sachsen-Anhalt bekam. Daraufhin debattierte der Ältestenrat des Landtags, ob die Sicherheitsvorkehrungen für das Landtagsgebäude noch ausreichen.

Sicherheitslage: Sorge um die Abgeordneten

Per Hausordnung ist das Mitbringen von „Waffen, Spreng- und Brandmitteln“ untersagt. Kontrollen gibt es jedoch nur an Tagen mit Plenarsitzung, also an zwei bis drei Tagen im Monat. Wenn sich Abgeordnete bedroht fühlten, sei die freie Mandatsausübung gefährdet, heißt es aus der Landtagsverwaltung. Zur Sicherheitslage gebe es daher „wiederkehrend Gespräche mit dem Objektschutzleiter, der Polizei und zuständigen Stellen im Innenministerium“, sagte eine Sprecherin am Freitag.

(mz)