Abholzung in Sachsen-Anhalt

Abholzung in Sachsen-Anhalt: Naturschützer bangen um geschützte Alleen

Magdeburg - Nach der Dürre im Sommer 2018 bangen Umweltexperten um geschützte Alleen in Sachsen-Anhalt. „Wir beobachten aktuell, dass Dutzende Bäume zur Fällung markiert werden“, sagt Ulrich Klaus vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Das gelte für Mansfeld-Südharz, den Saalekreis und den ...

Von Jan Schumann

Nach der Dürre im Sommer 2018 bangen Umweltexperten um geschützte Alleen in Sachsen-Anhalt. „Wir beobachten aktuell, dass Dutzende Bäume zur Fällung markiert werden“, sagt Ulrich Klaus vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Das gelte für Mansfeld-Südharz, den Saalekreis und den Harz.

Das Abholzen von Alleen ist per Gesetz verboten. Einzige Ausnahme: Die Bäume werden zur akuten Gefahr für den Verkehr, die nur durch Fällung gebannt werden kann.

Laut Klaus zeigen viele der markierten Bäume zwar oberflächliche Dürresymptome: Manche verlieren Laub, anderen ist die Trockenheit anzusehen. Fällungen seien aber oft nicht nötig. Das zeige die Erfahrung vergangener Jahre, in denen Bäume mit gesunden Stämmen entfernt worden seien - etwa in Gerbstedt (Mansfeld-Südharz).

Bäume in Sachsen-Anhalt: Umweltschützer fordern Stopp von Fällungen

Weil die Landesregierung die Dürre 2018 als Naturkatastrophe klassifizierte, fordert Klaus nun ein „Fäll-Moratorium“ bis ins Jahr 2019, um frühzeitige Abholzung zu vermeiden. „Die Berufserfahrung von Gutachtern stößt in Extremsituationen wie dieser Dürreperiode an Grenzen.“

Die Dürre ging auch an den Alleen nicht spurlos vorbei. Sie prägen das Landschaftsbild Sachsen-Anhalts - laut Verkehrsministerium erstrecken sie sich an Bundes- und Landsstraßen über 650 Kilometer. Ähnlich bedeutend sind Alleen nur in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, so der BUND. Er fordert nun auch eine „Nachpflanzoffensive sondergleichen“.

Die Sorge um Alleebäume zieht der BUND aus Erfahrungen vergangener Jahre: In Anfragen an die Landesstraßenbaubehörde (LSBB) deckten die Umweltschützer auf, dass Baumfällungen an Straßen tausendfach ohne Ersatz bleiben – obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben ist. Ende 2017 dokumentierte die Behörde „Baumschulden“ in Höhe von 7 600 Stück. Laut LSBB waren alle Fällungen notwendig für die Verkehrssicherheit. Die Behörde beteuert, sie bedauere die dokumentierte Situation. Sie werde alles tun, die Baumschulden schnell abzuarbeiten.

Nach Dürre im Sommer: Kreise in Sachsen-Anhalt rechnen mit Schäden an Bäumen

Das Verkehrsministerium teilt auf Anfrage mit, das LSBB führe derzeit keine Markierungen von beschädigten Bäumen durch: „Das würde zum jetzigen Zeitpunkt auch noch wenig Sinn machen.“ Fällungen würden mit den Kreisen und kreisfreien Städten abgesprochen.

Dazu heißt es im Saalekreis: Ob der Dürre eine größere Zahl von Bäumen zum Opfer falle, könne noch nicht abschließend beurteilt werden. Das sei erst 2019 möglich. Es müsse aber damit gerechnet werden, dass „einzelne Gehölze aufgrund der Trockenheit erheblich geschädigt sind“. Ähnlich äußert sich der Kreis Mansfeld-Südharz. (mz)