Wunschkennzeichen sehr beliebt

Wunschkennzeichen sehr beliebt: Manche Buchstaben und Zahlen am Auto sind verboten

Merseburg/Querfurt - Wunschkennzeichen sind bei Fahrzeughaltern sehr beliebt. Doch nicht alle Kombinationen auf den Tafeln sind auch erlaubt. MZ erklärt, was auf dem Index steht.

Von Michael Bertram 18.08.2019, 06:00

Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden im Saalekreis fast 4.000 Fahrzeuge für den Straßenverkehr neu zugelassen. Neben der amtlichen Eintragung braucht es dafür auch Kennzeichen. Bei vielen Autobesitzern beliebt sind lustige Kombinationen aus Buchstaben und Zahlen.

Dank Wunschkennzeichen grüßen in der Region so einige Fahrzeuge mit „MER-CI“, „MER-KE“ oder auch „HAL-LO“. Doch nicht alles ist bei diesen Spielereien erlaubt. Bundesweit sind bestimmte Kombinationen verboten. Im Saalekreis ist zudem eine weitere, nur hier theoretisch mögliche Kombi nicht erlaubt.

„Bundesweit sind die Kennzeichenkombinationen SA, SS, HJ, KZ und 88 per Erlass verboten“

Was geht und was nicht, das ist in der Fahrzeugzulassungsverordnung festgelegt. Dort heißt es in Paragraph 8 Absatz 1, dass die Kombinationen aus Nummern und Buchstaben nicht gegen die guten Sitten verstoßen dürfen. „Bundesweit sind die Kennzeichenkombinationen SA, SS, HJ, KZ und 88 per Erlass verboten“, erklärt Kerstin Küpperbusch, Sprecherin der Kreisverwaltung, der die KfZ-Zulassungsbehörde im Saalekreis unterstellt ist.

Dass es genau diese Buchstabenkombinationen betrifft, wird damit begründet, dass sie eben nicht nur für die Initialen des Halters oder dessen Angehörige stehen können, sondern auch in Verbindung mit dem Nationalsozialismus stehen können. HJ steht dabei für die Hitlerjugend, SA für die Sturmabteilung, die paramilitärische Kampforganisation der NSDAP, und SS für die Schutzstaffel, die während der Nazidiktatur maßgeblich am Holocaust beteiligt gewesen war.

Pech haben auch jene 31 Jahre alten Autobesitzer, die auf ihr Geburtsjahr aufmerksam machen wollen

Pech haben auch jene 31 Jahre alten Autobesitzer, die andere per Kennzeichen auf ihr Geburtsjahr aufmerksam machen wollen: Die 88 ist verboten, weil die Zahlen auch jeweils für den achten Buchstaben des Alphabets, also HH, stehen könnten - in Neonazikreisen eine beliebte Chiffre für den Hitlergruß.

Parallel zu den bundesweit einheitlichen Verboten haben auch viele Bundesländer zusätzliche Kombinationen auf den Index gesetzt. In Sachsen-Anhalt trifft das ganz konkret sogar den Saalekreis. „Zusätzlich sind hier auch die Buchstaben ,IN‘ und ,NS‘ unzulässig“, erklärt Kreissprecherin Kerstin Küpperbusch. Die Kombination „SK-IN“, als Abkürzung für Skinhead, wird auf im Saalekreis zugelassenen Autos also definitiv nicht zu finden sein.

Vielzahl von Kombinationen durch den Gesetzgeber verhindert

Auch in anderen Bundesländern ist eine Vielzahl von Kombinationen durch den Gesetzgeber verhindert worden. In Bayern beispielsweise sind zahlreiche Kombinationen aus den Buchstaben „AH“ und „HH“ sowie den Zahlen „18“ oder „28“ verboten. Sie alle spielen mit dem Hitlergruß beziehungsweise mit den Initialen Adolf Hitlers. In Nürnberg, wo die Kennzeichen mit „N“ beginnen, werden auch Kombinationen „PD“ sowie „SU“ nicht vergeben. Auf das für Köln vorgesehen „K“ darf auf Autokennzeichen zudem kein „Z“ folgen.

Wie Kerstin Küpperbusch erzählt, werden im Saalekreis verbotene Buchstaben- und Zahlenkombinationen zwar tatsächlich angefragt. „Aber nur, weil Bürger ihre oder die Initialen der Kinder und das Geburtsdatum gern auf dem Kennzeichen haben wollen.“

Zuletzt hatte im Mai ein Gerichtsurteil aus Nordrhein-Westfalen aufhorchen lassen. Laut diesem konnte ein Kennzeichen mit der Kombi „HH 1933“ eingezogen werden. Das Straßenverkehrsamt Viersen hatte das Kennzeichen vergeben, auf eine Bürgerbeschwerde hin aber wieder eingezogen. Dagegen wollte sich der Autobesitzer wehren. (mz)

Ein Schild weist auf eine Kfz-Zulassungsstelle hin.
Ein Schild weist auf eine Kfz-Zulassungsstelle hin.
dpa-Zentralbild