Nach Raffinerie-Brand

Total Raffinerie Leuna: Benzin wird nach Brand knapp

Leuna - Nach dem Brand in der Raffinerie sind die Folgen schlimmer als befürchtet. Total steht vor einem Millionenverlust.

Von Melain van Alst 01.06.2017, 11:41

Nach dem schweren Brand in der Total-Raffinerie in Leuna (Saalekreis) muss die Kraftstoffproduktion derzeit ausgesetzt werden und soll auch in den kommenden Monaten nur reduziert möglich sein. „Die Anlage ist futsch“, sagte Willi Frantz, Geschäftsführer der Total-Raffinerie gegenüber der MZ. Die Destillationsanlage als wesentlicher Bestandteil der Produktion ist demnach nicht mehr voll funktionsfähig.

Der betroffene Teil der Anlage muss nach MZ-Informationen nun aufwendig repariert werden. Eine alternative Möglichkeit, Kraftstoff in Leuna herzustellen, gibt es zwar theoretisch, aber sie steht offenbar noch nicht zur Verfügung. Derzeit wird vom Unternehmen geprüft, ob so ein Teil der Produktion übernommen werden kann.

Raffinerie in Leuna deckt allein mit Benzin und Diesel den Bedarf von 1.300 Tankstellen

Welche Auswirkungen die reduzierte Produktion auf die Versorgung der Tankstellen in Mitteldeutschland hat, ist bislang unklar. Das Unternehmen kündigte für diesen Donnerstag eine offizielle Stellungnahme an. Die Raffinerie in Leuna deckt allein mit Benzin und Diesel den Bedarf von 1.300 Tankstellen ab. Regulär verlassen jeden Tag allein 400 Tankwagenfüllungen Treibstoff das Gelände. Für das Unternehmen droht mit diesem Zwischenfall ein hoher Millionenverlust.

Am Mittwoch vor zwei Wochen war über der Raffinerie eine Rauchsäule aufgestiegen. In der Kolonne der Destillationsanlage war ein Schwelbrand entstanden. Nur mit Wasserdampf konnte dem Feuer der Sauerstoff entzogen werden, so dass der Brand erstickt wurde. Arbeiter mussten mit einem Kran von der über 60 Meter hohen Anlage gerettet werden. Insgesamt 20 Mitarbeiter waren vorübergehend ärztlich versorgt worden. Neun von ihnen waren in Krankenhäuser gekommen, wurden zumeist noch am selben oder einen Tag später wieder entlassen.

Ursache des Brandes in Total-Raffinerie weiter unklar

Unklar bleibt bislang auch die Ursache des Brandes. Das Feuer war ausgebrochen, als die Kolonne für Arbeiten daran vorbereitet wurde. Offenbar wurde die Anlage nicht von allen brennbaren Stoffen befreit. Üblicherweise werden die Anlagen geleert und Rückstände mit Chemikalien sorgfältig entfernt. Nach MZ-Informationen hat dies nicht richtig funktioniert.

Glück im Unglück war, dass die Raffinerie zu diesem Zeitpunkt nicht produziert hat. Denn seit Mitte Mai befindet sich die Anlage in einem Stillstand, der dazu dient, wichtige Reparaturen und Instandhaltungsarbeiten zu erledigen. Innerhalb von gut zwei Wochen sollen alle Arbeiten während dieses kleinen Zwischenstopps erledigt sein. Allein dafür sind zusätzlich zu den 630 Beschäftigten der Total noch zusätzlich 2.500 weitere Arbeiter verschiedener Firmen auf dem Gelände tätig. Gerüchten zufolge könnte die verringerte Arbeitsleistung der Anlage auch Kurzarbeit in der Raffinerie zur Folge haben. (mz)