Seniorenpflege will wachsen

Startet in Schafstädt bald auch Betreuung zu Hause?

Der Stadtrat entscheidet, ob die kommunale Tochter in Schafstädt bald auch ein Angebot für die Betreuung zu Hause startet.

In Schafstädt könnte zu einer ambulanten Pflege bald auch eine mobile hinzukommen. Foto: dpa

Schafstädt - Die Seniorenpflege Schafstädt ist bisher vor allem Synonym für das Pflegeheim an der dortigen Nordpromenade. Außerdem betreibt die kommunale Tochtergesellschaft ein Haus mit betreutem Wohnen auf dem Schafstädter Gutshof. Ab diesem Spätsommer soll das Angebot jedoch ausgeweitet werden. Der Stadtrat entscheidet in der kommenden Woche darüber, ob die Seniorenpflege künftig auch einen Zweig für die mobile Pflege einrichtet. Im Hauptausschuss fand dies bereits eine Mehrheit.

Die Überlegungen sind auch nicht ganz neu. Schon seit Jahren ist angedacht, den Betrieb zu erweitern. Im vergangenen Jahr schuf der Stadtrat deshalb bereits den Posten eines zweiten Geschäftsführers. Auf diesen wechselte Karsten Herfurth, der sich zuvor um die Geschicke des ASB Regionalbereichs Saalekreis-Süd gekümmert hatte. „Unser Ziel ist es, als Seniorenpflege ein umfassendes pflegerisches Angebot zu etablieren“, sagt er nun beim neuen Arbeitgeber. Die Idee ist, irgendwann die gesamte Kette von der Betreuung zu Hause über Tages- und Kurzzeitpflege bis eben zur bereits vorhandenen stationären Pflege zu bieten und letztlich auch neue Bewohner für das Heim zu gewinnen.

„Das ist die Untergrenze, sonst bekommt man keine Kassenzulassung“

Die ambulante Pflege könnte daher der Start in eine größere Angebotserweiterung sein. Im Hauptausschuss wurde bereits die Möglichkeit angerissen, den jetzigen Standort der Kita „Wolkenschäfchen“, die bald in den Neubau auf dem Gutshof zieht, entsprechend umzunutzen. Ein Konzept gebe es dafür aber noch nicht, betont Herfurth.

Der ambulante Pflegedienst soll daher zunächst Räume im betreuten Wohnen nutzen und mit einer Minimalbesetzung von fünf Mitarbeitern starten. „Das ist die Untergrenze, sonst bekommt man keine Kassenzulassung“, erklärt der Geschäftsführer. Schließlich müsse das Pflegeteam ja an sieben Tagen in der Woche einsatzfähig sein.

Für Bedenken unter den Räten sorgte, dass der neue Zweig zunächst ein Verlustgeschäft sein soll. In der Ratsvorlage ist von einem wirtschaftlichen Risiko von bis zu 150.000 Euro die Rede. Herfurth hält dies aber für normal, wenn man ein neues Geschäftsfeld eröffnet: „Da fallen immer erstmal Aufbauarbeiten an. Man hat aber ab Tag eins die Personalkosten.“ Ziel sei jedoch, schnellstmöglich kostendeckend zu arbeiten.

„Wie schnell das geht, hängt auch davon ab, wie zügig wir Kunden akquirieren können.“

„Wie schnell das geht, hängt auch davon ab, wie zügig wir Kunden akquirieren können.“ Die sollen vor allem aus Schafstädt und der näheren Umgebung kommen. Eine räumliche Expansion plane man nicht, betont der Geschäftsführer. Aus seiner Sicht ist die schwierigere Aufgabe, angesichts des Fachkräftemangels in der Pflege, die Gewinnung von geeignetem Personal, damit der Start wie geplant am 1. September erfolgen kann - sofern der Rat zustimmt.

Im Hauptausschuss gab es zwei Enthaltungen und eine Gegenstimme. Die kam von Alexander Sorge, Fraktionschef des Bürgerbündnisses: Er kritisierte, wie auch Jörg Walther, dass ihm Risikoanalyse und Businessplan noch nicht aussagekräftig genug seien. „Mir wäre in der Seniorenpflege wichtiger, dass die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter so steigen, dass sie dem öffentlichen Dienst entsprechen.“ Eine Zustimmung im Stadtrat schloss Sorge aber nicht aus. Dort soll Herfurth das Vorhaben noch einmal persönlich erläutern. (mz/Robert Briest)