Verdächtiger in der JVA Halle

Saalekreis: Mann in Großkugel erstochen

Großkugel/Kabelsketal - Messerangriff in Großkugel endet tödlich - Tatverdächtiger wird Richter vorgeführt

Von Oliver Müller-Lorey

Jemand hat versucht, das Blut gründlich wegzuwischen. Aber am Morgen, nachdem in Großkugel (Gemeinde Kabelsketal) ein 30-Jähriger erstochen wurde, sind die Pflastersteine am Ende der Brunnenstraße noch immer mit dunkelroten Spritzern und einem etwa 50 Zentimeter großen rostbraunen Fleck übersät. An einem weißgestrichenen Gartentor klebt ebenfalls Blut.

Streit auf dem Marktplatz in Großkugel endet tödlich

Nach ersten Erkenntnissen von Polizei und Staatsanwalt hat ein Streit zwischen zwei Männern dort am Donnerstagabend um 21.45 Uhr sein blutiges Ende gefunden. Die Auseinandersetzung der Männer, beide deutsche Staatsbürger, hatte offenbar 600 Meter vom Fundort des Toten entfernt begonnen: auf dem Großkugler Marktplatz. Das teilte die Polizei am Freitag mit. Der Streit soll sich dann in die Brunnenstraße verlagert haben. Ob der Täter das Opfer, das aus Nordrhein-Westfalen stammt, schon auf dem Markt mit dem Messer verletzte, ist unklar.

Die Staatsanwaltschaft, die die Ermittlungen  leitet, geht davon aus, dass sich beide Männer kannten. „Sie standen in keinem verwandtschaftlichen Verhältnis. Wir sind auf der Suche nach dem Motiv“, sagte Oberstaatsanwältin Heike Geyer. Der mutmaßliche Täter,  40 Jahre alt und aus Großkugel, wurde von der Polizei noch am Tatort vorläufig festgenommen. Noch am Freitag wurde Haftbefehl erlassen. Der Tatverdächtige wurde in die JVA Halle (Saale) eingeliefert.

Ein Toter in Großkugel? Das will keiner richtig wahrhaben

Die Brunnenstraße am Rand von Großkugel liegt in Sichtweite der B6 und ist eine einigermaßen trostlose Straße. Dort sollten einmal Wohnblöcke gebaut werden, als man noch plante, Großkugel zu einer Kleinstadt mit bis zu 7.000 Wohnungen auszubauen. Davon spricht heute niemand mehr. Statt der Blöcke sollen entlang der Brunnenstraße nun Einfamilienhäuser entstehen, erzählt Alf Salomon, der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Kabelsketal. Doch noch zerschneidet die Brunnenstraße eine Wiese und endet in einer Sackgasse an einem neu gebauten und eingezäunten Haus. Es ist der Gartenzaun mit den Blutspritzern.

Am Tag nach dem tödlichen Streit gehen dort Menschen mit ihren Hunden spazieren. Eine Frau erzählt, wie sie gegen 21.30 Uhr abends drei Schreie gehört haben will. „So schreit nur jemand, der stirbt“, sagt sie.  Aus dem Fenster geschaut  habe sie aber trotzdem zunächst nicht. Erst später, als die Spurensicherung schon da gewesen sei, habe sie mit dem Fernglas ihres Freundes den dank Flutlicht hell erleuchteten Tatort gesehen. Sonst will in Großkugel kaum jemand etwas mitbekommen haben. Auf dem Marktplatz wissen viele Passanten am Morgen nicht einmal, was in ihrem Dorf passiert ist. Dass es auf dem Markt Trinker gibt und manchmal auch ein paar randalierende Jugendliche, dass wissen die meisten, ja. Aber ein Toter in ihrem Dorf? Das will keiner so richtig wahrhaben. (mz)