Havarie bei Leuna Total

Raffinerie Leuna: Erste Tankstellen in Mitteldeutschland ohne Sprit

Halle (Saale) - Durch eine Havarie bei der Total-Raffinerie in Leuna wird beim Anbieter HEM der Kraftstoff knapp. Noch ist unklar, welches Ausmaß der Engpass hat.

Von Steffen Höhne 13.06.2017, 10:21

Durch einen außerplanmäßigen Stillstand bei der Total-Raffinerie in Leuna wird an ersten Tankstellen in Mitteldeutschland der Kraftstoff knapp. Pächter der Kette HEM melden beispielsweise in Leipzig, Bitterfeld-Wolfen und Torgau Engpässe. „Wir sind komplett leer“, sagte ein Pächter in Leipzig der MZ.

Die Hamburger HEM-Zentrale bestätigt das. „Nach einem Störfall in der Raffinerie Leuna sind in Teilen von Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt Versorgungs-Engpässe bei Benzin und Diesel entstanden“, sagte Unternehmenssprecherin Marion Merken Montagabend der MZ. Betroffen seien auch mehrere HEM-Tankstellen.

HEM-Tankstellen: Diesel und E5 nicht überall verfügbar

Auch bei anderen Tankstellenketten sollen laut Tankstellenpächter an einzelnen Stationen Sorten wie Diesel und Benzin E5 nicht immer verfügbar sein. Eine MZ-Anfrage an den Marktführer Aral blieb allerdings unbeantwortet. Auch Total äußerte sich nicht zu den Vorfällen. Das Ausmaß des Engpasses bleibt somit unklar.

Bei planmäßigen Wartungsarbeiten war es am 17. Mai in der Total-Raffinerie zu einem Schwelbrand in einer Kolonne gekommen. Mitarbeiter kamen dabei nicht zu Schaden. Die Anlage ist eines der Herzstücke der Kraftstoff-Produktion. Sie muss nun aufwendig repariert werden.

Total Leuna: Gesamte Raffinerie produziert keinen Kraftstoff

Nach Angaben von Total könnte sich das nach derzeitigen Schätzungen über den Monat Juni hinziehen. Derzeit produziert die gesamte Raffinerie daher keinen Kraftstoff. Total versorgt von Leuna aus rund 1.300 Tankstellen in Ostdeutschland mit Kraftstoff. Das sind nicht nur eigene Stationen, sondern auch alle anderen großen Marken.

Vor gut einer Woche betonte Total noch: „Die Versorgung der Tankstellen wird alternativ sichergestellt.“ Das gelingt offenbar nicht vollständig. Nach Angaben von HEM-Sprecherin Merken „kommt es wegen erheblich längerer Anfahrtszeiten zu Verzögerungen“. Deshalb sei es möglich, dass an einzelnen Tankstellen bestimmte Kraftstoffsorten für kurze Zeit nicht angeboten werden können.

Logistik für die Kraftstoffversorgung bereitet Probleme

Der Mineralölwirtschaftsverband in Berlin teilte der MZ zuletzt mit, dass es im europäischen Markt ausreichend Kapazitäten zum Ausgleich des Ausfalls der Raffinerie Leuna gibt. Das jetzt zumindest einige Stationen auf dem Trockenen sitzen, liegt offenbar daran, dass die Logistik für die Kraftstoffversorgung Probleme bereitet. Warum Tankstellen von HEM offenbar besonders betroffen sind, ist zur Zeit noch unklar.

Wie lange die Raffinerie ausfällt, ist ebenso noch offen. Die Techniker und der Tüv Thüringen prüfen, wie schwer die Kolonne beschädigt ist. Parallel dazu wird nach Angaben von Total nun versucht, bestehende Anlagen so umzurüsten, dass sie die defekte Destillationskolonne ersetzen können. Eine solche „Umfunktionierung“ wurde bisher aber noch nie vorgenommen. Gelingt diese, würde die Raffinerie dennoch nur einen Teil ihrer eigentlichen Kapazität besitzen.

Der Ausfall der Raffinerie hat auch Folgen für die Chemie-Unternehmen am Standort. So beliefert Total Firmen etwa mit dem Rohstoff Methanol. Das muss künftig wohl mit Kesselwagen über die Schiene nach Leuna transportiert werden. Laut der Standortgesellschaft Infra-Leuna kommt der Bahnlogistik eine „zentrale Bedeutung zu“. (mz)