Musikalischer Wanderpfad

Musikalischer Wanderpfad: Von Orgel zu Orgel durch den Saalekreis?

Wettin-Löbejün - Wird im Saalekreis ein musikalischer „Wanderpfad“ eingerichtet?

Von Claudia Crodel

In eine Kirche gehört auch eine funktionierende Orgel. In dieser Hinsicht hat sich in der Stadt Wettin-Löbejün in letzter Zeit viel getan. „Vielleicht kann man in naher Zukunft so etwas wie einen Orgelwanderpfad ausschildern“, so die Überlegungen von Pfarrer Andreas Schuster. Zu sehen und zu hören gebe es viel.

Der in Halle aufgewachsene Orgelbauer Josef Poldrack hat etwa 2015/16 die Orgel in der Dorfkirche in Döblitz im Zuge seiner Meisterprüfung saniert. Derzeit arbeitet er an der Orgel der Brachwitzer Kirche.

Wer gegenwärtig in der Löbejüner Kirche St.Petri steht, kann von unten noch immer nur den leeren Orgelprospekt sehen. Allerdings sind zwei Bauabschnitte dort schon abgeschlossen, nur der dritte muss noch beendet werden. Zum Teil klingt das Instrument bereits wieder, das aus der Werkstatt der über vier Generationen existierenden Orgelbauer-Dynastie Rühlmann aus Zörbig stammt und seit 1901 in Löbejün steht.

„Noch diesen Sommer soll die Restaurierung abgeschlossen werden“, sagt Schuster. Er hat eine ungewöhnliche Idee für die Orgel in der Löbejüner Kirche: Vor der Sanierung gab der hallesche Marktkantor Irénée Peyrot noch ein Konzert auf dem mitgenommenen Instrument. Der offene Kanal Wettin hatte dieses Konzert aufgezeichnet. Schuster schwebt nun vor, dass Peyrot nach der Fertigstellung noch einmal die selben Stücke in Löbejün zu Gehör bringt. „Wenn der offene Kanal dann auch wieder mit Kamera und Ton dabei ist, kann man doch den Klang vorher und nachher gut vergleichen“, meint der Pfarrer. Auch eine CD- Produktion sein denkbar.

Orgelprospekt in einem schlechten Zustand

Die Löbejüner Orgel ist übrigens nicht die einzige Rühlmannorgel in der Umgebung. Vor wenigen Jahren wurde auch die Orgel in Dornitz instand gesetzt. Es ist die „opus 1“- Orgel von Wilhelm Rühlmann (also dessen erste Orgel). Gebaut wurde die Königin der Instrumente in Dornitz im Jahr 1866. Jedes Jahr, wenn von Kantor Matthias Müller zum Rühlmann-Orgelfestival geladen wird, ist das Dornitzer Kleinod mit im Programm. Diese wie auch die Orgel in der Kirche in Rothenburg hat der hallesche Orgelbaumeister Thomas Schild in Ordnung gebracht.

Auch wenn es sich nicht um ein Instrument, sondern „nur“ um einen historischen Orgelprospekt handelt, sollte man ein Vorhaben der Löbejüner Kirchengemeinde nicht außer Acht lassen: Von der Vorgängerorgel des Rühlmann-Instruments in St. Petri existiert nämlich noch der Prospekt vom Ende des 16. Jahrhunderts. 1591 war eine Orgel von David Beck in die Kirche gekommen. „Der Prospekt war ähnlich bemalt wie der Altar der Kirche“, so Schuster. Allerdings befindet sich der alte Orgelprospekt in einem schlechten Zustand. Laut Schuster koste die Restaurierung rund 150.000 Euro. Wann dieses Vorhaben umgesetzt werden kann, ist unklar. (mz)