„Lieber legal sprayen“

„Lieber legal sprayen“: Jugendliche in Lochau lernen richtigen Umgang mit der Dose

Lochau - Die Atemschutzmasken tragen die Jugendlichen in der sengenden Mittagshitze am Ortsrand von Lochau nicht nur zum Schutz vor Corona. Der Geruch von Lösungsmitteln liegt in der Luft. Er stammt aus den Dosen, die die Jugendlichen in den Händen halten und mit denen sie die Pappwände vor ihnen farbig gestalten. Die 13 Jungen und Mädchen sind Teil eines von der EnviaM gesponserten Graffitiprojekts, das die Ortschaft Lochau an Land ziehen ...

Von Robert Briest 06.08.2020, 15:30

Die Atemschutzmasken tragen die Jugendlichen in der sengenden Mittagshitze am Ortsrand von Lochau nicht nur zum Schutz vor Corona. Der Geruch von Lösungsmitteln liegt in der Luft. Er stammt aus den Dosen, die die Jugendlichen in den Händen halten und mit denen sie die Pappwände vor ihnen farbig gestalten. Die 13 Jungen und Mädchen sind Teil eines von der EnviaM gesponserten Graffitiprojekts, das die Ortschaft Lochau an Land ziehen konnte.

Graffitipräventionsprojekt verschönert Wand des Schöpfwerks 

Es sei zweigeteilt: Zum einen gibt es das Graffitipräventionsprojekt für die Jugendlichen, zum anderen wird die Wand des Schöpfwerks in Richtung Elster mit einem Bild gestaltet, erklärt Ortsbürgermeister Mathias Wild. „Da haben wir immer wieder Probleme mit Schmierereien gehabt.“

Nun soll ein Graffiti entstehen, das zeigt, wie Lochau früher aussah. Idyllischer sei es gewesen, bevor die Elster begradigt wurde, findet Wild. Das Bild solle auch darstellen, wie es aussehen könnte, wenn die Elster wieder naturnäher gestaltet wird. „Sie fließt jetzt zu tief und an uns und den Auen vorbei“, bedauert der Ortsbürgermeister.

Statt „Schriftzug zu ballern, sondern ein richtiges Bild zu malen"

Doch eine Änderung ist an diesem Samstagmittag ebenso Zukunftsmusik wie das Wandbild. Ralf Hecht von der Altenburger „Farbküche“ kümmert sich zuerst um die Jugendlichen und ihr Graffitipräventionsprojekt. Was unweigerlich zur Frage führt: Verhindert es illegale Graffiti, wenn man dem Nachwuchs die Technik beibringt? Hecht sieht da keinen Widerspruch. Am Vormittag habe er mit den Jugendlichen zunächst ein zweistündiges Seminar durchgeführt.

Dabei sei es auch um mögliche Konsequenzen illegaler Graffiti gegangen. „Man wird nicht alle davon abhalten können, rauszugehen. Ab einem gewissen Alter gibt es bei einigen ja doch das Bedürfnis, etwas anzustellen. Aber vielleicht überlegen sie, wenn sie schon rausgehen, nicht nur einen Schriftzug zu ballern, sondern ein richtiges Bild zu malen“, sagt Hecht. Auf alle Fälle würden die Jugendlichen durch den Workshop handwerklich besser.

Jugendliche in Lochau lernen „lieber legal als illegal zu sprühen“

Dafür gibt der Altenburger ihnen Tipps. Die elfjährige Josephine sprayt gerade Blau auf Rosa „BFF“ auf ihre Pappe. „Best Friends forever“ (Für immer beste Freundinnen). Es sei das erste Mal, dass sie Graffiti male, sagt sie: „Ich habe aber zu Hause schon Fahrräder mit Sprühlack besprüht. Das ist ähnlich.“ Dennoch sei es jetzt schwierig, die Farbe an die richtige Stelle zu bekommen. „Mit der Zeit wird es aber besser“, berichtet Josephine.

Dann weist Hecht sie darauf hin, dass ihre Buchstaben noch nicht auf einer Linie stehen: „Da verlängerst du einfach das F.“ Die Elfjährige setzt die Dose wieder an. Ob sie jetzt öfter etwas sprühen will? Vielleicht, aber das wisse sie noch nicht: „Wir haben heute aber gelernt, dass man lieber legal als illegal sprühen soll.“ (mz)