Inspirierende Kaktuszelle

Inspirierende Kaktuszelle: Schüler machen aus Mikroskop-Bildern wahre Kunswerke

Wettin - Erstmals arbeiteten Schüler aus dem Kunstzweig mit dem Bürgerforschungsschiff „Make science“ zusammen.

Von Claudia Crodel 09.10.2020, 12:46

Wenn das Bürgerforschungsschiff „Make science“ aus Halle Gäste empfängt, dann geht es vor allem ums Forschen, Tüfteln und Experimentieren, um versteckte Wunder der heimischen Gewässer, sie unter die Lupe beziehungsweise unters Mikroskop zu nehmen. Dass das besondere Forschungslabor in dieser Woche in Wettin anlegte, um vorwiegend für die Projektwoche des Kunstzweiges des Burggymnasiums vor Ort zusein, ist etwas Besonderes.

„Es ist das erste Mal, dass wir als Kunstzweig mit dem Forschungsschiff zusammenarbeiten und damit Naturwissenschaft und Kunst miteinander verbinden“, erklärt Lehrerin Kerstin Schattling. Die Schüler der Kunstklassen haben sich für eine Woche in Projektgruppen aufgeteilt und arbeiten an unterschiedlichen Aufgaben, eine davon werde im Bürgerforschungsschiff durchgeführt. Neun Schülerinnen wählten dieses Projekt aus, nahmen Wasserproben aus der Saale und legten sie unters Mikroskop. Was sie dort sahen, haben sie zum Teil fotografiert, zum Teil aber auch skizziert. Dann entstanden im Naturstudium realitätsgetreue Zeichnungen von den Zellen und Strukturen.

Von den Zeichnungen ausgehend, lassen sich Schüler zu Kunstwerken inspirieren

Doch damit nicht genug: Von den Zeichnungen ausgehend, ließen sich die Schülerinnen zu Kunstwerken inspirieren und setzten eine individuelle Bildidee um. Ganz leise war es auf dem ehemaligen Ausflugsschiff. Konzentriert saßen die Schülerinnen an Tischen oder Staffeleien und waren in ihre Arbeit vertieft. Neuntklässlerin Kimberly Herzog, die seit diesem Schuljahr den Kunstzweig besucht, zeichnete einen Frosch, der an einem Baumstamm emporklettert.

„Ich habe noch nie Frösche gemalt, aber die Struktur einer Kaktuszelle unterm Mikroskop hat mich interessiert und darauf gebracht, diese Struktur auf einen Frosch anzuwenden“, erläutert sie. Sie habe dann einfach drauflos gezeichnet. Nach einer Vorzeichnung in dünnen Bleistiftlinien, nahm sie Pastellkreide und machte daraus eine farbenfrohe Zeichnung.

„Diese Technik verwende ich gern, da kommt man schnell zu einem Ergebnis“

„Diese Technik verwende ich gern, da kommt man schnell zu einem Ergebnis“, so die Schülerin, die bereits seit der fünften Klasse das Burggymnasium besucht. Für den Kunstzweig, der über vier Jahre von der neunten Klasse bis zum Abitur geht, habe sie sich jedoch erst im vergangenen Schuljahr entschieden.

Emma Kilian dagegen legt im kommenden Sommer das Abitur ab und kann auf eine lange Kunstzweigerfahrung blicken. „Ich will zwar nach der Schule wahrscheinlich eher in Richtung Naturwissenschaften gehen, aber die Kreativität und dass man Dinge anders sehen kann, wie wir es hier im erweiterten Kunstunterricht gemacht haben, ist ja für viele Sachen nützlich“, meint sie. In ihrer brachte sie Mundwerkzeuge einer Biene mit ölbasierten Buntstiften auf schwarzen Karton auf.

„Ich fand die Strukturen der Mundwerkzeuge der Biene sehr interessant"

Vorbild dafür sei allerdings kein Frischpräparat gewesen. Neben den selbst gefertigten Präparaten aus dem Saalewasser standen auch Fertigpräparate des Forschungsschiffes für die Schüler zur Verfügung. „Ich fand die Strukturen der Mundwerkzeuge der Biene sehr interessant, die Formen mit den Stacheln“, sagt Emma Kilian.

Das Burggymnasium nimmt auch zum Schuljahr 2021/22 wieder Kunstschüler in die neunte Klasse auf. Im Februar finden die Eignungstests statt. „Sonst haben wir vor der Eignungsprüfung immer einen Tag der offenen Tür veranstaltet, wo sich die künftigen Kunstschüler in den Ateliers umsehen und mit Lehrern und älteren Kunstschülern ins Gespräch kommen konnten“, sagt Kerstin Schattling. In diesem Schuljahr werde es wohl ein virtueller Tag der offenen Tür. Für die Eignungsprüfung könne man sich jedoch schon jetzt anmelden, so die Lehrerin.

››Weitere Infos sind unter www.burg-gymnasiumwettin.de zu finden. (mz)