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"Haben nicht nachgelassen" "Haben nicht nachgelassen": Wie geht es weiter auf den Kegel-Bahnen in Sachsen-Anhalt?

24.05.2018, 10:08
Die besten Teams im DKBC-Pokal 2017/18 kommen mit dem Sieger Rot-Weiß Zerbst (rot) und dem Zweiten Geiseltal Mücheln aus Sachsen-Anhalt.
Die besten Teams im DKBC-Pokal 2017/18 kommen mit dem Sieger Rot-Weiß Zerbst (rot) und dem Zweiten Geiseltal Mücheln aus Sachsen-Anhalt. verein

Halle (Saale) - Noch stehen für die Keglerinnen und Kegler in Sachsen-Anhalt diverse Teilnahmen bei Deutschen Meisterschaften auf dem Programm. Die Punktspielsaison ist für die Vereine auf Bundes-, Landes- und Kreisebene dagegen schon seit einige Wochen beendet. Wolfram Beck ist mit der abgelaufenen Saison, vor allem den Erfolgen der Männer, sehr zufrieden. Im Gespräch mit Thomas Schaarschmidt blickt der Präsident des Landesverbandes auf mögliche neue Wettkampfformen und Regeländerungen.

Die Punktspiel-Saison 2017/18 ist vorüber. War es eine gute für den Kegelsport in Sachsen-Anhalt?
Beck: Die Punktspielsaison 2017/2018 war eine gute für den Kegelsport in Sachsen-Anhalt. Der SKV Rot-Weiß Zerbst wurde zum 13. Mal in Folge Deutscher Meister bei den Männern in der Spielart Classic. Diese Konstanz ist das Ergebnis einer äußerst professionellen Arbeit in Zerbst. Dazu kommt der Gewinn des Weltpokals und der zweite Platz in der Champions-League. Und im Pokal, bei uns heißt das „Final Four“, kommen mit den Zerbster Keglern sowie den Keglern von Geiseltal Mücheln Pokalsieger und Vizepokalsieger aus unserem Landesverband.

Die Müchelner Kegler sind außerdem Sieger in ihrer Staffel der 2. Bundesliga geworden und haben erst in der Relegation den Aufstieg in das Oberhaus verpasst. Dafür starten sie in der kommenden Saison international beim NBC-Pokal. Bei den Frauen lief es in der ersten Saison in der 1. Bundesliga für den VfB Sangerhausen nicht optimal. Sie sind nach einer durchwachsenen Saison gleich wieder abgestiegen. Aber die Frauen um Mannschaftsleiterin Andrea Predatsch wollen nach Möglichkeit gleich wieder um den Aufstieg mitkämpfen. Im Bohle-Kegeln, der zweiten von drei in Sachsen-Anhalt gespielten Bahnarten, sind die sachsen-anhaltinischen Mannschaften im Mittelfeld der zweiten Bundesligen vertreten. Ähnlich ist es beim Bowling.

Es gibt wieder Absteiger aus den Bundes- in die Verbandsligen, umgekehrt aber nicht. Hat das Kegeln in Sachsen-Anhalt sportlich nachgelassen im Vergleich mit der Konkurrenz?
Beck: Hier stimmen die Aussagen in der Frage nur zum Teil. Richtig ist: Wir haben sportliche Absteiger aus den Bundesligen, bei den Frauen sind das die Keglerinnen des Holzweißiger SV und bei den Männern die Kegler von SV Grün-Weiß Langendorf.

Es steigt aber nach der erfolgreich absolvierten Relegation die Männermannschaft von Union Schönebeck auf. Bei den Frauen haben die Leitzkauer Keglerinnen den vermeintlichen Heimvorteil in Schönebeck leider nicht nutzen können. Ich bin aber nicht der Meinung, dass das Kegeln in Sachsen-Anhalt sportlich nachgelassen hat.

Immer wieder heißt es, Sportarten müssten sich attraktiver gestalten, um neue Interessenten für sich zu gewinnen. Wie könnte dies im Kegeln gelingen? Wie kann man Kinder und Jugendliche zukünftig von diesem Sport begeistern?
Beck: Eine große Entscheidung für den Kegelsport Classic war die Einführung der 120-Wurf-Wettkämpfe mit Punktwertung. Hier wird nach 30 Wurf eine Art „Zwischenauswertung“ in Form eines Satzpunktes gegeben. So dauert ein Satz effektiv cirka zwölf Minuten. Dann beginnt der nächste Satz nach Bahnwechsel.

Die Dauer eines Wettkampfes beträgt heute cirka drei Stunden. Früher standen die gleichen Akteure bei 200-Wurf - physisch durchaus sehr anstrengend - 80 Minuten auf der Bahn (4x20 Minuten). Es wurde nach dem Gesamtkegelergebnis ausgewertet. Das war äußerst langatmig. Ein Wettkampf ging da schon mal über fünf Stunden. Der jetzige Modus ist auch für Kinder und Jugendliche interessanter, da durch das Ende eines Satzes nach zwölf Minuten ein Ergebnis, welches im nächsten Satz bestätigt oder korrigiert werden kann, vorhanden ist.

Wären neue Wettbewerbe oder Wettkampfformen ein Mittel?
Beck: Es wurden in den letzten Jahren auch neue Wettkampfformen ins Leben gerufen, um die Attraktivität zu erhöhen. Meisterschaften, als Sprint oder Tandem sind da ein Beispiel. Auch hier werden Welt- und Deutsche Meister ermittelt. Die weitere Entwicklung attraktiver Wettkampfformen wird derzeit vom NBC bei Tagungen während der Weltmeisterschaft in Cluj (Rumänien) beraten.

Was halten Sie von der Idee, im Spielbetrieb des Landes hauptsächlich bei den Frauen und Senioren die Mannschaftsstärke auf Vierer-Teams zu reduzieren? Einige Teams wollen oder können ja aufgrund der geltenden Sechser-Team-Stärke nicht aufsteigen?
Beck: Diese Idee wird in der Sektion Classic jedes Jahr aufs neue diskutiert. Ich stehe der Diskussion und Entscheidung ergebnisoffen gegenüber und habe sie zumindest für die Kreisklassen als Kreissportwart selbst vorgeschlagen. Wenn diesem Mannschaftsmodell jedoch in der Landes- und Verbandsliga stattgegeben werden sollte, dann bedeutet das auch, dass es unter Umständen keine Aufsteiger in die Bundesebene mehr geben könnte.

Ist es vorstellbar, die Seniorenklasse vielleicht abzuschaffen und sie stattdessen gemeinsam bei den Aktiven starten zu lassen? Würde das nicht das Niveau erhöhen?
Beck: An diesem Wunsch scheiden sich die Geister. Auch dieses Gedankenspiel entscheiden wir jedes Jahr aufs Neue. Derzeit scheitert es am Wunsch der Senioren auf einen eigenen Spielbetrieb. Ob es zu einer Niveauerhöhung kommt, das ist vom spielerischen und gesundheitlichen Potenzial der Senioren abhängig. Schon heute spielen aber viele Senioren und Seniorinnen in Männer- und Frauen-Mannschaften.

Was ist ihr größer Zukunftswunsch für das Kegeln in Sachsen-Anhalt?
Beck: Der größte Wunsch ist derzeit, dass der Instandhaltungsstau bei den Bahnanlagen deutlich abgebaut wird und somit attraktive Anlagen entstehen, die dem Leistungssportgedanken entsprechen und auch dem geselligen Kegeln Heimstatt sein können. Es gibt aber noch einen zweiten Wunsch, der genauso groß ist. Es gab in Halle bis zum Jahr 2006 ein Landesleistungszentrum auf einer Acht-Bahnen-Anlagen (Kegelparadies). Im Moment gibt es leider keine echte Vier-Bahnen-Anlage. Hier verliert das Kegeln aus Mangel an attraktiven Sportstätten bei der Gewinnung von Neumitgliedern.

Im Juni stehen auch die Deutschen Meister fest

Die Kegelsaison endet in jedem Jahr mit den Deutschen Meisterschaften. Da stehen im Juni noch drei verschiedene Titelkämpfe an.

Am ersten Juniwochenende werden in Markranstädt die Vereinsmannschaftsmeister bei den Senioren ermittelt. Für Sachsen-Anhalt gehen bei den Senioren A die Auswahlteams aus dem Burgenland, Mansfeld-Südharz und dem Saalekreis, bei den Senioren B aus Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg sowie Mansfeld-Südharz bei den Seniorinnen an den Start.

Die Einzelmeisterschaften in den Altersklassen der Senioren A, Senioren B, Senioren C sowie der Seniorinnen findet in diesem Jahr vom 22.-24. Juni in Öhringen (Baden-Württemberg) statt.

In Ludwigshafen-Oggersheim werden am 9./10. Juni die Deutschen Meister im Einzel bei den Damen und Herren sowie im Nachwuchs der Altersklasse U23 ermittelt. Am 16./17. Juni werden in München die Titelkämpfe im Sprint, Tandem und Mix bei den Damen, Herren und der U23 ausgetragen. (mz)