Flüchtlinge im Saalekreis

Flüchtlinge in Mücheln: „Das Wichtigste ist Deutschlernen“

Mücheln - Bei der ASG Mücheln arbeiten Flüchtlinge als Hilfskräfte, um später auf dem Abreitsmarkt Fuß zu fassen. Die Integration läuft laut der Chefin gut.

Von Robert Briest

Wenn Susanne Herfurth an die Inder denkt, kommt sie ins Schwärmen: „Sie sind toll, alle fleißig. Deshalb haben wir sie auch alle übernommen.“ Übernommen bedeutet in diesem Fall, dass die indischen Asylbewerber ab Oktober in der Flüchtlingsintegrationsmaßnahme der ASG Mücheln, deren Geschäftsführerin Herfurth ist, weitermachen dürfen.

Die ASG organisiert eigentlich Ein-Euro-Jobs für Leistungsempfänger des Jobcenters. Seit Frühjahr läuft nun auch die erste Maßnahme für 15 Flüchtlinge. Sie kümmern sich etwa um Landschafts- und Grünpflege in den Kommunen oder arbeiten in der Holzwerkstatt in Merseburg. So sollen sie auf den ersten Arbeitsmarkt vorbereitet werden.

Flüchtlinge bei der ASG Mücheln: Integration funktioniert laut der Geschäftsführerin gut

Zum baldigen Ende des ersten Kurses zieht Herfurth nun ein positives Fazit. „Man sieht, dass Integration funktioniert. Man hat halt etwas mehr Aufwand, muss mehr erklären. Doch wenn die Leute verstehen wollen, dann klappt das auch.“ Ohnehin hält die Geschäftsführerin die Kommunikation für das A und O einer gelungenen Integration, deswegen habe sie die Flüchtlinge teilweise in den Maßnahmen auch mit deutschen Ein-Euro-Jobbern gemischt.

Damit die Migranten bei ihr für einen Euro die Stunde arbeiten dürfen, müssen sie neben Motivation bestimmte rechtliche Voraussetzungen erfüllen. Ein passender Aufenthaltsstatus ist dabei ein wichtiger Faktor, der zu einer gewissen Fluktuation führt. „Wenn jemand nur noch eine Duldung hat, muss er leider gehen“, erklärt Herfurth. Zudem haben Sprachkurse und andere berufliche Maßnahmen Vorrang - und natürlich ein echter Job. Den hätten immerhin zwei der 15 Teilnehmer des ersten Kurses schon gefunden.

Flüchtlinge im Saalekreis: Ohne Führungszeugnis haben sie als Hilfskräfte in Kitas keine Chance

Im Oktober beginnt nun die Neuauflage der Maßnahme. Statt in Einzelgesprächen hat Herfurth die 30 Teilnehmer diesmal nach zwei Gruppenterminen in Merseburg ausgewählt. „Überrascht hat mich dabei, dass wir fast ein Drittel Frauenanteil haben.“ Ganz reibungslos läuft deren künftiger Einsatz jedoch nicht. Weil es für Ausländer, noch dazu Geflüchtete, schwierig ist, ein Führungszeugnis zu bekommen, könnten sie nicht als Hilfskräfte in Kitas und Horten eingesetzt werden, obgleich der Bedarf da wäre, sagt Herfurth.

Sie beklagt zudem, dass sich Bad Dürrenberg geweigert hätte, zwei dort lebende Frauen zu beschäftigen, weil sie kein Deutsch konnten. Der genaue Sachverhalt war Bürgermeister Christoph Schulze (CDU) auf Anfrage nicht bekannt. Er betonte aber: „Voraussetzung für jegliche Beschäftigung ist die deutsche Sprache.“ Man könne den Mitarbeitern nicht zumuten, Englisch oder Arabisch zu sprechen. (mz)