Geld

Reichtum in der DDR: Gab es zu Ostzeiten Millionäre?

In der sozialistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsform der DDR waren zumindest offiziell alle Menschen gleich - auch beim Verdienst. Im kapitalistischen Westdeutschland wurde dagegen auch privater Reichtum angehäuft. Doch gab es das auch im Osten?

Von Elisa Schulz und Alexander Wermter Aktualisiert: 05.07.2022, 13:21
Reichtum in der DDR anzuhäufen war schwierig.
Reichtum in der DDR anzuhäufen war schwierig. Foto: Johan/IMAGO/Panthermedia

Magdeburg/DUR - Mit seiner Arbeit reich oder gar Millionär werden. Diesen Traum leben viele Menschen. Als Deutschland noch aus zwei getrennten Staaten bestand, war dies für die Bewohner der Bundesrepublik Deutschland mit der sozialen Marktwirtschaft die Realität. In der sozialistischen DDR hingegen war es schier unmöglich Reichtum anzuhäufen oder gar Millionär zu werden. Oder ist dies ein Irrtum?

Forschung zu DDR-Millionären gestaltet sich schwierig

Wie viele Millionäre es in der DDR genau gab, ist nicht einfach zu beantworten. "Die Forschung zu Millionären in der DDR steht vor großen Schwierigkeiten", sagt der Historiker Jens Gieseke vom Leibnitz-Zentrum für Zeithistorische Forschung. Laut Gieseke gibt es verschiedene Gründe, die keine eindeutigen Zahlen möglich machen. Beispielsweise wurde Westgeld eher in den heimischen vier Wänden versteckt, als dass es auf ein Sparkonto gebracht wurde. Dennoch gibt es ein paar Orientierungspunkte: "Bei der Währungsumstellung 1990 zählte die Bundesbank eine zweistellige Zahl von Personen, die mehr als eine Million DDR-Mark auf dem Konto hatten, also weniger als Hundert", so Gieseke.

Millionäre in der DDR: Politiker und Künstler konnten als reich bezeichnet werden

Reichtum in der DDR anzuhäufen, war kompliziert, da die Einkommens- und Vermögensverteilung ziemlich ähnlich war, erklärt der Wirtschaftsexperte Joachim Ragnitz gegenüber dem MDR.

Zwar war die Sparquote in der DDR recht hoch, schon weil es im real existierenden Sozialismus vergleichsweise wenige Möglichkeiten gab, sein Geld auszugeben. Allerdings waren die Einkommen niedrig und Luxusgüter wie der begehrte Trabi teuer. So wurden die meisten DDR-Bürger nicht wirklich reich.

Trotzdem schafften es einzelne Personen, zu den Handvoll wirklich reichen zu gehören. "Das waren zum einen Leute, die private Unternehmen hatten, und zum anderen die, die im politischen Prozess begünstigt waren", so Ragnitz.

DDR-Politiker und private Handwerker, Künstler, Sportler oder Schriftsteller schafften es, einen gewissen Reichtum anzuhäufen, so Gieseke. Das private Vermögen auch auszugeben, war in der DDR allerdings begrenzt, da es "selbst so etwas wie Gourmetrestaurants so gut wie gar nicht gab", sagt Gieseke gegenüber Deutschlandfunk. Stattdessen galten Miele-Geschirrspüler und Meißner Porzellan als Statussymbole der 1980er-Jahre im Osten.

Millionäre in der DDR: Künstler und Handwerker kamen an West-Geld

Auch Künstler zählten in der DDR zu den Privilegierten, die es schaffen konnten, Geld anzuhäufen. Zumindest dann, wenn sie auch im westen bekannt waren und somit an D-Mark kamen. DDR-Künstler, die einen internationalen Bekanntheitsgrad erreichten, brachten dem Staat Devisen „und profitierten davon im Gegenzug mit einigen Annehmlichkeiten“, erklärt Gieseke.

Handwerker fanden einen Weg, trotz strengen Steuerrecht Geld anzuhäufen: Sie ließen sich ihre Dienstleitungen gut bezahlen. „vorzugsweise in Forum-Schecks und 'blauen Kacheln', also Westgeld“, so Gieseke.

Millionäre in der DDR: Unter den reichsten Deutschen kaum Ostdeutsche vertreten

2020 stand auf der Liste der reichsten Deutschen vom manager-magazin unter den 500 größten Vermögenden kaum ein Ostdeutscher.

Als vermutlich einziger Milliardär mit DDR-Biografie darf Roland Slabke gelten, berichtet das manager-magazin. Der Großaktionär seiner Fintech-Holding-Hypoport liegt mit 1,1 Milliarden Euro Vermögen auf Rang 110 der reisten Deutschen. Die Thüringer Stephan Schambach und der Mecklenburger Holger Loclair sind mit jeweils rund 350 Millionen Euro auf Rang 463.