1. MZ.de
  2. >
  3. Mitteldeutschland
  4. >
  5. MZ-Leser zu den neuen Auswahlkriterien der Polizei: MZ-Leser zu den neuen Auswahlkriterien der Polizei: "Noten sagen nichts über einen Menschen aus"

MZ-Leser zu den neuen Auswahlkriterien der Polizei MZ-Leser zu den neuen Auswahlkriterien der Polizei: "Noten sagen nichts über einen Menschen aus"

Von Susann Lehmann 15.09.2014, 09:39
Ein Polizist in Uniform steht vor dem Schild des Landtages von Sachsen-Anhalt in Magdeburg.
Ein Polizist in Uniform steht vor dem Schild des Landtages von Sachsen-Anhalt in Magdeburg. dpa/Symbol Lizenz

Halle (Saale) - Angesichts sinkender Bewerberzahlen können auch Schüler mit schlechten Zeugnissen künftig Karriere bei der Polizei in Sachsen-Anhalt machen. Schulnoten spielten bei der Vorauswahl der Bewerber keine Rolle mehr. Über dieses Thema haben auch die MZ-Leser rege diskutiert. Über 100 Kommentare gab es auf der Facebook-Seite der Mitteldeutschen Zeitung zum Thema. Und die Mehrzahl der Leser ist sich sicher: "Noten sagen nichts über einen Menschen aus."

"Warum bitte sollte man es nicht ausprobieren ? Ich bin der Meinung, trotz schlechterer Noten kann der Bewerber in der Praxis ein guter Polizist sein. Ich habe das in meinen Beruf (Krankenschwester) sehr oft erlebt, dass manche mit sehr guten bzw. guten Noten sich im Beruf als fehl entpuppten", schreibt eine Leserin. "Wenn sie ihr Job ernst nehmen, dann ist mir egal, was sie für Noten haben. Schließlich zählt die Praxis und nicht die Theorie", stimmt eine andere Facebook-Nutzerin zu.

Eine andere Leserin fügt hinzu: "Ich finde es gut, denn wie viele Jugendlichen haben gerade in der Pubertät kein Bock auf Schule und müssen dann bei der Jobsuche merken, dass nur das Zeugnis zählt, obwohl sie eigentlich mehr auf dem Kasten haben?!"

Grund für die Änderung bei den Bewerbungskriterien sind die rückläufigen Bewerberzahlen. Gab es zum September 2009 noch mehr als 2000 Bewerber für die Laufbahngruppe 2 (ehemals gehobener Dienst) bei der Fachhochschule Polizei in Aschersleben, waren es zuletzt mit 965 nicht mal halb so viele.

Lieber auf andere Kompetenzen achten

Viele der Leser sind sich auch einig, dass statt auf die Noten lieber aus andere Kriterien wie beispielsweise Motivation oder Sozialkompetenz geachtet werden sollte. Dazu schreibt ein Leser, der sich selbst schon bei der Polizei beworben hat:

"Dass man mit schlechteren Noten nicht zu Polizei sollte, finde ich Schwachsinn. Ein Bewerber der dorthin möchte, sollte auf Motivation und Willen geprüft werden. Die Noten in der Schule sind nebensächlich, da man dort eigentlich nie motiviert hingegangen ist. Das betrifft unsere ältere Generation sowie die neue. Ich bin der Meinung, man sollte jeden Bewerber eine Chance geben, wenn er geistig auf der Höhe ist und eine Probezeit von drei bis sechs Monaten erfolgreich absolviert. Merkt man nach der Zeit das es kein Sinn macht, kann man sich im Guten trennen. Theorie und Praxis sind zwei verschiedene Dinge. Ein Bewerber mit schlechteren Noten hat mehr Motivation was zu erreichen als einer der bessere Noten hat. Ich kann da aus Erfahrung sprechen. Ich selbst habe mich auch zwei Mal bei der Polizei beworben und wurde abgelehnt, nur weil ich damals in Deutsch eine Drei auf dem Zeugnis hatte."

<div id="fb-root"></div> <script>(function(d, s, id) { var js, fjs = d.getElementsByTagName(s)[0]; if (d.getElementById(id)) return; js = d.createElement(s); js.id = id; js.src = "//connect.facebook.net/de_DE/all.js#xfbml=1"; fjs.parentNode.insertBefore(js, fjs); }(document, 'script', 'facebook-jssdk'));</script>
<div class="fb-post" data-href="https://www.facebook.com/mzwebde/posts/10152743709597608" data-width="466"><div class="fb-xfbml-parse-ignore"><a href="https://www.facebook.com/mzwebde/posts/10152743709597608">Beitrag</a> von <a href="https://www.facebook.com/mzwebde">Mitteldeutsche Zeitung</a>.</div></div>

"Nicht jeder Schüler, der in der Schule super Leistungen erzielt, zeigt sich in der Praxis für den gewählten Beruf als geeignet. Man sollte für jeden Beruf einen Einstellungstest machen, der auch mit dem Beruf zu tun hat. Nur so kann man herausfinden, ob der Bewerber geeignet ist oder nicht. Noten sagen nichts über den Menschen und seine praktischen Fähigkeiten aus", so eine Leserin. Eine andere Facebook-Nutzerin schlägt einen Test auf die soziale Eignung vor: "Ein Test auf soziale / kommunikative Eignung erschiene mir wichtiger als die Schulnoten. Plus die entsprechende Aus- und Weiterbildung! Ich persönlich hatte schon mit äußerst netten und hilfsbereiten Polizisten zu tun, aber auch mit solchen, die ihren persönlichen Frust (total unprofessionell) an Bürgern auslassen wollten."

Welche Argumente die Leser haben, die gegen die Neuerung sind, lesen Sie auf Seite 2.

"Es ist ein zweischneidiges Schwert. Klar können Schulnoten nicht immer den tatsächlichen Eignungsgrad eines Menschen für gerade den einen Beruf darlegen - aber Mal ehrlich, die wenigsten, die wegen Faulheit und Null- Bock schlechte Zensuren bekommen, verwandeln sich später in fleißige Bürger. Und dann zur Polizei? Vielleicht wäre ja so ein Probehalbjahr der richtige Weg. Dann müssten die Ausbilder einschätzen, ob der Bewerber Sozialkompetenz u.a. besitzt", gibt ein Leser zu bedenken.

"Bildung ist das A und O"

Andere sind sich einige, dass dies nicht der richtige Weg sein kann: "Bildung ist für viele Jobs das A und O und für einen Dienst in der öffentlichen Sicherheit auf alle Fälle. Sicherlich kann ein guter Realschüler geeigneter sein als ein mittelmäßiger oder schlechter Abiturient. Softskills sind wichtiger als Noten. Aber ganz außer Acht sollte man schulische Leistungen nicht lassen." Ein Leser befürchtet: "Es wurden schon die Bewertungskriterien der Schulnoten gesenkt. Eines Tages wird es soweit sein, dass die Abgänger nicht mal ein Abschlusszeugnis brauchen werden, um sich für einen Job zu bewerben."

Es gibt auch Leser, die das Problem der rückläufigen Bewerberzahlen an ganz anderer Stelle vermuten:

"Vielleich wäre es ja besser statt der Schulnoten die sportlichen Leistungsanforderungen zu reduzieren. Da werden ja fast schon Spitzensportler erwartet. Nach ein paar Jahren sind die meisten Polizisten eh nicht mehr so fit wie am Anfang." Ein weiterer Facebook-Nutzer kritisiert die Altersgrenze: "Die sollten wohl ja mal die Altersgrenze hinauf setzen, wenn ich mit 25 schon "zu alt" bin, um mich bei der Polizei zu bewerben!"

Ein Leser wundert sich: "Es ist erstaunlich, dass es überhaupt noch Leute gibt, die unter diesen Umständen in Sachsen- Anhalt, Polizeibeamter werden wollen." (mz)

Das Dienstwappen der Polizei von Sachsen-Anhalt
Das Dienstwappen der Polizei von Sachsen-Anhalt
dpa/Archiv Lizenz