Medien Medien: Halle-TV auf dem Handy
Halle/MZ. - Emsiges Treiben herrscht derzeit in den Technik-Räumen der Medienanstalt Sachsen-Anhalt (MSA) in Halle. Ein Projekt der besonderen Art befindet sich hier in der Erprobungsphase. Sie hätten sich gefragt: Wie lassen sich Daten und bewegte Bilder aus der Region auf mobilen Endgeräten wie den neuartigen Mini-Computern sichtbar machen?, sagt Michael Richter, Rundfunkexperte bei der MSA. "Und zwar kostenlos und nicht wie beim Handy-Standard UMTS gegen Gebühr."
Gemeinsam testen
Gemeinsam mit dem lokalen Fernseh-Anbieter TV Halle wurde das Versuchsprojekt gestartet. Das Ergebnis: Das Programm von TV Halle lässt sich ohne Fernseh-Karte, ohne DSL- oder Kabelanschluss am Handy oder Computer verfolgen. Zwar ist die Auflösung der gesendeten Bilder derzeit mit 320 mal 240 Bildpunkten noch mäßig, auch ruckelt es bei schnellen Bewegungen auf dem Display schon mal, aber deutlich sind beide Ansager und das Sender-Logo zu erkennen.
Möglich macht dies die so genannte DMB (Digital Multimedia Broadcasting)-Technologie, eine Weiterentwicklung des Hörfunkstandards DAB (Digital Audio Broadcasting). Für den "Feinschmecker": Mit einer Datenübertragungsrate von 384 Kilobit pro Sekunde (im digitalen Hörfunk reichen bereits 192 Kilobit) werden bewegte Bilder, Texte und Töne an das jeweilige Empfangsgerät versandt. Ein Manko noch: Bisher sind nur die Handys der koreanischen Firmen Samsung und LG, die jetzt neu produziert werden, in der Lage, diese TV-Bilder sichtbar zu machen. Doch das wird sich im digitalen Zeitalter sehr rasch ändern. Ausgestrahlt werden die digitalen DMB-Signale von zwei Sendemasten auf dem Petersberg und von einem Hochhaus in der Innenstadt Halles.
Ein Kanal des so genannten L-Bandes im Digital-Radio steht zur Verfügung. Hier senden bereits das Truckerradio, Radio Brocken und Nova-Radio München auf einem der sechs Kanäle. Ein vierter Hörfunkkanal wartet auf die Lizenz, ein weiterer soll für Datendienste der Halleschen Verkehrsbetriebe (Fahrpläne, Bauarbeiten, Verkehrsstörungen) reserviert werden. Die Gespräche laufen noch.
Das DMB-Programm ist kostengünstiger als Mobilfunk und in Halle und im Saalkreis empfangbar. Magdeburg plant ein ähnliches Regional-Projekt. "In anderen Bundesländern bastelt man an gleichen Dingen. Wir sind aber die Schnellsten", freut sich Richter. Auf dem Mitteldeutschen Medientreff Anfang Mai in Leipzig soll das Vorhaben einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden.
"Natürlich ist der neue Übertragungsweg für uns von Interesse, ohnehin wird das Handy ja immer mehr zu einer Multimedia-Maschine", beschreibt Ralf Schietrumpf von TV Halle das Mitwirken seines Senders an dem Projekt. "Er ist eine weitere Möglichkeit, unser Programm an den Zuschauer zu bringen. Außerdem bietet er für Werbekunden eine attraktive Plattform und könnte so mit zur Refinanzierung des Programms beitragen: "Wir wollen ja auch keine neuen Trends verpassen."
Zielpunkt 2006
Geht es nach den Hallensern, so wird der Übertragungsweg schon bei der Fußball-WM 2006 zum Einsatz kommen. In Zusammenarbeit mit Sachsen und Bayern will man verschiedene Datendienste wie Spiel-Ergebnisse, Verkehrsinformationen, Hotelkapazitäten oder Werbung für hiesige Sehenswürdigkeiten oder regionale Firmen via Handy verbreiten. So könnten beispielsweise etwa Journalisten mit Zusatzinfos versorgt werden.