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Tierpfleger aus dem ZOo leipzigWie Jörg Gräser und seine Frau einem kleinen Igel das Leben gerettet haben

Der Tierpfleger Jörg Gräser aus dem Leipziger Zoo und seine Frau Steffi haben einen kleinen, untergewichtigen Igel aufgepäppelt. Jetzt hält er seinen Winterschlaf im Garten der Gräsers in Taucha. Der Igel ist nicht das erste Tier, das das Paar gerettet hat.

Von DUR/rw Aktualisiert: 30.01.2024, 15:05
Jörg Gräser und seine Frau Steffi haben einen untergewichtigen Igel gerettet.
Jörg Gräser und seine Frau Steffi haben einen untergewichtigen Igel gerettet. Foto: Screenshot/facebook.com/basteljoerg

Taucha. - Alles fing mit einem Facebook-Beitrag an, den Steffi Gräser Anfang Dezember 2023 in ihrem Feed gelesen hat. "Eine Frau aus Taucha bat um Hilfe, weil sie einen kleinen Igel vor ihrer Haustür gefunden hatte", erzählt die 53-Jährige am Telefon. Der Igel war unterernährt und konnte deshalb nicht in den Winterschlaf gehen.

"Die Frau hatte sich zu diesem Zeitpunkt aber schon um einige Igel gekümmert und benötigte Unterstützung", sagt Steffi Gräser. "Also sind wir zu ihr hingefahren und haben den Igel abgeholt."

Tierpfleger Jörg Gräser und seine Frau päppeln untergewichtigen Igel auf

Mit "wir" meint Steffi Gräser ihren Mann und sich. Jörg Gräser, Tierpfleger im Zoo Leipzig, hat seit seinem Ausstieg bei "Elefant, Tiger und Co." eine große Fangemeinde in den sozialen Medien. Seinen Youtube-Kanal "Jörg Gräser bastelt wieder“ haben mehr als 6.400 Menschen abonniert, auf Instagram folgen ihm 15.300 Fans, auf Facebook 9.400.

"Meine Frau ist auch so ein tierlieber Mensch wie ich", sagt Jörg Gräser, 55, ebenfalls am Telefon. Die beiden haben zwei Erdmännchen, Cora und Sally. Die Tiere leben in ihrem Garten in Taucha, einer Kleinstadt nordöstlich von Leipzig.

Meine Frau ist auch so ein tierlieber Mensch wie ich.

Jörg Gräser

Für Steffi und Jörg Gräser war es selbstverständlich, den Igel aufzunehmen. "Der Igel hatte viel zu wenig Fettreserven für den Winterschlaf", sagt Steffi Gräser. "Hätten wir uns nicht um ihn gekümmert, wäre er entweder in den Winterschlaf gefallen und nicht mehr aufgewacht - oder er wäre weiter draußen herumgelaufen, hätte keine Nahrung gefunden und wäre erfroren."

Gräsers füttern Igel mit Katzenfutter und Rührei

Erfahrung mit Igeln hatte das Ehepaar damals noch nicht. "Wir haben bei der Igelstation in Leipzig angerufen, und die Mitarbeiter haben uns genau erklärt, wie wir den Igel füttern und wie wir seine Kiste einrichten müssen, damit er sich wohlfühlt", so Steffi Gräser.

Der Igel, den die Gräsers liebevoll Mirko nennen, hat fast sechs Wochen in einer großen Kiste in ihrer Küche gewohnt. "In die Kiste haben wir einen Pappkarton mit Eingangsloch als Schlafhaus gestellt", sagt Steffi Gräser, denn "Igel brauchen immer einen Rückzugsort".

Dann erzählt sie, dass der Igel "mit Leidenschaft Rührei gegessen" habe, "natürlich ungewürztes". Außerdem habe das Paar ihn mit hochwertigem Katzenfutter gefüttert. "Das Katzenfutter hatte einen extrem hohen Fleischanteil und war getreidefrei", sagt Steffi Gräser. "Igel vertragen kein Getreide."

Unser Igel hat mit Leidenschaft Rührei gegessen.

Steffi Gräser

Die Gräsers haben Igel Mirko aber nicht nur gefüttert, sondern auch medizinisch versorgt. "Es ist wichtig, einen Tierarzt zu konsultieren, wenn man einem Igel hilft", sagt Jörg Gräser. "Eine Stuhlprobe hat ergeben, dass unser Igel Darm- und Lungenwürmer hatte. Daraufhin haben wir ihm Medikamente gegeben."

Igel nimmt in sechs Wochen 340 Gramm zu

Anfang Dezember, als die Gräsers den Igel bei sich aufnahmen, wog er noch 320 Gramm. Am 12. Januar, erzählt Steffi Gräser, haben sie den Igel mit 660 Gramm in den Winterschlaf geschickt.

Für den Winterschlaf haben die Gräsers ein Igelhaus gekauft, das nun überdacht in ihrem Garten steht. "Wir haben das Igelhaus mit Stroh vollgestopft und einen Strohhaufen davor gemacht", sagt Jörg Gräser.

Der Igel habe zwei Tage lang ein Nest gebaut und sei dann eingeschlafen, ergänzt seine Frau. "Es ist ein schönes Gefühl, dass er jetzt da draußen schläft und wir wissen: Ohne uns hätte er es nicht geschafft."

Igel Mirko ist nicht das erste Tier, das die Gräsers bei sich zu Hause aufgepäppelt haben

Igel Mirko ist nicht das erste Tier, das die Gräsers bei sich zu Hause aufgepäppelt haben. Im Sommer 2023 kümmerte sich das Paar um einen kleinen Star, der aus dem Nest gefallen war und sich am Flügel verletzt hatte. Die Gräsers nannten ihn Johnny.

"Er kam als kleiner stoppliger Jungvogel zu mir. Aufmerksame Menschen hatten ihn gefunden", schrieb Jörg Gräser Ende Juni auf Instagram. Dazu postete er ein Foto, auf dem Vogel Johnny auf seinen Schultern sitzt und sich an seinen Hals schmiegt.

In den darauffolgenden Wochen veröffentlichte Gräser immer wieder Fotos und Videos von Johnny - etwa davon, wie der Vogel fröhlich im Gras pickt, in einer Vogeltränke badet oder auf Gräsers Armen, Schultern und Bauch herumhüpft. "Die Bindung ist sehr stark", erzählt Gräser in einem Video.

Mitte Juli schrieb der Tierpfleger auf Instagram: "Wenn ich abends von der Arbeit komme freut er sich riesig. Wir füttern zusammen die Tauben, er kommt mit ins Haus, da kennt er sich auch super aus. Er kommt regelrecht kuscheln."

Jörg Gräser: Igel sind zunehmend bedroht

Seit Mitte Januar hält Igel Mirko nun Winterschlaf. Wann er wieder aufwacht, wissen die Gräsers nicht. "Igel können bis in den Mai hinein schlafen", sagt Steffi Gräser.

Auch interessant: Nach Aus bei "Elefeant, Tiger und Co.": Was macht Tierpfleger Jörg Gräser eigentlich neben seiner Arbeit im Leipziger Zoo?

Jörg Gräser und seine Frau Sorgen sich um die Igel in Deutschland. Die Tiere seien zunehmend in Gefahr, da ihre Lebensräume immer kleiner würden. In zu sehr gepflegten Gärten fänden Igel zu wenig Nahrung und keinen Unterschlupf für den Winter.

Daher sei es wichtig, ein bisschen Laub im Garten liegen zu lassen, sagt der Tierpfleger. "Wir haben viele Igel, die in verschiedenen Ecken unseres Grundstücks ihren natürlichen Winterschlaf halten."

Das sind die zehn größten Gefahren für Igel

  • Autos und andere Fahrzeuge
  • Absätze wie Treppen und Schächte
  • Fallen für Mäuse oder Ratten sowie Giftköder
  • Insekten- und Unkrautvernichter sowie chemische Dünger
  • frei laufende Hunde und Katzen
  • herumliegender Müll
  • Rasenmäher und Motorsensen
  • Mistgabeln
  • Gartenteiche und Schwimmbecken
  • Garten- und Brauchtumsfeuer

Wenn Igel Mirko im Frühjahr wieder aufwacht, werden die Gräsers ihn noch ein bisschen füttern und dann in die Freiheit entlassen. "Ob er bei uns auf dem Grundstück bleibt oder woanders hinwandert, entscheidet der Igel", sagt Steffi Gräser.