Nato vergibt Auftrag

Flughafen Halle/Leipzig: Weiterhin militärischen Antonov-Frachtflüge

Halle (Saale)/Leipzig - Die Antonow-Flüge am Airport Leipzig/Halle gehen auch im nächsten Jahr weiter.

Von Steffen Höhne
Mehrere Antonov 124 Frachtmaschinen stehen am Flughafen Leipzig/Halle.
Mehrere Antonov 124 Frachtmaschinen stehen am Flughafen Leipzig/Halle. imago stock&people

Auch in den kommenden zwei Jahren werden die Riesenflieger Antonov 124 (AN) Militärgerät der Bundeswehr vom Airport Leipzig/Halle aus fliegen. Die Nato Support and Procurement Agency hat den ausgeschriebenen Auftrag vergeben, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person der MZ.

Neu ist, dass das bisherige russisch-ukrainische Konsortium Ruslan Salis nicht mehr Auftragnehmer ist, sondern Russen und Ukrainer nun getrennt die Flüge abwickeln werden. Die politischen Spannungen zwischen beiden Staaten sind dafür verantwortlich.

Seit 2006 fliegt Ruslan Salis im Auftrag der Nato und EU-Nationen beispielsweise Panzer, Haubitzen oder Gewehre nach Afghanistan, Mali oder in den Kongo. In der Vergangenheit gab es jährlich etwa 100 Transporte für das Bündnis. Hinter Ruslan Salis stehen die russische Unternehmensgruppe Volga Dnepr und die ukrainische Antonov Design Bureau.

Spannungen im Gemeinschafts-Unternehmen

Beide zusammen verfügen über insgesamt 19 AN 124, die je bis zu 150 Tonnen Fracht aufnehmen können. Zum Vergleich: Die der Bundeswehr derzeit zur Verfügung stehenden Militärtransporter vom Typ Transall können nur acht Tonnen Fracht tragen. Auch der neue Militärtransporter A400M kann nur maximal 30 Tonnen transportieren. Kurz: Will die Bundeswehr schweres und sperriges Gerät fliegen, muss sie die Antonov ordern.

Durch die Ukraine-Krise gab es in den vergangenen Jahren schon Spannungen in dem Gemeinschafts-Unternehmen. Nach MZ-Informationen soll die ukrainische Seite nicht mehr bereit gewesen sein, die Kooperation fortzusetzen. Auch Nato-Vertreter sind mit der Abhängigkeit von den Russen wahrscheinlich nicht glücklich.  Doch um  schweres Gerät zu transportieren, sind sie auf die AN 124 angewiesen. Zwölf der 19 Riesenflieger gehören Volga Dnepr. Zudem stellen russische Firmen einen sehr großen Teil der Ersatzteile her.

Volga Dnepr betreibt am Flughafen Leipzig/Halle

Die russische Seite bei der neuen Auftragsvergabe außen vor  zu lassen, war also keine Option.  Der Kompromiss sieht nun vor, dass Russen und Ukrainer weiter von Leipzig/Halle aus fliegen - aber als getrennte Gesellschaften.  Der Auftrag geht zunächst von 2017 bis 2019, mit der Option, ihn um fünf weitere Jahre zu verlängern. Das wäre dann bis 2024.

Volga Dnepr  betreibt am Flughafen Leipzig/Halle seit 2013  auch ein Wartungs- und Reparaturzentrum. In einen 40 Millionen Euro teuren Hangar haben sich die Russen langfristig eingemietet. Die sächsische Staatsregierung arbeitete lange Jahre daran, die Aktivitäten auszubauen. So wurde diskutiert, eine   überarbeitete AN 124 in Sachsen zu montieren. Diese Pläne dürften nun Makulatur sein. Russen und Ukrainer streiten derzeit darüber, wer welche Ersatzteile herstellen darf.

Das Ende der Kooperation Ruslan Salis bedauern viele am Projekt Beteiligte:  „Es hat lange Jahre gezeigt, dass russische und ukrainische Firmen zusammen gefragte Angebote anbieten können.“   (mz)