BAP in Leipzig

BAP im Haus Auensee Leipzig: Wolfgang Niedecken über die Anfänge der Band

Leipzig - Verdammt lang her: BAP-Sänger Wolfgang Niedecken über die Anfänge der Band vor 40 Jahren.

17.11.2016, 10:15

Sie sind seit vier Jahrzehnten deutschlandweit das Aushängeschild für Rockmusik mit Kölscher Mundart: BAP („Verdammt lang her“). Das runde Jubiläum feiert die siebenköpfige Band um Wolfgang Niedecken mit einer Tournee. Einer der wenigen Termine in den neuen Bundesländern führt die Kölner Musiker am Samstag nach Leipzig (20 Uhr). Im Haus Auensee stellen sie Lieder aus dem Album „Lebenslänglich“ live vor und spielen die bekanntesten Titel aus 40 Jahren BAP. Vorab sprach André de Vos für die MZ mit Sänger und Gitarrist Wolfgang Niedecken (65) über die Anfänge der Band, deren Name auf einen früheren Spitznamen Niedeckens zurückgeht.

Herr Niedecken, ab wann haben Sie eigentlich realisiert, dass „BAP“ nicht nur eine Band, sondern ein Lebensprojekt ist?

Niedecken: Das hätte ich damals nie gedacht, als wir mit der Band angefangen haben. Zu der Zeit hatte ich gedacht, das wäre eine Sache für ein, zwei, drei Jahre, und dann würde ich wieder in meinen Beruf als Maler zurückgehen. Aber da kann man wieder mal sehen, wie man sich täuschen kann. Es war anscheinend etwas Nachhaltiges, was ich gestartet habe. Wunderbar! Ich lebe gerne auf diese Art und Weise.

Als Sie mit der Band 1982 den Durchbruch geschafft hatten, haben Sie da geglaubt, dass das überhaupt noch länger hält?

Niedecken: Damals habe ich immer gesagt, wenn wir Glück haben, halten wir das bis 1990 durch. Es hatte ja auch von den deutschen Acts noch keiner länger geschafft. Die meisten Bands, auch die erfolgreichen Gruppen, die haben, wenn es hoch kam, drei Alben gemacht, und dann waren die wieder weg vom Fenster. Oder sie hatten einen langen Durchhänger und dann irgendwann wieder eine Reunion.

Was waren das so für Gruppen?

Niedecken: Die Bands, die mit uns angefangen haben, die Nina Hagen Band, eigentlich auch Spliff, die haben sich irgendwann verabschiedet. Dann gab es noch Extrabreit, Klaus Lage, Wolf Maahn. Viele hatten ihre zwei oder drei erfolgreichen Alben, und dann ging es irgendwann dermaßen nach unten, dass es nur noch unter der Rubrik „Teure Hobbys“ zu verzeichnen war. Oder die liefen unter dem Oberbegriff „Selbstausbeutung“.

Sie brauchten sich keine Gedanken darüber zu machen?

Niedecken: Komischerweise habe ich da - was uns betrifft - wirklich nie drüber nachgedacht. Das mit der Band ist immer schön weitergegangen. Warum, liegt wahrscheinlich darin, weil wir immer den Mut hatten, uns umzubesetzen, wenn bei meinen Ex-Bandmitgliedern irgendwie der Sprit zu Ende war.

Können Sie sich noch erinnern, was Sie auf Ihrem ersten Konzert gesungen haben, was für einen Stil Sie so drauf gehabt haben?

Niedecken: 1976 gab es noch gar keine BAP-Konzerte. Der erste Auftritt war 1977. Und zwar auf einer Veranstaltung gegen den Bau der geplanten Kölner Stadtautobahn. Wir haben zu dritt gespielt, zwei akustische Gitarren und Congas. Dazu hatte man uns überredet. Mit Sicherheit haben wir „Helfen kann dir keiner“ präsentiert, denn das war das erste BAP-Stück. Was wir ansonsten gespielt haben, weiß ich nicht, wahrscheinlich „Anna“, „Jraaduss“ und „Hang on Sloopy“. Es waren nicht so furchtbar viele, halt die ersten Songs, die wir überhaupt hatten.

Haben Sie mit englischen Coverversionen angefangen und dann eigene Titel gespielt?

Niedecken: Bei Auftritten nicht. Dort haben wir nur eigene Lieder oder eingekölschte Cover gespielt. BAP ist ja quasi aus einer Notlage heraus entstanden. Das waren ja alles Amateurmusiker, die in den Sechzigern in irgendwelchen Beatbands gespielt hatten, bei denen dann zu Hause die Instrumente herumstanden, weil sie danach nie mehr in Gruppen gespielt haben.

Wie ging es dann bei Ihnen los?

Niedecken: Man traf auf Feten Bassisten, Schlagzeuger oder Gitarristen, die sagten: „Verdammt, die Zeit ist vorbei, wo man in irgendwelchen Beat-Bands spielte. Aber trotzdem wollen wir diesen Spaß zurück.“ Wir haben immer gesagt, wir müssen irgendwie einen Proberaum finden und ein bisschen jammen. Aber mehr sollte das nicht sein.

Mit welchem Material haben Sie angefangen?

Niedecken: Wir haben Songs von den Rolling Stones gespielt, Stücke von den Troggs und Kinks gecovert. Und wir hatten dabei einen Mörder-Spaß. Wir haben uns einmal die Woche getroffen, einen Kasten Bier leergeprobt, und dann sind wir einen trinken gegangen. Super, und irgendwann kam ich mit dem ersten BAP-Song an, mit meinem ersten Lied auf Kölsch. Und die Jungs meinten: „Mach’ da mehr von.“ Dann habe ich mehr davon gemacht.

Und warum sind Sie in dieses kölsch-sprachige Genre reingegangen? Hatten Sie vielleicht Vorbilder wie die Bläck Fööss?

Niedecken: Nein, aber die Bläck Fööss schätze ich sehr, ich bin auch seit ewigen Zeiten gut mit ihnen befreundet. Die machen tolle Sachen, sind aber nicht unbedingt eine Rockband. Nein, meine Vorbilder stehen fest: Die Beatles haben mich zur Musik gebracht und Bob Dylan zum Texten. Ganz einfach. Und mein Lieblingsgitarrist wird immer Keith Richards bleiben, weil das der Mann mit den Riffs ist.

Wie kombinieren Sie jetzt das Jubiläum mit der neuen Platte?

Niedecken: Ich verspreche, dass wir nur die beliebtesten Lieder spielen. Das kann man ruhig alle zehn Jahre mal machen, ohne sich dabei einen Zacken aus der Krone zu brechen. Bei dieser Jubiläums-Tournee möchte ich gerne, dass die Leute ansonsten alles kennen.

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