Friedenspreisträger

Wegen Krankheit: Friedrich Schorlemmer zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück

Der bekannte Wittenberger Theologe und Publizist leidet unter einer schweren Krankheit und möchte sich nun nicht mehr öffentlich äußern.

12.04.2022, 10:34
Der Theologe und Publizist Friedrich Schorlemmer bei einem Auftritt in der Zeitzer Michaeliskirche Anfang November 2021.
Der Theologe und Publizist Friedrich Schorlemmer bei einem Auftritt in der Zeitzer Michaeliskirche Anfang November 2021. Foto: Torsten Gerbank

Wittenberg/Weimar/G+H - Der Wittenberger Theologe und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer möchte sich nicht mehr mit Beiträgen und Interviews öffentlich äußern. Es gehe ihm gesundheitlich nicht gut, sagte der 77-Jährige der in Weimar erscheinenden Mitteldeutschen Kirchenzeitung "Glaube+Heimat" (Ausgabe zum 17. April). Wie die Zeitung weiter berichtet, leide Schorlemmer nach eigenen Angaben unter Lewy-Body-Demenz. Betroffene zeigen neben einer fortschreitenden Gedächtnis- und Bewegungsstörung schnelle Schwankungen der geistigen Fähigkeiten und ihrer Wachheit im Tagesverlauf.

Die Krankheit sei zudem verbunden mit Parkinson. Das wirke sich vor allem auf das Kurzzeitgedächtnis aus. Er wolle in diesem Zustand nicht in die Öffentlichkeit, denn er habe Weggefährten erlebt, die sich damit keinen Gefallen getan haben. Diese Peinlichkeit wolle er sich ersparen, sagte er gegenüber der Kirchenzeitung.

Zusammen mit Christina Neuß, der Leiterin des landeskirchlichen Archivs der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), ordnet der Theologe derzeit seine Bibliothek und Schriftstücke, die mehr als 200 Regalmeter in seiner Wittenberger Altbauwohnung in Anspruch nehmen. Diesen Schatz zu bergen und unter seiner Regie zu sortieren, sei eine Mammutaufgabe, so Neuß. Bei dem sogenannten Vorlass handele sich um Skizzen, Andachten, Reden, Essays und Korrespondenzen des Theologen.

„Wenn ich sehe, wie die Archivleiterin mit Sinn und Verstand an die Aufgabe rangeht, das gefällt mir und tut mir gut. Da muss ich nichts erklären“, lobt Schorlemmer die Archivarin. Es sei schon schmerzhaft, sich von all dem zu trennen. Aber jetzt habe man angefangen, und dann soll es auch zu Ende gebracht werden. „Ich habe das Glück, dass die Arbeit nicht umsonst war und in Magdeburg anstatt im Reißwolf landet", freut sich Schorlemmer.

Nach wie vor nimmt der einst streitbare Theologe, der eine Symbolfigur der kirchlichen Friedens- und Umweltbewegung ist, am Weltgeschehen Anteil. Nichts habe ihn so gelähmt wie Putins Krieg in der Ukraine. Es sei ihm in den vergangenen 30 Jahren nicht geschehen, aber er habe bisher kein Wort zur Sache gefunden. Man dürfe nicht aufhören, jeden Tag in der Heiligen Schrift zu lesen um zu erkennen, dass Menschen, in ebenso großen Schwierigkeiten, nicht aufgegeben haben. „Weil wir nicht Aufgegebene sind, geben wir nicht auf.“ Verstummen sei schon schlimm, aber Aufgeben noch schlimmer.

„Man muss Ausdauer haben. Für den Frieden muss man Marathonläufer sein“, so Schorlemmer weiter. Er spricht von Zuversicht, und dass man etwas riskieren muss, für den Frieden und für die Bewahrung der Schöpfung. Das war 1993 auch Inhalt seiner Rede, als er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekam. Begründet wurde die Verleihung damit, dass man einen aufrechten und couragierten Mann ehren wolle, der durch seine Worte und Taten seinen Mitmenschen den Glauben an die eigene Kraft wiedergab und sich mit ihnen Gewalt und Unterdrückung entgegenstellte. Das ist bis heute so geblieben, trotz des Alters und der Einschränkungen.