Unzufrieden mit „großer“ Politik

Unzufrieden mit „großer“ Politik: Ortsbürgermeister Reinhard Pfeil wirft hin

Groß Naundorf - Der Lokalpolitiker ist unzufrieden mit der Politik im Land.

Von Frank Grommisch

Reinhard Pfeil hat seinen Rücktritt als Ortsbürgermeister von Groß Naundorf und sein Ausscheiden aus dem Ortschaftsrat erklärt. In seinem Schreiben, das der MZ vorliegt, erklärte er zuerst, dass sein Rücktritt nichts mit der kommunalen Arbeit der Stadt Annaburg, den in der Verwaltung Beschäftigten oder mit dem Stadtrat und dem Ortschaftsrat Groß Naundorf zu tun habe.

„Die Zusammenarbeit war tadellos und alle haben ihr Bestes gegeben.“ Als Grund fügt er an: „Es geschieht, weil ich diesen Staat, in dem ich lebe, nicht mehr guten Gewissens vertreten kann.“ Nicht nachvollziehbare Entscheidungen der Regierung, die sich gegen die Bürger und die Demokratie zu richten scheinen, lassen ihn an der Gesellschaft zweifeln.

Gegen Bürgerentscheid

Dabei erwähnt er auch die Zwangseingemeindung von Groß Naundorf in die Stadt Annaburg, obwohl das dem Bürgerentscheid entgegen gestanden habe. Der Demokratie sei auch dadurch Schaden zugefügt worden. Außerdem würden die Kommunen verarmen. Das dauere bis heute an.

„Nunmehr ist unsere Stadt als eine der letzten Kommunen im Landkreis Wittenberg verschuldet und muss in die Konsolidierung.“ Darüber hatte der Stadtrat im Dezember zu beschließen. Darauf entschied sich Pfeil zum Rücktritt. Denn „am Ende werden es wieder unsere Bürger bezahlen“.

Kein Geld für Kommunen

Weiter schreibt Pfeil: Der Staat hat gewaltige Steuer-Mehreinnahmen, aber die Kommunen werden finanziell erwürgt. Deutschland sei reich, aber das Geld werde benutzt, um die halbe Welt zu alimentieren und etwa Bundeswehrsoldaten in die entlegendsten Gegenden der Welt zu entsenden, „währenddessen zum Beispiel unsere Kinderspielplätze verrotten. Für die Bürger sind wir die Schuldigen.“

Reinhard Pfeil bedankt sich bei der Verwaltung, den Räten, den Einwohnern von Groß Naundorf und Kolonie und nicht zuletzt bei seiner Familie, sie alle hätten ihn auf diesem Weg unterstützt. Seinem Nachfolger wünscht er Kraft und Ausdauer. (mz)