Schulsozialarbeit im Landkreis Wittenberg

Schulsozialarbeit im Landkreis Wittenberg: Kreistag bleibt großzügig

Jessen/Wittenberg - Die Schulsozialarbeit wird weiter finanziert. Bis 2025 sollen 500.000 Euro pro Jahr aufgebracht werden. Der Kreistag einen mahnt zielgerichteten Einsatz an.

Von Marcel Duclaud

Der Landkreis Wittenberg will weiter tief in die Tasche greifen, um Schulsozialarbeit zu fördern. Das passiert wie berichtet bislang schon, nun hat der Kreistag mit breiter Mehrheit beschlossen, die Finanzierung mehrerer Stellen fortzusetzen.

Nicht zuletzt deshalb, wie Angelika Kelsch (Linke), Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, betont, weil es bislang nicht gelungen sei, Bund und Land in ausreichendem Maße hinzuzuziehen. Die Finanzierung der über den Europäischen Sozialfonds laufenden Stellen sei unter Vorbehalt bis Juli 2023 gesichert.

Prioritäten überprüfen

Der Kreistag bekennt sich nun dazu, 500.000 Euro pro Jahr bis zum 31. Dezember 2025 zur Verfügung zu stellen, damit wesentliche Teile der Schulsozialarbeit nicht auf der Strecke bleiben, wenn die 2017 beschlossene Förderung Ende des Jahres ausläuft. Festgelegt ist ebenfalls - nach intensiven Diskussionen in den Ausschüssen - dass die Prioritätenliste, die über den Einsatz in den Schulen entscheidet, jährlich überarbeitet werden soll. Zudem steht das Kriterium „Bedarfe“ nun in der so genannten Bewertungsmatrix.

Grundsätzlich umstritten ist die erhebliche Zuwendung offenkundig nicht. Bei der Diskussion ging es eher um die Details beim Einsatz. „Wir werden zustimmen“, signalisierte etwa Matthias Lieschke (AfD). Allerdings sei die Prioritätenliste „nicht das Ende vom Lied“. Das „Prinzip der Gießkanne“ lehne seine Fraktion ab. Schulsozialarbeit müsse es nicht flächendeckend geben, es gehe um den zielgerichteten Einsatz.

Das sieht Corinna Reinecke (SPD) ein bisschen anders. Es wäre gut, meint sie, wenn flächendeckend Schulsozialarbeit stattfinden würde und zudem nicht, wie das zum Teil der Fall ist, einer für drei Schulen zuständig zeichnet. Enttäuscht zeigt sie sich, dass „die Kommunen weiter zahlen müssen“ und Land und Bund die Schulsozialarbeit nicht als „integralen Bestandteil von Bildung“ anerkennen.

Die sei im Übrigen „ein Anker in Corona-Zeiten“ gewesen und habe Kinder sichtbar gemacht, die nicht mehr zu sehen waren. Dass das Land bei aller Schulsozialarbeit nicht aus der Verantwortung entlassen werden dürfe, genügend Lehrer zur Verfügung zu stellen, darauf machte Peter Müller (Freie Wähler) aufmerksam, er kritisiert überdies die Formulierung „dynamisch“ in der Beschlussvorlage, was sich auf Kostensteigerungen bezieht: „Wir wissen nicht, wo wir da landen.“ Dass ein Sozialarbeiter für mehrere Schulen zuständig ist, hält Müller für kein Problem.

Auf das Geld, das bekanntlich knapp sei, macht auch Christian Tylsch (CDU) aufmerksam. „Erst waren es 400.000, jetzt sind es 500.000 Euro.“ Schulsozialarbeit sei wichtig, wenn sie präventiv wirke, sie helfe bei Mobbing, Gewalt und Schulverweigerung, nur müsse sehr genau nach dem Bedarf geschaut werden. Das Luther-Melanchthon-Gymnasium, nannte Tylsch ein Beispiel, habe rund 1.000 Schüler und keinen Sozialarbeiter, anders als eine Grundschule mit 70 Kindern. Er sagt aber auch: „Das ist eine verantwortliche Entscheidung.“

Stellen reichen nicht

Für die Linke reichen die vorhandenen Stellen „hinten und vorne nicht“, wie Mareen Kelle betont. Zudem erfülle „der Kreis Aufgaben, die ihn nichts angehen“. Sie warnt überdies davor, dass Schulsozialarbeiter Aufgaben übernehmen, für die eigentlich Lehrer zuständig sind.

Dass Grundschulen einer Studie zufolge „relevant schlechter durch die Corona-Krise“ gekommen seien, darauf verwies in dem Zusammenhang Reinhild Hugenroth (Grüne). Längst nicht alle Schüler seien mit Lehrmaterial versorgt worden: „Das ist ein Stück Bildungsungerechtigkeit.“ (mz)