Schienenverkehr Wittenberg-Bad Schmiedeberg

Schienenverkehr Wittenberg-Bad Schmiedeberg: Heidebahn vor endgültigem Ende?

Bad Schmiedeberg - Auf zwei Jahre befristete Testphase ist ausgelaufen, die Nutzerzahlen sind nicht berauschend. Wie es mit der Heidebahn genau weitergeht, ist noch offen.

Von Marcel Duclaud

Am ersten Adventswochenende geht es durch die Dübener Heide: Sonderfahrt zum üppigen Weihnachtsmarkt nach Leipzig. Ein beliebtes Angebot und: Die Heidebahn setzt sich wieder in Bewegung - sie fährt unter anderem über Pretzsch, Bad Schmiedeberg, Söllichau und Bad Düben.

Verwaist

Seit Ende Oktober ist die Bahnstrecke verwaist. Und die Frage lautet einmal mehr: Steht die Heidebahn jetzt vor ihrem endgültigen Ende? Die Debatte ist alt - und wird stets leidenschaftlich geführt. Nicht wenige setzen sich energisch dafür ein, dass die Zugverbindung nicht vollends verschwindet, etwa der Verein Berlin-Anhaltische Eisenbahn, Kommunalpolitiker, Landtagsabgeordnete.

Sie haben es geschafft, das komplette Aus vor zwei Jahren zu verhindern. Geholfen hatten massive Proteste von Bürgern, die ohnehin nicht verwöhnt werden durch den Öffentlichen Nahverkehr. Seither lief eine Art Testbetrieb, beschränkt auf zwei Jahre: Die Heidebahn fuhr lediglich in der Saison von April bis Ende Oktober und auch nur an Wochenenden und Feiertagen.

Dass der Kompromiss mit den Geldgebern damals zustande kam, dürfte wesentlich mit dem Jahr des Reformationsjubiläums zusammenhängen. Das ist vorbei und die Testphase ausgelaufen.

Dass die Währung, die es nahelegen würde, wieder einen regulären Betrieb aufzunehmen, die Nutzerzahl also, nicht berauschend daher kommt, weiß ein jeder, der den Zug hat fahren sehen. Allzu viele Menschen saßen meist nicht im Abteil.

Zwar ist die endgültige Entscheidung, wie es weiter gehen wird, noch nicht gefallen, Siegfried Borgwardt aber, Fraktionschef der CDU im Landtag und selbst in der Heide wohnend, sagt klar: „Einen regelmäßigen Linienverkehr geben die Vergleichszahlen nicht her. Wir hatten es noch mal probiert, wir hatten Luft in den zwei Jahren, die Verbindung ist nicht ausreichend angenommen worden.“

Dass es nicht reicht, sei schade und sehr ärgerlich. Borgwardt fügt allerdings hinzu: „Ich möchte den Sack nicht völlig zumachen.“ Er hofft zum Beispiel auf zusätzliche Gelder aus Berlin, um den ländlichen Raum zu stärken.

Ähnlich äußert sich der Wittenberger Christdemokrat Frank Scheurell, der dem Verkehrsausschuss in Magdeburg angehört. Er setzt auf Sonderverkehre, die es auch weiter geben soll. In welchem Umfang, sei freilich offen. „Wir drängen jedenfalls darauf, dass die Strecke nicht zuwächst“, betont Scheurell. Beim Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt stoße man da auf offene Ohren.

Aus dem Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr verlautet, dass die abschließende Entscheidung über die Fortführung der „touristisch orientierten Gelegenheitsverkehre“ an Wochenenden und Feiertagen noch ausstehe. Aber, so Sprecher Peter Mennicke: „Alle bekannten und bewährten Sonderfahrtage, so unter anderem anlässlich Luthers Hochzeit und im Advent, sollen auf jeden Fall auch im kommenden Jahr stattfinden und durch das Land Sachsen-Anhalt finanziell unterstützt werden.“

Auf MZ-Anfrage äußert sich Mennicke auch zu Nutzerzahlen: „2016 wurden insgesamt rund 5.000 Fahrgäste gezählt. Das sind durchschnittlich etwa 70 Fahrgäste je Fahrtag (bei drei Fahrten je Fahrtag und Richtung). Die diesjährige Saison hatte doppelt so viele Fahrgäste zu verzeichnen.“

Die Zahlen hätten den Erwartungen weitgehend entsprochen, wobei nicht außer Acht gelassen werden dürfe, „dass die Nachfrage im Lutherjahr stark touristisch geprägt war und eng mit den Reformationsfeierlichkeiten in Wittenberg in Verbindung stand“.

Abgeschnitten

Pretzschs Bürgermeisterin Diana Skowronek, die schon vor zwei Jahren Proteste gegen das drohende Aus der Bahn mitorganisierte hatte, findet es gar nicht lustig, dass es jetzt wieder um das Ende geht.

„Die Strecke ist superwichtig, ein Bus fährt ja nur, wenn Schule ist. In den Ferien kommt man im ländlichen Raum gar nicht mehr weg. Es ist gruselig, dass wir hier so abgeschnitten sind.“ Es sei im Übrigen auch für den Tourismus ein fatales Signal, würde der Verkehr der Heidebahn eingestellt. (mz)