Corona-Pandemie im Landkreis Wittenberg

Corona-Pandemie im Landkreis Wittenberg: So steht es um das Impfen

Wittenberg - In einigen Pflegeheimen ist geimpft worden, andere müssen sich noch gedulden. Wie es um die Impfbereitschaft bei Bewohnern und Mitarbeitern steht.

Von Marcel Duclaud und Irina Steinmann

„Gut“, sagt Matthias Henschel am Donnerstagnachmittag, ohne eine Sekunde zu zögern, es geht uns gut. Zu diesem Zeitpunkt gilt im SPZ kein einziger Bewohner als Corona-positiv und auch bei den Mitarbeitern der kommunalen Pflegeeinrichtung liegt die Fallzahl an diesem Tag mit einem Betroffenen sehr niedrig. Wie macht das Wittenberger Senioren- und Pflegezentrum am Lerchenberg das?

Wäre dies kein Telefongespräch, so könnte man Henschel jetzt wohl die Schultern heben sehen. Vielleicht, sagt er dann, „liegt’s an unserer Struktur“. Einzelzimmer. Mit Sicherheit aber liegt es am täglichen Kampf. Den trachtet man am Lerchenberg unbedingt zu gewinnen. „Wir testen jeden Tag“, so Henschel. Besucher, Mitarbeiter, Bewohner, jeder sei regelmäßig dran. Von 5.30 Uhr bis 16 Uhr arbeitet das Testzentrum vor dem Haus. Als erste, vor der Abfahrt am Morgen, sind die Mitarbeiterinnen der häuslichen Pflege an der Reihe.

Zwei Stunden unter FFP2

Besucher, das ist auch andernorts so und vorgeschrieben, kommen schon lange nicht mehr ohne Test zu ihren Angehörigen, mit denen sie dann maximal zwei Stunden verbringen dürfen - und immer unter dem Schutz einer FFP2-Maske, die ihnen das SPZ am Eingang zur Verfügung stellt, dort, wo sich auch das Fiebermessgerät befindet und der Desinfektionsmittelspender sowieso. Man baue auf das Verantwortungsgefühl der Mitarbeiter und der Besucher, betont Henschel.

Dass man im kommunalen SPZ auch mit dem Impfen bereits weit vorangekommen ist, fügt sich wenig überraschend ins positive Bild, das Henschel von seiner Einrichtung zeichnet. Am kommenden Montag und Dienstag findet für das Gros der insgesamt 260 Bewohnerinnen und Bewohner bereits die Zweitimpfung statt. Etwa 200 von ihnen hatten Ende Dezember die erste der beiden notwendigen Dosen erhalten. Bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, das räumte Henschel auf Nachfrage ein, liege der Impfgrad noch etwas niedriger, mehr als 130 - von insgesamt etwa 250 - haben aber ebenfalls bereits die erste Runde absolviert.

Die Impfbereitschaft sei gestiegen, berichtet Henschel und führt dies darauf zurück, dass zunächst Zögernde gesehen hätten, dass „es alle gut vertragen haben“. Wenn möglich sollen daher am kommenden Montag neben den anstehenden Zweit- auch weitere Erstimpfungen stattfinden, ansonsten werden man sich beim Landkreis für letztere um einen weiteren Termin bemühen. Insgesamt hätten bisher 88 Prozent der Bewohner und 60 Prozent der Mitarbeiter ihre Impfbereitschaft bekundet.

„Wir haben an die Mitarbeiter appelliert“, dass sie mit einer Impfung „sich, ihre Familien und die Bewohner schützen“, so Henschel. „Wir sind auf einem guten Weg“ bei der Bezwingung des Virus - wohl wissend, dass, wie er selbst hinzufügt, all dies natürlich nur eine Momentaufnahme ist. Wie recht er damit hat, wird quasi über Nacht deutlich: Bei vier Bewohnern haben Schnelltests ein positives Ergebnis gezeigt; die Bestätigung durch PCR-Tests stand am Freitag noch aus. „Wir haben das im Griff“, betont Henschel angesichts der Verdachtsfälle gleichwohl. Auch am Jahresende habe es bereits einmal vier Fälle gegeben. Symptome zeigten die aktuell Betroffenen, die alle aus einem Bereich stammten, im Übrigen nicht.

Vorbereitungen in Kemberg

Andernorts wird unterdessen die Ankunft der Impfteams sehnsüchtig erwartet. Das betrifft zum Beispiel die Senioren-Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt. In Kemberg betreibt die Awo ein stationäres Heim mit 43 Bewohnern und acht Mietern im Betreuten Wohnen, in Wittenberg Tagespflege, ambulante Pflege und Wohngruppen. Corinna Reinecke, die Geschäftsführerin des Kreisverbandes, kann zumindest mit einem Termin aufwarten. Ein Impfteam kommt am 22. Januar in die Kemberger Seniorenresidenz: „Wir sind gerade dabei, die Vorbereitungen zu treffen.“

Das heißt unter anderem, die Impfbereitschaft zu eruieren. Bei den Heim-Bewohnern liege die bei 80 Prozent. Es fehlen noch Einwilligungen von Angehörigen in Fällen, wo die Senioren nicht mehr selber entscheiden können. Die Quote werde sich also sicher noch erhöhen, glaubt Reinecke. Das trifft auch auf die Impfbereitschaft der Mitarbeiter zu, die zurzeit bei lediglich etwa 50 Prozent liege. „Ich bin überzeugt davon, dass es noch mehr werden.“

Die Geschäftsführerin hofft inständig, dass nicht nur im Kemberger Heim in Kürze die Corona-Schutzimpfung verabreicht wird, sondern auch in den ambulanten und teilstationären Bereichen: „Aber da müssen wir uns wohl in Geduld üben.“ Das geht insofern besser, als sich laut Reinecke die Zahl der Infizierten in engen Grenzen hält.

In der Seniorenresidenz in Kemberg gebe es zum Glück keine einzige Infektion, weder bei Mitarbeitern noch bei Bewohnern. Im ambulanten Bereich seien es Einzelfälle. Es werde ein großer Aufwand betrieben, damit das möglichst so bleibt. Corinna Reinecke spricht von regelmäßigen Tests, was auch die Besucher betrifft. „Sie müssen sich anmelden, einen Test absolvieren und Fieber wird außerdem gemessen.“

Notfalls selbst abholen

Auf den Impfstoff dringend gewartet wird auch in Bad Schmiedeberg. „Wir sind leider noch nicht bedacht“, sagt Deddo Lehmann, Geschäftsführer der Kur GmbH, unter deren Dach sich auch Seniorenheime befinden, in einem der beiden gab es wie berichtet einen heftigen Ausbruch des Virus. Er bietet sogar an, dass das Eisenmoorbad die Logistik selber übernimmt. „Wir haben die Ärzte, die impfen können und würden den Impfstoff auch aus Wittenberg abholen.“ Um gewappnet zu sein, wird die Impfbereitschaft erfragt. Bei Bewohnern steht das Ergebnis noch nicht fest, bei Mitarbeitern des Hauses liege sie bei 50 Prozent.

Wie es in den drei Heimen der Johannesstift-(früher Paul-Gerhardt-)Diakonie aussieht, ist unklar. Die Lage sei „wie in vielen weiteren Pflegeeinrichtungen aktuell angespannt“, hieß es knapp. Man sehe sich außerstande, Medienanfragen von einem Tag auf den anderen zu beantworten. (mz)