Berufswahl im Landkreis Wittenberg

Berufswahl im Landkreis Wittenberg: Den richtigen Weg finden

Wittenberg - Im Landkreis kümmern sich Schulen oft intensiv um das Thema Berufsorientierung. Ein Beispiel ist das Wittenberger Lucas-Cranach-Gymnasium.

Von Marcel Duclaud
Die Tafel zum Berufswahl-Siegel wird enthüllt.

Wittenbergs Cranach-Gymnasium gehört zu den Schulen mit vorbildlicher Berufsorientierung. Das ist jetzt quasi amtlich. Am Mittwoch wurde das Berufswahl-Siegel in Magdeburg übergeben, am gestrigen Freitag die dazugehörige Tafel im Schulhaus enthüllt.

Dass Gymnasien sich derart intensiv um Berufsorientierung kümmern, ist nicht selbstverständlich. Der Kreis Wittenberg stellt da eine Ausnahme da, weil neben Cranachs auch die Gymnasien Jessen und Gräfenhainichen mit von der Partie sind. Zudem die Pestalozzi-Schule, die Gemeinschaftsschule Friedrichstadt und die Sekundarschule Jessen Nord.

Schulleiter Bernd Ludlei begründet das Engagement unter anderem damit, dass bekanntlich nicht alle, die ein Abitur ablegen, auch ein Studium beginnen. Genaue Zahlen gibt es nicht, er schätzt aber, dass rund 20 Prozent der Gymnasiasten auf die Universität verzichten, zunächst zumindest.

Das deckt sich mit Befragungen in zehnten Klassen der Schule, wonach etwa 50 Prozent ein Studium favorisieren, rund 20 ein duales Studium, etwa 15 Prozent eine Ausbildung, der Rest ist unentschlossen. Außerdem ist Berufsberatung natürlich auch für junge Leute interessant, die an die Uni wollen. Die Berufswahl findet nur später statt.

Die Möglichkeit, sich zu informieren, sei jedenfalls eminent wichtig, betont Ludlei - und wenn die Schüler am Ende lediglich wissen, was sie nicht werden wollen.

Im Cranach-Gymnasium ist die Berufsorientierung sogar im Unterricht verankert. Die zehnten Klassen absolvieren obligatorisch ein Fach, das sich Studien- und Berufsberatung nennt. „Ein Alleinstellungsmerkmal“, bemerkt Ludlei.

Sabine Gips, die stellvertretende Schulleiterin, beschäftigt sich maßgeblich mit dem Thema, mit Konzepten, Kontakten und der Erfüllung der Kriterien für das Siegel. Dass ihre Motivation auch ein bisschen mit ihrem Mann zu tun hat, räumt sie ein. Der ist Unternehmer und hat wie viele andere Probleme mit der Nachwuchsgewinnung. „Ich kenne die Schwierigkeiten.“ Ziel des Fachs sei es, den jungen Leuten zu helfen, ihren Weg zu finden, entsprechend den Stärken und Neigungen.

Dafür gibt es eine Vielzahl von Angeboten: etwa den Schnupperstudientag an der Uni Halle, die Regionalmesse „vocatium“ in Dessau, natürlich den Tag der Berufe bei SKW, den Kooperationsvertrag mit dem Science Center. Schüler haben die Möglichkeit, eine Art Personalgespräch zu führen mit Vertretern von Universitäten oder Unternehmen. Und Tests, um aus Stärken und Schwächen Berufsempfehlungen zu filtern, existieren ebenfalls.

Dass die Berufsorientierung am Gymnasium sehr hilfreich ist und möglichst fortgesetzt werden sollte, sagt die scheidende Elternrats-Vorsitzende Elke Eichler: „Wir als Eltern haben doch gar nicht die Möglichkeit, alles abzugrasen.“

Ihr Junge sei ein ziemlich typischer Fall gewesen, der in der zehnten Klasse noch keine konkreten Vorstellungen von seiner Zukunft hatte. Das Fach „Studien- und Berufsberatung“ habe ihn jedoch begeistert und ihm Orientierung gegeben. Sie weiß auch von sehr guten Schülern, die sich letztlich doch für eine Ausbildung entschieden haben.

(mz)