Timura meldet Insolvenz an

Timura Rottleberode: Unternehmen meldet Insolvenz an

Rottleberode - Für Christian Pongratz dürfte es besonders bitter sein. Erst seit dem vergangenen Monat als Geschäftsführer der Timura Holzmanufaktur in Rottleberode eingesetzt, hat er jetzt für das Unternehmen mit etwa zwei Dutzend Mitarbeitern Insolvenz angemeldet. Für die Holzmanufaktur ist es bereits die dritte schwere Krise. Werner Budtke, Sprecher des Amtsgerichts Halle, bestätigte auf Anfrage der MZ, dass die Insolvenz am Mittwoch angemeldet worden sei. „Es ist ein Eigenantrag gestellt worden“, konkretisierte ...

Von Helga Koch 29.11.2019, 07:32

Für Christian Pongratz dürfte es besonders bitter sein. Erst seit dem vergangenen Monat als Geschäftsführer der Timura Holzmanufaktur in Rottleberode eingesetzt, hat er jetzt für das Unternehmen mit etwa zwei Dutzend Mitarbeitern Insolvenz angemeldet. Für die Holzmanufaktur ist es bereits die dritte schwere Krise. Werner Budtke, Sprecher des Amtsgerichts Halle, bestätigte auf Anfrage der MZ, dass die Insolvenz am Mittwoch angemeldet worden sei. „Es ist ein Eigenantrag gestellt worden“, konkretisierte Budtke.

Als vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Amtsgericht Christian Beck aus Halle bestellt; seine Kanzlei hat sich auf die Schwerpunkte Insolvenzverwaltung und Sanierungsberatung spezialisiert. Bereits am Donnerstag sei ein Mitarbeiter der Kanzlei in Rottleberode gewesen, um sich einen ersten Überblick über das Unternehmen und dessen wirtschaftliche Lage zu verschaffen, hieß es.

Gewerbegebiet Rottleberode: Gründung von Timura 2008

Der Hamburger Kaufmann Tom Sieverts hatte die Firma Timura im Jahr 2008 gegründet und einen Neubau auf der grünen Wiese im Rottleberöder Gewerbegebiet errichtet. Ein Jahr später lief die Produktion an. Der Betrieb stellt nach wie vor sehr strapazierfähige Terrassendielen und widerstandsfähige Holzverkleidungen für Fassaden her. Anfänglich waren die Produkte nur auf dem europäischen Markt erhältlich. Mittlerweile reicht die Vertriebsschiene sogar bis nach Fernost oder in die USA.

Für die Herstellung der Dielen werden überwiegend einheimische Hölzer wie beispielsweise Esche, Kiefer oder Pappel verwendet. Mit Hilfe eines patentierten Verfahrens können sie thermisch derart behandelt werden, dass sie ähnliche Eigenschaften wie robuste Tropenhölzer annehmen und ebenso haltbar sind.

Geschäftspartnerschaft von Timura mit der Bremer Lürssen Werft

Diese besondere Haltbarkeit eröffnete den Rottleberöder Produkten ein neues Geschäftsfeld. Timura fand in der Bremer Lürssen Werft einen neuen Geschäftspartner. Die Werft gilt als Weltmarktführer für Luxus-Yachten, aus Rottleberode stammt das Holz für Schiffsböden.

Erzielte Timura in der Anfangszeit einen Jahresumsatz von 200.000 Euro, wurden im Jahr 2017 laut Sieverts bereits drei Millionen Euro erreicht. Dabei musste das Unternehmen einige Tiefschläge überstehen. Schon im August 2012 hatte ein verheerender Brand in der Lagerhalle dem Betrieb einen herben Rückschlag beschert. Der Schaden wurde auf 1,2 Million Euro beziffert.

Rottleberode: Timura ist 2015 erneut finanziell angeschlagen 

Eine erneute Krise galt es im Zeitraum 2015/16 zu bewältigen, als das finanziell angeschlagene Unternehmen dringend eine Geldspritze benötigte. Damals stiegen zwei neue Gesellschafter ein, entschuldeten die Firma und statteten sie mit neuem Kapital aus. Einer von ihnen war der Stolberger Unternehmer Clemens Ritter von Kempski. Er verkaufte seine Gesellschafteranteile zum Ende des vergangenen Jahres.

Pongratz’ Vorgänger, der Firmengründer und langjährige Geschäftsführer Tom Sieverts, war erst im Oktober abberufen worden, wie jetzt bekannt wurde. Pongratz war weder Mittwoch noch Donnerstag für die MZ erreichbar. Er habe Termine außer Haus und sei erst in der kommenden Woche zu sprechen, hieß es.

Südharz’ Bürgermeister Ralf Rettig (parteilos) hatte noch keine näheren Informationen. Er könne nur spekulieren, welche Gründe zur Insolvenz geführt hätten. Vielleicht sei zu langsam, zu wenig oder zu teuer produziert worden, vielleicht habe das Unternehmen nur kleinere Aufträge bekommen oder aber zu hohe Kosten gehabt. Er hoffe, so Rettig, die Abläufe könnten optimiert und der Betrieb saniert werden. (mz)