„Sputnik Heimattour“

„Sputnik Heimattour“: Katerstimmung beim MDR nach Hausverbot für MZ

Helbra - Nach einem kritischen Bericht erhält die MZ Hausverbot bei der Sputnik Heimattour. Wie der Veranstalter dem Sender Probleme macht.

Von Anja Förtsch

Der Samstagabend in Helbra (Landkreis Mansfeld-Südharz) ist eisig - sowohl in Sachen Temperatur als auch in Sachen Stimmung.

Die Fassade der Alten Schachthalle, ein ehemaliger Industriebau, in dem an diesem Abend die „Heimattour“-Party des Radiosenders MDR Sputnik stattfindet, wird mit violettem, blauem und pinkfarbenem Licht angestrahlt, davor steht eine Handvoll rauchender Gäste, ein Mann uriniert an das Tor vor dem Gebäude. 

Hausverbot für MZ bei „Sputnik Heimattour“ des MDR

Durch den Vorraum geht es in die eigentliche Veranstaltungshalle - und dort ist Schluss: „Die MZ hat Hausverbot“, teilt ein Mitarbeiter des Veranstalters mit. Der Geschäftspartner des größten regionalen Rundfunks setzt die Reporterin der lokalen Presse vor die Tür. Und erntet damit über Nacht einen Sturm der Entrüstung.

Auf dem Online-Nachrichtendienst Twitter wurde die Meldung über den Rauswurf innerhalb weniger Stunden Dutzende Male geteilt und kommentiert. Viele, auch ein Mitglied des MDR-Rundfunkrats, fordern das Ende der Zusammenarbeit mit dem Veranstalter oder zumindest eine Erklärung des Senders. Doch der bleibt zunächst stumm.

Veranstalter mietet Alte Schachthalle in Helbra von einem Rechtsextremen

Begonnen hatte die Auseinandersetzung am Mittwoch. Die MZ berichtete, dass der Veranstalter der MDR-Sputnik-Heimattour für die Party am Samstagabend die Alte Schachthalle in Helbra gemietet hat - und damit jene Räumlichkeiten, die einem ortsbekannten Rechtsextremisten gehören, der im Internet keinen Hehl aus seiner Gesinnung macht: Er teilt dort Bilder von Wehrmachtssoldaten mitsamt Hakenkreuz, antisemitische und rassistische Karikaturen sowie Schriftstücke, die erklären sollen, warum die Bundesrepublik kein real existierender Staat ist.

Der MDR erklärte daraufhin, er sei selbst nicht Veranstalter, sondern begleite und bewerbe die Partyreihe nur und distanziere sich „von jedwedem extremistischen Gedankengut“. Vielen reichte das nicht aus. Das antifaschistische Aktionsbündnis „No Halgida“ aus Halle etwa, dass die Veranstaltung in einem offenen Brief an den MDR scharf kritisiert hatte, forderte: „Absage ist die einzig glaubwürdige Distanzierung!“

MDR Sputnik bedauert Hausverbot für MZ-Redakteurin

Genau das ist aber nicht passiert, die Party fand wie geplant statt. Allerdings ohne die MZ. Die bisherige Berichterstattung sei fatal für die Veranstaltung gewesen, hieß es vom Mitarbeiter des Eventmanagements. Es könnten dadurch weniger Gäste kommen oder „Linksradikale, die Ärger machen“. Bewahrheitet hat sich letztere Befürchtung nicht, laut der Eisleber Polizei gab es bis auf eine Trunkenheitsfahrt keine Zwischenfälle.

Der Protest fand stattdessen auf der Online-Plattform Twitter statt. „Nach dem Hausverbot für MZ-Journalistin Anja Förtsch muss MDR Sputnik die Heimattour endlich absagen. Sonst machen sie sich mit dem Verstoß gegen die Pressefreiheit gemein“, schrieb etwa ein Nutzer. Dutzende stimmten ihm mit ähnlichen Worten zu. Der Sender erklärte, er bedaure es ausdrücklich, dass der Veranstalter die MZ nicht bei dem Event zugelassen hat. „MDR Sputnik wird diese Entscheidung des Veranstalters wie auch die Veranstaltung insgesamt ausführlich auswerten“, teilte die Pressestelle auf MZ-Anfrage mit.

Kritik gab es unterdessen auch von Seiten des MDR-Rundfunkrats. „Unfassbar. Das wird Konsequenzen haben. Ich gehe davon aus, dass dies die letzte ,Heimattour’ in dieser Form war“, twitterte Linken-Politiker und Rundfunkratsmitglied Stefan Gebhardt.

Heimattour Thema beim MDR-Rundfunkrat 

Der Rat wird sich in seiner Sitzung am 4. Dezember mit dem Thema befassen, sagte Gebhardt auf Anfrage der MZ. Eine Party zu bewerben, für die der Veranstalter Räumlichkeiten eines Rechtsextremisten miete, „das geht so überhaupt nicht“, so Gebhardt zur MZ. „Das Ganze ist aber auch eine Folge des Outsourcing-Prozesses, der in der Vergangenheit stattfand.“

Dabei hatte der MDR entschieden, Partys wie die Sputnik-Heimattour nicht mehr in Eigenregie zu veranstalten, sondern die Organisation an Subunternehmen auszulagern, die dann unabhängig vom Sender etwa Räume mieten. „Das muss geändert werden“, fordert Gebhardt. Noch vor dem Rundfunkrat wird sich auch der Hörfunkausschuss des Senders am Mittwoch mit dem Vorfall befassen, teilte Ratsmitglied René Lindenberg mit.

Am Eingang zur Alten Schachthalle in Helbra prangt am Samstagabend ein großes Banner. „Sputnik - No Racism“, zu deutsch „kein Rassismus“, steht darauf. Fragt sich, ob es an die Gäste oder den Veranstalter gerichtet ist. (mz)