Schädlingsbekämpfer verboten

Schädlingsbekämpfer verboten: Kommt eine Mäuseplage auf die Bauern zu?

Eisleben/Hettstedt/Sangerhausen - Zeichnet sich jetzt schon ab, dass es in diesem Jahr eine Mäuseplage auf den Äckern in Mansfeld-Südharz geben wird? Laut Wolfgang Minning, er ist der Vorsitzende des Bauernverbandes Mansfeld-Südharz, spricht sehr viel dafür: „Ich bin natürlich kein Hellseher, aber wir hatten keinen besonders strengen Winter, so dass wohl die meisten Mäuse unbeschadet ins Frühjahr kommen werden.“ In diesem Jahr betrachten die Landwirte im Kreis die Lage noch einmal ...

Von Beate Thomashausen 26.03.2019, 09:30

Zeichnet sich jetzt schon ab, dass es in diesem Jahr eine Mäuseplage auf den Äckern in Mansfeld-Südharz geben wird? Laut Wolfgang Minning, er ist der Vorsitzende des Bauernverbandes Mansfeld-Südharz, spricht sehr viel dafür: „Ich bin natürlich kein Hellseher, aber wir hatten keinen besonders strengen Winter, so dass wohl die meisten Mäuse unbeschadet ins Frühjahr kommen werden.“ In diesem Jahr betrachten die Landwirte im Kreis die Lage noch einmal besonders.

Und, was die Lage besonders prekär macht: Bei der Neu- beziehungsweise Wiederzulassung von Rodentiziden, zu denen Mäusegifte zählen, wurden durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit neue Anwendungsbestimmungen erlassen.

Verbot von Mäusegift in Manfeld-Südharz

Verboten ist künftig die Anwendung gegen Feldmäuse unter anderem in Natur- und Vogelschutzgebieten. Auch dürfen die Mittel nicht mehr dort eingesetzt werden, wo Feldhamster Zuhause sein könnten. Im Landkreis Mansfeld-Südharz dürfen die Mittel also nicht mehr eingesetzt werden“, konstatiert Minning. „Bei uns lebt ja praktisch überall der Feldhamster und unsere Region ist reich gesegnet mit Schutzgebieten.“

Das heißt, die Mäusegifte, die jetzt noch mit der Legeflinte verdeckt, also direkt in die Mäusegänge, ausgebracht werden durften, sind jetzt auch nicht mehr erlaubt. Sehenden Auges ins Unglück rennen, nennt Minning das. Von Ernteausfällen von 20 bis 30 Prozent spricht er, die auf den Flächen möglich sind, die besonders stark von Mäusen befallen sind.

Kaum natürliche Fressefeinde

Mittlerweile ist die Vegetation soweit vorangeschritten, dass weder eine gezielte Bekämpfung durch den Menschen möglich wäre, noch kommen Greifvögel zum Zug, denn unterm schützenden grünen Dach der Wintersaaten, sind die Nager von oben kaum noch auszumachen Und auch der Fuchs fehle als natürlicher Feind fast völlig.

„In den letzten zwei, drei Jahren ist der Fuchsbestand durch Krankheiten arg dezimiert worden“, sagt der Landwirt. Alles das spricht seiner Meinung nach sehr dafür, dass in diesem Jahr die Mäuse auf den Feldern überhand nehmen werden.

Mäusenplagen kommen häufiger vor

„Früher ging man von längeren Zyklen von zehn, zwölf Jahren aus, in denen die Mäusepopulation sehr groß wurde“, sagt Minning. Mittlerweile seien die Abstände aber viel kürzer geworden. Er nennt die Jahre 2008, 2011 und auch 2015 als Jahre, in denen die Bauern mit Mäuseplagen zu kämpfen hatten und es erhebliche Schäden gab.

Wenn man bedankt, dass eine Maus im günstigsten Fall 13 Junge wirft und die Weibchen bereits nach 20 Tagen geschlechtsreif sind, dann kann man ermessen, wie schnell die Vermehrung geht und weshalb die Feldmaus als der bedeutendste Schädling in der Landwirtschaft gilt. Zumal sie nicht wählerisch sind beim Futter. Im Herbst des Jahres 2015 gab es eine Notfallzulassung für spezielle Mäusegifte, die damals auch breitwürfig ausgebracht werden durften.

Feldhamster und Greifvögel bedroht

Das wurde damals insbesondere vom Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) kritisiert, weil durch das Verstreuen des Giftes auf offenen Flächen auch geschützte Tierarten wie Feldhamster und Greifvögel oder sogar Haustiere getötet werden könnten. Um das aber zu vermeiden, wurden die Gifte bislang mit so genannten Legeflinten direkt in die Mäuselöcher eingebracht.

Besonders schlimm sei es 1978 gewesen, erinnert sich der erfahrene Landwirt, dass es selbst im Sommer als es nichts mehr auf den Feldern gab, dort vor Mäusen wimmelte. „Da war es fast unsinnig, die neue Saat auszubringen, denn die Mäuse fraßen alles sofort wieder auf.“

Seiner Meinung nach ist es Unsinn, die Mittel ganz abzuschaffen. „Niemand setzt die einfach ohne Not ein“, sagt Minning. „Wenn sie aber verboten sind und wir brauchen sie, weil die Mäuse ernstlich Schaden anrichten, dann gucken wir uns an.“ (mz)