Von der Straße auf die Schiene

Rottleberöder Firma Ante übernimmt Gleisanlage

Das Unternehmen aus dem Südharz will künftig mehr Holztransporte per Bahn abwickeln. Die Gemeinde Südharz begrüßt das Verlagern von Transporten auf die Schiene.

Von Helga Koch 13.01.2022, 12:38
Die Rottleberöder Firma Ante will künftig mehr Holztransporte von der Straße auf die Schiene verlagern. Hier ein  Luftbild aus dem März 2020.
Die Rottleberöder Firma Ante will künftig mehr Holztransporte von der Straße auf die Schiene verlagern. Hier ein Luftbild aus dem März 2020. (Foto: Maik Schumann)

Rottleberode/MZ - Teile der Gleisanlage am Bahnhof Rottleberode haben zum Jahresbeginn einen neuen Eigentümer bekommen: „Die Firma Ante hat einen Teil der Gleisanlage von einer Privatfirma gekauft“, teilt Sabine Krause von der Gemeindeverwaltung Südharz auf MZ-Anfrage mit und bestätigte damit Medienberichte. Zuerst hatte die Thüringer Allgemeine über Pläne der Ante-Gruppe berichtet, in Rottleberode einen Warenumschlagplatz und ein Verteilzentrum zu errichten.

Von einer Privatfirma gekauft

Die erwähnte Privatfirma habe dort schon bisher die Holzverladung durchgeführt, so Krause weiter. Die Gleise hätten also nicht der Gemeinde gehört, und durch die Gemeinde habe es auch keinen Einfluss auf die Vertragsgestaltung gegeben. Grundsätzlich sei die Verschiebung der Transportkapazitäten von der Straße auf die Schiene zu begrüßen, so Krause. Das liege auch im Interesse der Gemeinde Südharz.

Die umfangreichen Holztransporte von und nach Rottleberode sorgen schon seit längerer Zeit auch für zwiespältige Gefühle bei Einwohnern der Region. Einerseits hat sich das Unternehmen als großer Arbeitgeber im westlichen Kreisgebiet etabliert. Andererseits belasten die tonnenschweren, langen Fahrzeuge den Straßenverkehr und die Anlieger der Durchfahrtsstraßen in den umliegenden kleineren Orten in Mansfeld-Südharz und den benachbarten Landkreisen in Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Höheres Holzaufkommen durch Stürme, Trockenheit und Käferbefall

Seit dem verheerenden Sturm „Friederike“, der vor fast genau vier Jahren riesige Waldgebiete im Harz zerstört hat, haben die Transporte deutlich zugenommen. Immense Trockenheit und explodierende Käferpopulationen gaben vielen verbliebenen Fichten und Buchen den Rest. All das Holz aus den Waldgebieten aufzuarbeiten, abzufahren und zu verwerten, ist längst nicht abgeschlossen. Auch künftig werden viele Forstbetriebe ihr Holz per Lkw abtransportieren müssen.

Keine Auswirkungen auf geplanten Bahnverkehr nach Stolberg

Der Eigentümerwechsel der Gleisanlage habe mit der Bahnstrecke Rottleberode - Stolberg, die die Tourismus und Warnetal GmbH von der DB Netz AG gepachtet hat, nichts zu tun, sagt Sprecher Christian Wegmann. „Der Verladebahnhof war ja schon vorher in privater Hand.“ Um die Strecke nach Stolberg nutzen zu können, sei inzwischen an der Brücke nahe Stolberg gearbeitet worden. „Es sind noch ein paar kleine Restarbeiten nötig, dann warten wir auf die Freigabe der Strecke durch die Landeseisenbahnaufsicht Magdeburg.“ Die Arbeiten könnten im Januar erfolgen, so dass „hoffentlich im ersten Quartal 2022“ die Behörde „Daumen hoch“ signalisieren werde. Dass Ostern Touristen per Bahn nach Stolberg reisen, glaube er „eher noch nicht“, so Wegmann.

Zugleich verfolge die Warnetalbahn ein zweites Projekt: „Wir wollen im alten Bahnhof Rottleberode das ehemalige Ladegleis wieder herstellen und sind zurzeit in der finalen Planung mit der Behörde in Magdeburg.“ Das könnte im ersten Halbjahr 2022 passieren. Dann ließen sich über die Verladestelle im Thyratal gemeinsam mit dem Landesforstbetrieb weitere Holztransporte abwickeln: „Zwei Züge wöchentlich mit 1.200 Tonnen Holz je Zug.“ Und das würde die Straßen in der Region ebenfalls entlasten.

Die Firma Ante hat sich auf Anfrage der MZ nicht geäußert.