1. MZ.de
  2. >
  3. Mitteldeutschland
  4. >
  5. Landkreis Mansfeld-Südharz
  6. >
  7. Rentner mit Pressluftmeißel erschlagen: Urteil gegen Rottleberöder gesprochen

Diese Strafe erwartet ihnRentner mit Pressluftmeißel erschlagen: Urteil gegen Rottleberöder gesprochen

Ein 42-jähriger Rottleberöder musste sich vor Gericht wegen zweier brutaler Verbrechen verantworten, die im Frühsommer vergangenen Jahres für Entsetzen gesorgt hatten.

Von Frank Schedwill 26.01.2022, 17:45
Der Angeklagte beim Prozesauftakt auf dem Weg ins Gericht. Er wurde gleich von mehreren Justizbeamten in den Saal 141 gebracht.
Der Angeklagte beim Prozesauftakt auf dem Weg ins Gericht. Er wurde gleich von mehreren Justizbeamten in den Saal 141 gebracht. (Foto: Frank Schedwill)

Halle/Rottleberode/MZ - Während der Verhandlung sprach er immer wieder dazwischen, das Urteil nahm er regungslos hin: Das Landgericht Halle hat den Rottleberöder Michael J. (42) am Mittwoch wegen Totschlags, versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Eine Strafe gab es nur deshalb nicht, weil der Mann schuldunfähig ist. Er leidet nach Angaben des Gerichtsgutachters Philipp Gutmann seit Jahren an paranoider Schizophrenie.

Angeklagter: „Ich hatte einen guten Grund den Mann zu erschlagen“

Der Rottleberöder neige deshalb zu Verschwörungstheorien und habe am 28.  Juni vergangenen Jahres „aus einer subjektiven Bedrohungslage heraus gehandelt“. An dem Tag war der Verurteilte mit einem 1,63 Meter langen und 6,2 Kilo schweren Pressluftmeißel zu einem Nachbarn (77) gelaufen, der vor seinem Haus mit seiner Lebensgefährtin Abendbrot aß. Er schlug dem Rentner mit dem Meißel mindestens zweimal auf den Kopf. Der starb Wochen später an den schweren Verletzungen.

Beim Prozessauftakt hatte J. gesagt: „Ich hatte einen guten Grund den Mann zu erschlagen.“ Er brachte das Opfer mit dem frühen Tod seiner Schwester in Verbindung. Dabei hatte der Rentner damit nichts zu tun. Kurz nach dem Überfall schlug der 42-jährige dann mit dem Meißel auf einen Beamten eines Sondereinsatzkommandos (SEK) ein, der ihn festnehmen wollte. Der Polizist kam mit einer Schädelprellung davon. „Nur gut, dass ich den Helm aufhatte, sonst wäre das anders geendet“, sagte er als Zeuge. Der SEK-Mann konnte J. mit drei Schüssen stoppen.

Einstufung als gefährlich

Der Vorsitzende Richter Jan Stengel sagte: J. müsse vor sich selbst und die Allgemeinheit vor ihm geschützt werden. Der Gutachter hatte ihn als gefährlich eingestuft. „Es besteht die Gefahr, dass über kurz oder lang auch andere Ziel seiner Attacken werden könnten.“ Die Entscheidung muss nun jährlich per Gericht überprüft werden. Der Angeklagte fragte am Ende des Prozesses, was das Urteil genau bedeute. Stengel sagte: „Sie bleiben in der Klinik, bis sie gesund sind.“ Der Angeklagte entgegnete: „Für mich heißt das lebenslang.“