Neue Hiobsbotschaft

Neue Hiobsbotschaft: Lässt gefährlicher Pilz auch Eichen in der Region sterben?

Allstedt/Hettstedt - Nachdem Trockenheit und Borkenkäfer den Wäldern in der Region bereits arg geschadet haben, droht nun möglicherweise eine neue Hiobsbotschaft aus dem Wald: An absterbenden Eichen im Ziegelrodaer Forst bei Allstedt könnte eine Form des Diplodia-Pilzes wuchern, die besonders diese Baumart ...

Von Grit Pommer 27.08.2019, 10:00

Nachdem Trockenheit und Borkenkäfer den Wäldern in der Region bereits arg geschadet haben, droht nun möglicherweise eine neue Hiobsbotschaft aus dem Wald: An absterbenden Eichen im Ziegelrodaer Forst bei Allstedt könnte eine Form des Diplodia-Pilzes wuchern, die besonders diese Baumart befällt.

Experten der Nordwestdeutschen  Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen haben Proben des befallenen Holzes untersucht und Hinweise gefunden, die in Forstkreisen aufhorchen lassen. Denn bei dem Pilz könnte es sich um eine Art handeln, die bisher nur in Südeuropa und Nordamerika als Eichenschädling aufgefallen ist. So soll eine spezielle Diplodia-Art für das große Korkeichensterben in Portugal mitverantwortlich sein.

Untersuchungen stehen noch am Anfang

In Deutschland und Mitteleuropa dagegen sind bisher noch keine Schäden durch diesen speziellen Pilz beschrieben worden. Ein Nachweis im Ziegelrodaer Forst wäre der erste für ganz Deutschland, bestätigt Gitta Langer, die in der Forstlichen Versuchsanstalt das Sachgebiet Mykologie und Komplexerkrankungen leitet.

„Aber wir stehen noch am Anfang unserer Untersuchungen“, sagt sie. Für Wissenschaftler der Versuchsanstalt waren jetzt erneut in Mansfeld-Südharz und haben im Ziegelrodaer Forst und auch in anderen Revieren des Landesforstbetriebs Süd weitere Proben genommen.

Dabei mussten sie feststellen, wie schnell der Pilzbefall dort die Eichen zerfrisst. „Bäume, die vor einem Monat noch gut aussahen, sind vier Wochen später am Absterben“, sagt Langer.

Pilz offenbar schon länger in der Region heimisch

In Sachsen-Anhalt kenne man andere Arten aus der Gattung Diplodia bereits von Kiefern und Buchen. Dass ein Pilz jetzt den Eichen so schwer zu schaffen macht, liegt vor allem an der außergewöhnlich warmen und trockenen Witterung seit 2018, sagt Langer.

Normalerweise können Eichen mit  Wärme und Wassermangel besser umgehen als beispielsweise Buchen. Zwei Extremsommer in Folge haben aber auch ihnen offensichtlich schwer zugesetzt.  Es sei gut möglich, dass der jetzt grassierende Pilz schon sehr lange in unseren Breiten heimisch ist, den Eichen bisher aber nichts anhaben konnte, weil sie stets widerstandsfähig genug waren.

Schäden treten auch in anderen Revieren auf

Förstern war an den Bäumen im Ziegelrodaer Forst so genannter Schleimfluss aufgefallen: Aus schwarzen Flecken an der Rinde tritt Flüssigkeit aus. Damit versucht der Baum, Eindringlinge wie Pilze oder auch Insekten  abzuwehren.

„Dieses Schadensbild haben wir auch in anderen Revieren“, sagt Holger Koth, der Leiter des Forstbetriebs Süd, zu dem der Ziegelrodaer Forst gehört. Nicht nur er wartet nun gespannt darauf, was die Untersuchung weiterer Proben ergibt.

Dass Diplodia möglicherweise die Eichen in Mitteldeutschland bedroht, stellt Privat- und Landesforst vor ein Problem. Bisher gilt die gegen Wassermangel robuste Eiche als eine Baumart, mit der man sich bei Aufforstungen für die Zukunft wappnen kann. Das Sterben im Ziegelrodaer Forst stellt das nun in Frage. (mz)