Hotel Freiwerk in StolbergHotel Freiwerk in Stolberg: Fachwerk und Moderne

Stolberg - Zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum in diesem Jahr wirbt das Land Sachsen-Anhalt mit dem Motto: „Modern denken“. Wer ein architektonisches Beispiel dafür sucht, sollte den Blick auf Stolberg richten. Über den roten Ziegeldächern der Harzstadt befindet sich in einem repräsentativen Fachwerkbau das Hotel Freiwerk. „Ab Frühjahr 2019 wird das historische Haupthaus durch einen modernen Anbau ergänzt“, sagt Eigentümer und Geschäftsführer Clemens Ritter von Kempski der MZ. Der Unternehmer will jedoch nicht nur bei sich umbauen, sondern die gesamte Region touristisch ...

Von Steffen Höhne 01.02.2019, 11:26

Zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum in diesem Jahr wirbt das Land Sachsen-Anhalt mit dem Motto: „Modern denken“. Wer ein architektonisches Beispiel dafür sucht, sollte den Blick auf Stolberg richten. Über den roten Ziegeldächern der Harzstadt befindet sich in einem repräsentativen Fachwerkbau das Hotel Freiwerk. „Ab Frühjahr 2019 wird das historische Haupthaus durch einen modernen Anbau ergänzt“, sagt Eigentümer und Geschäftsführer Clemens Ritter von Kempski der MZ. Der Unternehmer will jedoch nicht nur bei sich umbauen, sondern die gesamte Region touristisch voranbringen.

Tourismuskonzept erstellt

Im Restaurant des Hotels breitet Kempski die Pläne des Nordhäuser Architektenbüros Klima aus: „Unterhalb des Fachwerkhauses sollen in den Berg ein geschwungener Neubau mit zwei Etagen entstehen“, erläutert der Hotel-Chef. In der unteren seien 15 Hotelzimmer geplant, die alle einen Blick ins romantische Thyratal hätten. Im darüber liegenden Geschoss komme ein Restaurant mit Terrasse, Tagungsräume und die Lobby. An das Hotel soll noch ein Wellnessbereich mit Sauna gebaut werden. Rund drei Millionen Euro soll der Umbau kosten. Von Kempski hat nach eigenen Worten die Pläne mit dem Denkmalschutzamt abgestimmt. Das neue Gebäude-Ensemble passe sich in die Berglandschaft ein.

Investitionskosten von 10 Millionen Euro

Das Fachwerkhaus wurde 1894 als Sommerresidenz eines Bremer Reeders errichtet. Nach 1945 diente es in der DDR als Handwerker-Erholungsheim und hatte nach der Wende wechselnde Pächter der Hotellerie.

Von Kempski, der auch das nahe gelegene Naturressort Schindelbruch führt, ersteigerte das Haus im Jahr 2011 und nahm bereits umfangreiche Sanierungsmaßnahmen vor. „Für einen erfolgreichen Betrieb sind die vorhandenen 18 Zimmer aber eigentlich zu knapp“, begründet er nun den Ausbau. Ende Februar werde das Haus schließen und Mitte 2020 wieder eröffnen. Insgesamt sollen in seinen Hotel-Anlagen bis 2021 rund zehn Millionen Euro investiert werden.

"Die Region hat beträchtliches touristisches Potenzial"

Von Kempskis Pläne erstrecken sich nicht nur auf seine Häuser, sondern auf die Region. 2017 hat der Hotelier das Tourismuskonzept S-Ky, der Begriff steht für Südharz-Kyffhäuser, vorgestellt, das die touristische Infrastruktur und die Angebotsqualität in Hotels, Restaurants und Handel verbessern soll. Die Initiative wird vom Wirtschaftsministerium gefördert. „Die Region hat beträchtliches touristisches Potenzial, das wir bisher aber nicht ausschöpfen“, ist von Kempski überzeugt. Der Qualitätsmanager Matthias Grünberg hilft nun Betrieben, ihre Standards zu verbessern. Inzwischen hat das Projekt 27 Mitglieder. „Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden“, sagt Martin Schulze, Leiter Tourismusmanagement bei der Standortmarketing Mansfeld-Südharz GmbH.

Tourismus in Stolberg wächst

Der Tourismus in Stolberg und der Gemeinde Südharz wächst: Im Jahr 2017 gab es rund 115.000 Übernachtungen - fünf Jahre zuvor waren es erst 85.000. Unzufrieden ist von Kempski jedoch mit der touristischen Vermarktung und der Infrastruktur. „Es liegt kein konkretes touristisches Konzept für die Gemeinde vor, obwohl das zugesagt wurde.“ Es gebe noch nicht mal „ein ernsthaftes Engagement.“ Die Kritik richtet sich gegen Bürgermeister Ralf Rettig (parteilos), der die Einheitsgemeinde mit 17 Orten leitet - nur Stolberg ist davon sehr touristisch geprägt. Rettig weist die Kritik zurück: „Durch die Industrie haben wir jährlich Steuereinnahmen von zwei Millionen Euro, die Unterhaltung touristischer Angebote wie Schwimmbad und Grotten kostet uns zunächst 850.000 Euro.“ Er setze sich dafür ein, dass mit Fördermitteln touristische Highlights wie etwa die Karsthöhle „Heimkehle“ entwickelt werden. „Wir müssen uns das aber auch leisten können.“

Kaufkraft durch Tourismus

Hotelier von Kempski argumentiert dagegen, dass Touristen erst richtig Kaufkraft in die Region bringen, wovon auch der Einzelhandel stark profitieren könnte. Zudem würden touristische Orte auch attraktive Wohnorte für Fach- und Führungskräfte aus der Industrie sein. In Stolberg wird also intensiv darum gerungen, wie der richtige Weg aussieht. Der Umbau des Hotels Freiwerk ist für von Kempski ein Baustein, um den Tourismus insgesamt zu stärken. (mz)