Landrat im Mansfelder Gebirgskreis Heimatgeschichte: Anton Ferdinand von Krosigk war Landrat im Mansfelder Gebirgskreis

Eisleben/Hettstedt - Anton Ferdinand von Krosigk stammte aus einem prominenten Altadelsgeschlecht in Anhalt, machte als Verwaltungsjurist Karriere und hatte seine Hauptwirkungsstätten als Landrat und Minister nacheinander im Mansfelder Gebirgskreis, im Herzogtum von Sachsen-Meiningen und im inzwischen geeinten Herzogtum Anhalt. Dabei fungierte er über 30 Jahre als Regierungschef und stellte in diesem Zusammenhang in seinen jeweiligen Herzogtümern die Weichen für den Übergang in das Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm I. Das fand später auch in einigen Beiträgen zur Geschichtsschreibung Berücksichtigung.
Anton Ferdinand von Krosigk: Erziehung durch Privatlehrer
Anton Ferdinand von Krosigk wurde am 10. September 1820 als zweites Kind seiner Eltern in Gröna geboren. Der Ort liegt etwa vier Kilometer südwestlich von Bernburg an der Saale, wurde lange von der Adelsfamilie Krosigk mit Schloss am Saalehang als Stammsitz genutzt und 2010 in die jetzige Kreisstadt Bernburg eingemeindet. Als Vater des Jungen, der noch sechs Geschwister hatte, gilt Anton Emil von Krosigk. Er war Erbherr auf Gröna, Schlosshauptmann zu Bernburg, Kammerherr und Wirklicher Geheimer Rat des letzten Herzogs von Anhalt-Bernburg und Ritter des Johanniterordens.
Die Mutter war eine geborene Albertine Louise Wilhelmine von Kerssenbrock. Sohn Anton erhielt auf Schloss Gröna eine standesgemäße Erziehung durch Privatlehrer, besuchte kurze Zeit das Bernburger Gymnasium und wurde 1835 zur weiteren Vervollkommnung auf die Ritterakademie in Brandenburg geschickt, wo er unter Standesgenossen auf ein weiterführendes Studium vorbereitet wurde. Anschließend studierte Krosigk nacheinander in Bonn und Berlin vor allem Rechtswissenschaften. Nach dem Studienabschluss und entsprechenden Praxisnachweisen wurde der Adelsspross kräftig in seiner Laufbahn gefördert.
Heirat mit Marie von Schlieckmann
Seine Förderer und Eltern suchten nach einem repräsentativen Amt. Zwischendurch heiratete Krosigk 1849 Marie von Schlieckmann, eine Tochter von Heinrich von Schlieckmann, der zu dieser Zeit als Vizepräsident des Oberlandesgerichts in Naumburg tätig war und dann vom Preußenkönig Wilhelm I. ins preußische Herrenhaus und zum Kronsyndikus berufen wurde. Das war ein Schwiegervater mit Einfluss. Als dann Ernst Freiherr von Friesen, der ebenfalls aus einer alten Adelsfamilie entstammte und ab 1841 in der Nachfolge von August von Münchhausen als Landrat des Mansfelder Gebirgskreises gewirkt hatte, sein Amt aufgab, wurde Krosigk 1850 in diese Position befördert.
Das Mansfelder Gebiet gehörte damals zum Regierungsbezirk Merseburg in der preußischen Provinz Sachsen. Krosigk nahm es hin, dass er zunächst kommissarisch tätig werden musste, überzeugte mit seinem Pragmatismus aber schnell seine Vorgesetzten und wurde 1851 offiziell im Amt bestätigt. Er wirkte zehn Jahre mit Erfolg als Landrat und zum Segen des Mansfelder Gebirgskreises. Mit diesem Lorbeer und der Unterstützung seines Schwiegervaters brachte er sich für höhere Aufgaben in Stellung. Er wirkte zwischendurch als Bevollmächtigter beim Bundesrat des Norddeutschen Bundes und wurde 1861 nach Meiningen gerufen, wo er zum Wirklichen Geheimen Rat, Staatsminister und solchermaßen Regierungschef des Herzogtums aufstieg.
Preußenfreundliche Politik an Bismarcks Seite
Doch die pro-habsburgische Politik des Herzogs Bernhard II. kollidierte mit den Ansichten Krosigks. Deshalb demissionierte er 1864. Sachsen-Meiningen schlitterte an der Seite Österreichs in die Niederlage von 1866 im Krieg gegen Preußen, wurde von einem preußischen Regiment besetzt und hatte arge Probleme. Die wurden gelöst. Herzog Bernhard dankte ab. Der Erbprinz wurde als Georg II. sein Nachfolger. Am 8. Oktober 1866 schloss Preußen mit Sachsen- Meiningen ohne Sonderbelastungen Frieden. Wenige Tage später kehrte Krosigk nach Meiningen als alter und neuer Staatsminister zurück, der nun ungehindert eine reformerische und preußenfreundliche Politik an der Seite Bismarcks betrieb.
Herzog Georg II. entwickelte sich zudem als Reformherzog und Theaterherzog, der besonders durch seine Theaterleidenschaft europaweite Bekanntheit erlangte. Krosigk und der Herzog konnten wohl gut miteinander und steuerten das Staatsschiff gemeinsam in erfolgreiche Fahrwasser. Sachsen-Meiningen wurde Mitglied im Norddeutschen Bund und dann nach dem Sieg im Deutsch-Französischen Krieg gegen Frankreich Mitglied im Deutsche Reich. Krosigk stellte dafür die organisatorischen Weichen. Als das Werk in Meiningen vollbracht war, wechselte der hochgelobte Staatsminister aus Südthüringen 1873 in seine Heimat Anhalt.
Integration vollendet
Ihm blieb nur wenig Zeit zum Verschnaufen auf dem Stammschloss in Gröna. Das nach dem Erlöschen der Askanierzweige in Zerbst, Köthen und Bernburg wiedervereinigte Herzogtum Anhalt brauchte einen kundigen ersten Staatsminister. So übernahm Krosigk auf Drängen vieler einflussreicher Persönlichkeiten 1875 das Amt. Nun wirbelte er in Dessau. Er vollendete die Integration Anhalts ins Deutsche Reich, sorgte für strukturelle Reformen und einen wirtschaftlichen Aufschwung. Das merkte man nicht nur in Dessau, sondern auch in Köthen und Bernburg.
Darüber starb der Aufsteiger aus Anhalt am 25. Dezember 1892 mitten in den Amtsgeschäften in Dessau, 17 Jahre vor seiner Frau, die ihre letzten Jahre in der Dessauer Kaiserstraße residierte. Außer seinem politischen Lebenswerk und seiner Witwe hinterließ Krosigk fünf Kinder. Sohn Eberhard brachte es beim preußischen Militär zum Generalleutnant. Sohn Dedo Anton wurde dagegen Erbherr auf Gröna. Im Rahmen der Dessauer Gedenkkultur wurde der Staatsminister von Krosigk zuletzt mit einem Beitrag gewürdigt. (mz)

