Gemeinde Südharz und ihre Wehr

Gemeinde Südharz und ihre Wehr: Vorreiter - nicht nur im Kreis

Hainrode - Zahl der aktiven Mitglieder der Gemeindewehr seit 2009 gestiegen.

Von Helga Koch

Die Südharzer, sagt Kreisbrandmeister Steffen Hohmann, könnten sehr stolz auf ihre Gemeindewehr sein, auf deren Leistungen und darauf, wie sie ihre Mitglieder hält. Denn in Zeiten des demografischen Wandels und in einer strukturschwachen Region sei das eher die Ausnahme als die Regel. Warum die Zahl der aktiven Mitglieder in der zurückliegenden Zeit sogar gestiegen ist und welche Probleme es trotzdem gibt, hat die Jahreshauptversammlung der Gemeindewehr deutlich gemacht.

Zahl der aktiven Mitglieder der Gemeindewehr seit 2009 gestiegen

Seit 2009, sagt Wehrleiter Frank Reinhardt, sei die Zahl der Aktiven von 294 auf 320 gestiegen. Aber tagsüber stünden nur noch 72 aktive Mitglieder zur Verfügung: „Das ist eine Situation, die mich ängstigt. Wie viele Atemschutzgeräteträger, Maschinisten und Truppführer sind darunter?“ Im Ernstfall müsste womöglich die Hälfte der Fahrzeuge stehen bleiben, weil Leute fehlen, warnt Reinhardt. Das zu verhindern und flächendeckend genügend Aktive verfügbar zu haben, „ist unser größtes Problem“.

Der Wehrleiter, seit 2013 im Ehrenamt, appelliert: „Es hilft nicht, die rosarote Brille aufzusetzen.“ Um die Einsätze zu optimieren, hat sein Stellvertreter Andreas Herrmann die Alarm- und Ausrückeordnung aktualisiert, für Wehren aus Bennungen, Breitungen, Breitenstein, Dietersdorf sowie Agnesdorf/Questenberg passiert das über die Leitstelle. Die Wehren aus Drebsdorf und Hainrode arbeiten seit Jahren zusammen, der Landkreis müsse ihrem Zusammenschluss noch zustimmen. Neu ist die Arbeit mit einem Feuerwehrprogramm, wozu alle Gerätehäuser einen Internetanschluss und die nötige Hardware schon haben oder erhalten, teils werde das noch nicht oder zu wenig genutzt.

Bürgermeister Ralf Rettig (parteilos) lässt keinen Zweifel, welchen Stellenwert der Brandschutz hat: „Der Gemeinderat hat nie irgendwelche Abstriche gemacht, wenn Vorschläge aus der Verwaltung kamen.“ Egal, ob es um Feuerwehrrente, Gerätehäuser, Entschädigung nach Einsätzen oder für die Diensthabenden ging. Über das Förderprogramm Stark V sollen die Gerätehäuser in Hayn und in Breitungen ebenso profitieren wie weitere Gerätehäuser, die neue Heizungen erhalten.

Dieses Jahr stehen zwei neue Kommandowagen, nächstes Jahr zwei Löschfahrzeuge auf der „Einkaufsliste“ der Gemeinde. Sie will dafür Fördermittel beantragen. Der 90-prozentige Zuschuss für den Lkw-Führerscheins komme gut an, sagt Rettig, ebenso der freie Eintritt in eigene kommunale Einrichtungen für die Aktiven, die Mitglieder der Kinder- und der Jugendwehren. Mit solchen und ähnlichen Aktionen ist die Wehr Vorreiter - nicht nur im Kreis.

Stellt das Land in den kommenden Jahren 100 Millionen Euro für den Brandschutz bereit?

Und das weckt auch Interesse, sich bei der Wehr zu engagieren. Schaue er sich aber an, wie die Landesregierung mit Gerätehäusern, Technik und der ehrenamtlichen Arbeit in den Feuerwehren umgeht, seien 1,2 Millionen Euro im Haushalt für dieses Jahr „eine Schande. Da macht es sich die Landesregierung zu einfach. So kann’s nicht funktionieren.“ Beim Vergleich mit Thüringen und Sachsen werde es ihm „schummrig“.

Landesbrandmeister Andreas Heinold lobt das „sehr gute Verhältnis zwischen Fördern und Fordern“ beim Brandschutz in der Einheitsgemeinde: „Sie hat ihre Hausaufgaben gemacht.“ Und man erwarte nunmehr vom Land, dass es auch sein Versprechen hält und in den kommenden Jahren 100 Millionen Euro für den Brandschutz bereitstellt. Da sei es nämlich schon „30 Sekunden vor zwölf“. (mz)